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Kingsman: Mit Regenschirm und Handgranate

Während gerade erst das erste Poster zum neuen James Bond-Streifen „Spectre“ aufgetaucht ist, auf dem Daniel Craig in vertraut ausdruckslos den „harten Mann“ markierender Art genauso in die Kamera starrt, läuft im Moment noch ein vollkommen anderer Agenten-Streifen in den Kinos. Dabei setzt „Kingsman: The Secret Service“ auf ganz andere Dinge wie es das Publikum eigentlich von James Bond gewohnt ist, bleibt allerdings im Grunde dem Geheimagenten im Dienste ihrer Majestät treu.

Als Lancelot (Jack Davenport), ein eigentlich erfahrener Agent der Kingsmen, eines nicht-staatlichen Geheimdienstes, der sich der Wahrung von Recht und Ordnung verschrieben hat, bei einer eigentlich eher banalen Befreiungsmission ums Leben kommt, brauchen seine Kollegen dringend einen Ersatz. Jeder von ihnen soll einen möglichen Nachfolger vorschlagen, woraufhin Harry Hart alias Galahad (Colin Firth) ausgerechnet den intelligenten, aber auf der schiefen Bahn gelandeten Teenager Eggsy (Taron Egerton) ins Rennen schickt. Umgeben von hochnäsigen Snobs schlägt der sich daraufhin an der Seite von Roxy (Sophie Cookson), mit der er sich sehr bald bei den Kingsmen anfreundet, durch die Aufnahmeprüfungen.
Zeitgleich plant ein bis dahin unbekannter Schurke, der Milliardär Valentine (Samuel L. Jackson), ein wahnwitziges Vorhaben, mit dem er die Erde vor der globalen Erwärmung retten will. Das Problem: Dieser Plan bedeutet den Tod des Großteils der Menschheit…

Vom Kleinkriminellen zum Kingsman – So in etwa lässt sich Eggsys Karriere zusammen fassen. Da braucht es eigentlich nur den Trailer, um das prophezeien zu können.
Trotz dieser Vorhersehbarkeit der Story entpuppt sich „Kingsman“ allerdings als eine schnelle, amüsante Komödie, die ganz bewusst mit dem Charme der alten James Bond-Filme spielt und so ganz bewusst an Zeiten erinnert, in denen noch so abgedrehte Bösewichte ihre Pläne so lange vor dem Helden ausbreiten konnten bis der sich aus jeder noch so abstrusen Todesfalle befreit hatte. Da kann der Schurke ein lispelnder Internet-Milliardär sein, der keine Gewalt verträgt, aber Milliarden von Menschen umbringen will, und seine Gehilfin eine seltsame Klingenvorrichtung anstatt von Füßen haben, über die sich keiner wundert und zu der auch niemand innerhalb der Geschichte eine Erklärung abgibt. Diese abgedrehten Elemente hat der Zuschauer einfach hinzunehmen, was auch – sobald man sich darauf einlässt – sehr gut funktioniert.

Dabei parodiert und kokettiert „Kingsman“ zugleich mit den Klischees alter Agententhriller: Die High-Tech-Ausrüstung besteht dann eben aus einem kugelsicheren Regenschirm und spießigen Anzugschuhen mit integrierter Klinge, steife Snob-Helden, die immer darauf aus sind, sich wie Gentlemen zu benehmen und nicht zuletzt der Proll, der kultiviert werden soll.
Das Schöne: Der Balanceakt zwischen Albernheit und Ernst – zwischen Parodie und Hommage – gelingt.
Die verschiedenen Handlungsstränge werden geschickt miteinander verwoben, und auch wenn es kaum wirklich überraschende Plottwists gibt, so wird der Streifen doch nie langweilig, sondern springt leichtfüßig von Szene zu Szene, sodass selbst sehr vorhersehbare Passagen nicht an Unterhaltungswert verlieren.

Insgesamt trumpft „Kingsman“ mit sehr viel Witz, Parodie und dem Geist alter Agentenfilme auf, ohne sie oder sich selbst komplett ins Lächerliche zu ziehen, was eine so geniale Mischung ergibt, dass Schwächen in der Story nebensächlich werden und schließlich komplett in den Hintergrund rücken. Durch und durch unterhaltsam.

Raiting: [8/10]

Teufel: Thriller meets Fantasy – Funktioniert das?

Als amerikanische Wissenschaftler einen Kometen auf die Erde zurasen sehen, geht die Menschheit zunächst von ihrem eigenen Ende aus. Geschwindigkeit, Größe und die deswegen vermutete Wucht des Aufpralls lassen wenig Hoffnung auf ein Überleben, aber dann geschieht das Unglaubliche: Der Komet hält an und verändert seinen Flug bis er schließlich über Köln zum Stehen kommt.
Heraus tritt eine engelhafte Gestalt, ein Mann, der sich als Luzifer persönlich entpuppt und die ganze Welt in Erstaunen versetzt. Kaum einer zweifelt an den angeblich edlen Motiven des Engels, aber unter den Skeptikern befindet sich auch der Journalist Tabarie, der nicht glauben will, dass aus dem gefallenen Engel, der mit seinem Fall zum Teufel wurde, plötzlich ein Heiland geworden ist.
Also stellt er Nachforschungen an, immer auf den Spuren des Fremden, während seine Gedanken weiter um zwei ganz zentrale Fragen kreisen: Wer ist Luzifer und was hat er vor?

Als das Wesen antwortete, war seine Stimme leise und doch unüberhörbar.
‚Ich bin nicht Michael, noch Gabriel. Ich bin nicht Tamiel, noch Arameel. Ich bin Luzifer.‘

– Markus Tillmanns: „Teufel“, 1. Kapitel

Gleich zu Beginn: „Teufel“ ist eines dieser Bücher, die mich sehr zwiespalten. Denn auf der einen Seite ist der Roman interessant, wenn nicht sogar genial, während mir auf der anderen zugleich etwas fehlt. Aber alles der Reihe nach.
Zuerst einmal ist die Kombination der Genres Thriller und Fantasy ungewöhnlich und eine coole Idee mit sehr viel Potential, die mich von Anfang an neugierig gemacht hat. In den letzten Jahren haben sich ja schließlich genügend Engelsstories im Stil der „Engel der Nacht“-Reihe von Becca Fitzpatrick oder der „Damian“-Bücher von Rainer Wekwerth mit der Thematik der Gefallenen Engel und damit auch ihres Anführers Luzifer auseinander gesetzt, der große Unterschied zu „Teufel“ ist dabei allerdings zweifelsohne die Zielgruppe.
Denn „Teufel“ richtet sich weniger an Teenager, die eine kuschelige Lovestory erwarten, sondern auf (halbwegs) erwachsene Thriller-Fans. Ein recht komplexer Wulst an Figuren, diverse Perspektiven, die parallel laufen und zum Teil Szenen, die den Leser ganz gezielt irritieren und abstoßen sollen.
Und da lande ich persönlich auch schon bei dem Problem, das ich mit „Teufel“ habe.
Während der Thriller-Part mir unglaublich gut gefällt und mich Dank des soldien, flüssigen Schreibstils sehr schnell sehr tief in die Geschichte entführt, ist mir der Fantasy-Anteil schlicht zu einfach und stringent.

Das beginnt bei dem grundlegenden „Detail“, dass der Antagonist des Romans ausgerechnet Luzifer ist, von dem schon allein jeder Supernatural-Zuschauer weiß, dass das der Engel ist, aus dem der Teufel persönlich wurde, und multipliziert sich dann immer weiter im Verlauf des Buchs.
Denn ehrlich gesagt hätte ich mir eine weniger abgenutzte Umgangsweise mit der Person Luzifers gewünscht. Dass der sich nämlich wirklich als der Teufel bzw. Satan darstellt, das hat die Kirche schon im Mittelalter erzählt, womit man mit einem originellen und geschickt gesetzten Twist viel mehr Neugier hätte wecken können. Ähnlich verhält es sich mit der mir zu einfachen Einteilung in „Gut“ und „Böse“. Da gibt es nämlich innerhalb des Romans vor allem schwarz und weiß mit wenigen bzw. nur angerissenen Graustufen, von denen ich nur zu gern mehr erfahren hätte.
Auch fiel es mir etwas schwer, den Figuren abzukaufen, wie unreflektiert sie mit Informationen über Luzifer aus der Bibel bzw. den Apokryphen umgehen. Da wird – selbst von dem eher skeptischen Tabarie – das meiste für bare Münze genommen, was in diesen Schriften steht, keiner scheint die Frage danach zu stellen, wie zuverläßlich diese Quellen denn sind oder ob da nicht vielleicht noch immer zwischen wahren Kern und reiner Mythologie unterschieden werden müsste.
All das mag jemanden, der weniger aus der Fantasy- als aus der Thriller-Ecke kommt, nicht großartig stören, aber mir persönlich bleiben als großen Fantasy-Fan zu viele Fragen offen oder zumindest einfach unbehandelt.

Zugleich bleibt der bereits erwähnte schöne und flüssige Stil, mit dem ich mich sehr gut anfreunden konnte. Die einzelnen Perspektiven der Figuren sind normalerweise gut nachvollziehbar, in den entscheidenen Momenten wird punktuell sauber Spannung aufgebaut, die mich an den Seiten kleben ließ, aber genauso ist der gesamte Roman für mich nach wie vor gesplittet:
„Teufel“ ist ohne Zweifel ein für mich (als absolut keine Krimi- oder Thriller-Leserin) ein sehr interessanter Thriller, aber zugleich ein zu einfach gestrickter Fantasy-Roman.

Infos zum Buch:
Autor: Markus Tillmanns
Autorenwebsite: markustillmanns.de
Umfang: c.a. 292 Seiten
Erscheinungsdatum: 18. November 2014

ISBN: 978-1503152137
Preis: 9,99€ [D, Taschenbuch]

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Hier kommt ihr zu „Teufel“ bei amazon.
(An dieser Stelle auch noch einmal ein Dankeschön an den Autor für das Rezensionsexemplar.)

Raiting: [7/10]

Julia Engelmann: Eines Tages, Baby – Süße Hipster-Gedanken

Seit ihrem viralen Überraschungshit mit „One Day /Reckoning Text“ beim 5. Bielefelder Hörsaal-Slam ist der Name Julia Engelmann auch außerhalb der Slammer-Szene halbwegs bekannt geworden. Kein Wunder, nach über 7 Millionen Klicks, die das Youtube-Video inzwischen gesammelt hat.
Engelmanns Buch bzw. das Hörbuch desselben sind dabei im Grunde nur eine Erweiterung des Auftritts in Bielefeld mit Texten wie wir sie inzwischen von ihr kennen: Ein wenig philosophisch, ein wenig hipster, ein wenig verträumt und wirklich schön.

Insgesamt 15 Texte hat die Slammerin selbst für die CD eingesprochen. Eine Stunde aus süßer Melancholie, Nachdenklichkeit und Orientierungslosigkeit. Ein Bogen, mit dem sie wie schon mit „One Day /Reckoning Text“ einen Nerv einer – meiner – Generation trifft. Und wenn es nur dieser kleine Hipster-Nerv ist, den ich mir eigentlich nicht eingestehen will.
Denn genau das sind die Texte allesamt: Ein bisschen hipster und betont philosophisch, ein bisschen direkt am Zahn der Zeit mit eingestreuten Anspielungen, die schon in ein paar Jahren mäßig aktuell sein dürften, ein bisschen bewusste Ehrlichkeit und eingestandene Suche nach einem Sinn und einem Ziel. Das macht keinen von ihnen tatsächlich tiefschürfend und erinnert ein klein wenig an Facebook-Philosophie, die Konstante, die bleibt, ist allerdings, dass sie das ausspricht, was viele denken oder fühlen, aber kaum einer so offen sagt.

Ich weiß nicht, ob ich das Buch tatsächlich so komplett gelesen hätte wie ich die CD gehört habe, denn dafür würden die Texte denke ich still gelesen zu sehr an Glanz verlieren und zu wenig her geben, denn da würde man vermutlich zu sehr merken, dass die Gedichte Slamtexte sind, die nicht nur von ihrem Inhalt oder der Sprache, sondern auch vom Vortrag und dem Vortragenden leben.
Und ihre Texte vortragen, das kann Julia Engelmann mit ihrer angenehmen Stimme, die die Gedichte und das Träumen, zu dem sie einladen, nur noch unterstützt. Damit regt die Slammerin irgendwo zum Träumen an, wenn sie mit sanfter Stimme den Zuhörer in ihre Wortgebilde entführt, allerdings ist zugleich das, was sie so unschlagbar macht, das, was mit der CD etwas verloren geht: Ein Stück Einzigartigkeit.
Denn auch wenn die Texte jeder für sich genommen wunderschön sind und auch mir mehr als einmal aus der Seele sprechen, die geballte Ladung zerstört zugleich ein wenig die Wirkung des einzelnen Textes, was eine Stückelung der Stunde Laufzeit sinnvoll macht.

Trotzdem: Die Faszination dafür wie genau sie es schafft in wenigen Minuten immer wieder aufs Neue ins Schwarze zu treffen, bleibt. Und genau das ist es, was dafür sorgt, dass sich die CD (oder auch das Buch) lohnen – Jedenfalls wenn man Engelmanns Stil mag.

Infos zum Hörbuch:
Autorin: Julia Engelmann
Verlag: Der Hörverlag
Umfang: c.a. 1h 2 min (1 CD)
Erscheinungsdatum: 14. Juli 2014

ISBN: 978-3844517040 
Preis: 9,99€ [D]

Kaufen?

Hier kommt ihr zu „Eines Tages, Baby“ auf der Verlagswebsite.
(An dieser Stelle auch noch einmal ein Dankeschön an Random House für das Rezensionsexemplar über das Bloggerportal.)

Raiting: [8/10]

Leipziger Buchmesse 2015: Literatur, Cosplay und Flyer

Leipziger Buchmesse 2015.
Zwei Tage, die ich mit meinem Presseausweis an diesem schmalen, blauen Band um den Hals durch die Hallen des Messegeländes marschiert bin und Flyer, Verlagsprogramme sowie Leseproben ohne Ende eingesackt habe. Ich bin ein paar Schreibnacht-Autoren begegnet, habe eine Weile Christian Ritter beim Lesen aus „Merkwürdige Dialoge“ zugehört, Cosplayer bestaunt und beneidet und war bei einem Meet & Greet mit Jenny-Mai Nuyen.
Komplette Reizüberflutung, an deren Ende mir Arme, Beine und Muskeln in meinem Rücken weh getan haben, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt.

Das meiste davon werdet ihr vermutlich in den kommenden Wochen und Monaten in Form von Rezensionen und Buchtipps noch hier im Blog zu lesen bekommen, denn Inspirationen und Buchtipps habe ich mir en masse geholt. Stapelweise Flyer, Verlagsvorschauen und Kataloge liegen neben einer ganzen Reihe interessanter Leseproben bei mir und warten darauf, anständig gesichtet zu werden.

Zwei Tage Buchmesse in einem Bild. Gestapelt.

Dazu kam noch das Meet & Greet mit Jenny-Mai Nuyen, das ich im Rahmen der Bloggeraktion zu „Nacht ohne Namen“ neben einem Leseexemplar zu NoN (Hier geht’s zur Rezension) gewonnen habe und während dem ich gemeinsam mit Kristin von Tausend Bücher ein bisschen Gelegenheit zum Reden und Fragen hatte. Außerdem haben wir beide noch ein Autogramm plus Foto bekommen.

Das einzige Foto, auf dem ich nicht vollkommen weird aussehe 😉

Unterm Strich bin ich im Moment noch immer vor allem überwältigt von so vielen bibliophilen Eindrücken, das alles zu verarbeiten wird wohl noch eine kleine Runde dauern.
Spaß? Den hatte ich aber eindeutig.

The Banner Saga: Ein interaktives Graphic Novel

Es gibt Spiele, die zockt man nur kurz an und vergisst dann dass man sie je gespielt hat.
Und es gibt Spiele, deren Geschichten mich packen, mitreißen und am Ende mein Herz zu Kleinholz und meine Gefühlswelt zu Hackfleisch verarbeiten bis ich verzweifelt vor meinem Computer sitze und mich nicht entscheiden kann, ob ich den Entwicklern danken oder sie anschreien will.
„The Banner Saga“ gehört eindeutig in letztere Kategorie.

Das gesamte Spiel erinnert stark an einen digitalisierten Fantasyroman: Das Setting ist eine im wahrsten Sinne des Wortes kalte, an der nordischen Mythologie inspirierte Welt mit weiten Schneeebenen und dichten Wäldern, in der das Überleben der Menschen ohnehin nicht so richtig einfach ist. Menschen und Riesen mit großen Hörnern auf den Köpfen, die Varl, haben sich angesichts der Bedrohung durch die Wüter, agressive Steinwesen, zusammen geschlossen und kämpfen einen Krieg, den sie scheinbar nur verlieren können.
Die Figuren, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, wechseln, doch unterm Strich treffen wir immer wieder alte Bekannte, die alle nur das gleiche wollen: Überleben.

Um das zu erreichen, schlüpft der Spieler in die ihm gerade zugeteilte Rolle und führt in den Schuhen dieser Figur eine Karawane durch die Spielwelt. Damit kommt allerdings auch eine große Verantwortung, denn die Karawane will mit Nahrung versorgt werden, manchmal nimmt man die falschen Leute auf, die sich später als Feinde erweisen oder gar trifft man auf Wüter und es kommt zum Kampf.
Dabei setzt das Spiel ganz klar auf Entscheidungsfreiheit für den Spieler und knüpft damit auch irgendwo in digitaler Form an Bücher in diesem Stil an wie ich sie noch als Zwölf- oder Dreizehnjährige gelesen habe: Willst du diese Menschen mit aufnehmen? Dann lese weiter auf Seite 14. Der Unterschied ist natürlich nur, dass man während des Spielverlaufs von „The Banner Saga“ nicht so einfach zurück gehen und eine Entscheidung wiederholen kann.
Dazu kommt noch das im Verhältnis zu dem sonst eher zweidimensionalen Spielstil ungewöhnlich komplexe Kampfsystem, das sich ebenfalls recht glatt in den Rest der Handlung einfügt, auch wenn es eine Weile dauert bis man begreift, wie komplex all das eigentlich angelegt ist.

Und wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich eigentlich gar nicht, wo ich mit „The Banner Saga“ anfangen soll. Denn im Grunde macht das Spiel so viel richtig, dass die wenigen Mankos darin praktisch vollkommen untergehen.

Eine Grafik zum Verlieben

Am auffälligsten ist die wunderschöne Grafik, die an Graphic Novels etc. angelehnt wirkt und auf der einen Seite durch ein durch und durch gelungenes Figurendesign sowie die ebenso schönen Hintergründe brilliert. Selbst Städte wie Strand (vgl. Bild unten), die nur als Hintergrund für die eigentlichen Spielaktionen dienen, sehen einfach schön illustriert aus. Allein für diesen Augenschmauß lohnt sich „The Banner Saga“ bereits.
Zwar ist es etwas schade, dass bei kleineren Zwischensequenzen, in denen der Spieler noch zwischen verschiedenen Antwortmöglichkeiten wählen kann, die Zeichnungen der Figuren immer gleich bleiben und normalerweise nicht einmal die Haltung wechseln, aber das bleibt ein Detail in der Optik, über das man auch hinweg sehen kann.

Die Stadt Strand, in der die Handlung des Spiels auch startet (Wallpaper via stoicstudio.com)

Die langsam, aber schön erzählte Story

Hier knüpfe ich an das an, was ich schon in den ersten Zeilen dieses Posts angedeutet habe: „The Banner Saga“ erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern hat zumindest mich geradezu in sie hinein gesaugt, obwohl es eigentlich eine ganze Weile, sprich einige Kapitel, dauert bis die Handlung wirklich dramatisch wird. Schon nach ein paar Tagen hatte ich die erste Runde durchgespielt und dann hatte ich gleich wieder Lust auf eine zweite. Gerade zum Schluss hatten mich Welt, Figuren und Geschichte so sehr in ihren Bann gezogen, dass ich sie noch nicht wieder verlassen wollte. (Außerdem hatte ich das Ende noch nicht verwunden, aber das ist eine andere Geschichte.)
Zwar ist das dicke Knäul an Figuren, Wesen, Orten, Sagen etc. gerade zu Beginn so unübersichtlich, dass man kaum noch durchsteigt, aber auch das bessert sich mit der Zeit, gerade wenn man länger mit den einzelnen Figuren unterwegs ist und die eine oder andere Schlacht geschlagen hat. Die Verbindung baut sich aber weniger aufgrund der Figurentiefe auf – denn die ist eher flach und viele Hintergrundgeschichten werden nur angerissen – sondern aufgrund der Geschichte, die man als Spieler mit den Figuren erlebt. So wuchs mir z.B. Rook mit seinen diversen Versuchen, seine Tochter zu beschützen ans Herz, ein großer Teil der grobschlächtigen Varl ging auf einer emotionalen Ebene allerdings vollkommen an mir vorbei.

Die Karawane auf der Reise

Leider habe ich nur den Eindruck, dass „The Banner Saga“ zugleich in dem Punkt der Entscheidungsfreiheit nicht so richtig hält, was es verspricht. Zwar erscheint direkt zu Spielbeginn ein knapper Hinweis, dass der Verlauf von den Entscheidungen des Spielers abhängt, aber der Rahmen bleibt klar abgesteckt. Leben und Tod einiger Nebenfiguren hängt von variablen Ereignissen ab, (So gibt es z.B. eine Steam-Errungenschaft, die man damit freischaltet, indem Egil, einer unserer Begleiter, trotz allem den gesamten Weg überlebt.) allerdings sind das eher Nebenäste, die es zwar recht reizvoll machen, ein zweites Mal den Weg von Rook & Co. zu beschreiten, um die gesamte Welt in sich aufzusaugen, aber unendlich ist die Sache mit der Entscheidungsfreiheit auch in „The Banner Saga“ nicht.

Das recht anspruchsvolle Kampfsystem

Und damit sind wir auch gleich schon bei dem nächsten Pluspunkt, den das Spiel bietet: Das für ein so stark erzählendes Spiel ziemlich anspruchsvolle Kampfsystem.
Es ist ein Rundenbasiertes, das mit drei grundsätzlichen Faktoren arbeitet: Physische Kraft, die der Angriffskraft und den Lebenspunkten entspricht, Rüstung und Willenskraft, die u.a. zur Verstärkung von Angriffen oder zum Benutzen von speziellen Fähigkeiten verwendet werden kann. Das Schlachtfeld gliedert sich dabei im Schachstil in einzelne Felder, wobei größere Figuren mehrere Felder einnehmen, Nahkämpfer nur direkt vor dem Gegner angreifen, während Fernkämpfer aus der Entfernung z.B. Pfeile abschießen können etc.
Sobald die Karawane ein Lager aufgeschlagen hat, lassen sich außerdem die Helden „befördern“, also upleveln, womit sie widerstandsfähiger und stärker werden.

Die Einzelübersicht für einen Helden, in der er upgelevelt sowie mit verzauberten Gegenständen ausgerüstet werden kann.

Die große Stärke des Kampfsystems, nämlich seine Komplexität, ist dabei auch siene größte Schwäche: Die Hälfte der Möglichkeiten und Strategien, die man sich zurechtlegen kann, wenn man planender kämpft als ich, habe ich erst relativ spät im Spiel bemerkt, gerade weil die Schlachten so logisch linear angelegt sind. Deshalb finde ich den Schachvergleich auch besonders passend, gerade weil dieses System am meisten Spaß macht, wenn man es erst einmal durchschaut hat und die Stärken und Schwächen von Gegnern und Helden ganz gezielt auszunutzen beginnt.

Eine Schlacht in „The Banner Saga“

Last but not least: Die Atmosphäre

„The Banner Saga“ lebt von der Geschichte, die das Spiel erzählt, und von ihrer Inszenierung.
Und auch die ist recht sauber gelungen. Der Soundtrack ist wunderschön anzuhören, online recht bekannte Stimmen wie Peter Hollens oder Malukah passen wunderbar in die kalte, düstere Welt des Spiels, kleine Details wie Alettes Widerspruch innerhalb einer Schlacht, nicht töten zu wollen, und das Eigenleben mancher Verbündeter aus dem Nichts fügen sich sehr schön zusammen.
Schade ist nur, dass selbst die Zwischensequenzen nicht einmal auf Englisch eingesprochen sind. Es gibt nur eine Erzählerstimme, die auf Englisch mit einem starken skandinavischen Akzent immer mal wieder ein paar Sätze einwirft, es gibt aber leider keine Identifikationsstimmen zu den Figuren, was das Spiel recht textlastig macht. Das ist im Grunde nicht sonderlich schlimm, aber irgendwo schade, weil die Entwickler da (vermutlich aus Kostengründen) eine Chance zur Abrundung des Spielgefühls vergeben haben.

Fazit

Unterm Strich ist „The Banner Saga“ ohne Zweifel faszinierend und eines der besten Spiele, die ich seit einer Weile gespielt habe, auf jeden Fall das beste RPG in diesem Stil, das mir bisher unter gekommen ist. Es ist nicht perfekt, aber insgesamt eine runde Sache, die Spielern mit einer Vorliebe für erzählende Games Spaß machen dürfte und mit knapp 20€ bei Steam auch preislich vertretbar ist.

Was haltet ihr von erzählenden Spielen wie „The Banner Saga“ oder „Life is strange“? Ist das etwas für euch oder mögt ihr das gar nicht?