Teufel: Thriller meets Fantasy – Funktioniert das?

Als amerikanische Wissenschaftler einen Kometen auf die Erde zurasen sehen, geht die Menschheit zunächst von ihrem eigenen Ende aus. Geschwindigkeit, Größe und die deswegen vermutete Wucht des Aufpralls lassen wenig Hoffnung auf ein Überleben, aber dann geschieht das Unglaubliche: Der Komet hält an und verändert seinen Flug bis er schließlich über Köln zum Stehen kommt.
Heraus tritt eine engelhafte Gestalt, ein Mann, der sich als Luzifer persönlich entpuppt und die ganze Welt in Erstaunen versetzt. Kaum einer zweifelt an den angeblich edlen Motiven des Engels, aber unter den Skeptikern befindet sich auch der Journalist Tabarie, der nicht glauben will, dass aus dem gefallenen Engel, der mit seinem Fall zum Teufel wurde, plötzlich ein Heiland geworden ist.
Also stellt er Nachforschungen an, immer auf den Spuren des Fremden, während seine Gedanken weiter um zwei ganz zentrale Fragen kreisen: Wer ist Luzifer und was hat er vor?

Als das Wesen antwortete, war seine Stimme leise und doch unüberhörbar.
‚Ich bin nicht Michael, noch Gabriel. Ich bin nicht Tamiel, noch Arameel. Ich bin Luzifer.‘

– Markus Tillmanns: „Teufel“, 1. Kapitel

Gleich zu Beginn: „Teufel“ ist eines dieser Bücher, die mich sehr zwiespalten. Denn auf der einen Seite ist der Roman interessant, wenn nicht sogar genial, während mir auf der anderen zugleich etwas fehlt. Aber alles der Reihe nach.
Zuerst einmal ist die Kombination der Genres Thriller und Fantasy ungewöhnlich und eine coole Idee mit sehr viel Potential, die mich von Anfang an neugierig gemacht hat. In den letzten Jahren haben sich ja schließlich genügend Engelsstories im Stil der „Engel der Nacht“-Reihe von Becca Fitzpatrick oder der „Damian“-Bücher von Rainer Wekwerth mit der Thematik der Gefallenen Engel und damit auch ihres Anführers Luzifer auseinander gesetzt, der große Unterschied zu „Teufel“ ist dabei allerdings zweifelsohne die Zielgruppe.
Denn „Teufel“ richtet sich weniger an Teenager, die eine kuschelige Lovestory erwarten, sondern auf (halbwegs) erwachsene Thriller-Fans. Ein recht komplexer Wulst an Figuren, diverse Perspektiven, die parallel laufen und zum Teil Szenen, die den Leser ganz gezielt irritieren und abstoßen sollen.
Und da lande ich persönlich auch schon bei dem Problem, das ich mit „Teufel“ habe.
Während der Thriller-Part mir unglaublich gut gefällt und mich Dank des soldien, flüssigen Schreibstils sehr schnell sehr tief in die Geschichte entführt, ist mir der Fantasy-Anteil schlicht zu einfach und stringent.

Das beginnt bei dem grundlegenden „Detail“, dass der Antagonist des Romans ausgerechnet Luzifer ist, von dem schon allein jeder Supernatural-Zuschauer weiß, dass das der Engel ist, aus dem der Teufel persönlich wurde, und multipliziert sich dann immer weiter im Verlauf des Buchs.
Denn ehrlich gesagt hätte ich mir eine weniger abgenutzte Umgangsweise mit der Person Luzifers gewünscht. Dass der sich nämlich wirklich als der Teufel bzw. Satan darstellt, das hat die Kirche schon im Mittelalter erzählt, womit man mit einem originellen und geschickt gesetzten Twist viel mehr Neugier hätte wecken können. Ähnlich verhält es sich mit der mir zu einfachen Einteilung in „Gut“ und „Böse“. Da gibt es nämlich innerhalb des Romans vor allem schwarz und weiß mit wenigen bzw. nur angerissenen Graustufen, von denen ich nur zu gern mehr erfahren hätte.
Auch fiel es mir etwas schwer, den Figuren abzukaufen, wie unreflektiert sie mit Informationen über Luzifer aus der Bibel bzw. den Apokryphen umgehen. Da wird – selbst von dem eher skeptischen Tabarie – das meiste für bare Münze genommen, was in diesen Schriften steht, keiner scheint die Frage danach zu stellen, wie zuverläßlich diese Quellen denn sind oder ob da nicht vielleicht noch immer zwischen wahren Kern und reiner Mythologie unterschieden werden müsste.
All das mag jemanden, der weniger aus der Fantasy- als aus der Thriller-Ecke kommt, nicht großartig stören, aber mir persönlich bleiben als großen Fantasy-Fan zu viele Fragen offen oder zumindest einfach unbehandelt.

Zugleich bleibt der bereits erwähnte schöne und flüssige Stil, mit dem ich mich sehr gut anfreunden konnte. Die einzelnen Perspektiven der Figuren sind normalerweise gut nachvollziehbar, in den entscheidenen Momenten wird punktuell sauber Spannung aufgebaut, die mich an den Seiten kleben ließ, aber genauso ist der gesamte Roman für mich nach wie vor gesplittet:
„Teufel“ ist ohne Zweifel ein für mich (als absolut keine Krimi- oder Thriller-Leserin) ein sehr interessanter Thriller, aber zugleich ein zu einfach gestrickter Fantasy-Roman.

Infos zum Buch:
Autor: Markus Tillmanns
Autorenwebsite: markustillmanns.de
Umfang: c.a. 292 Seiten
Erscheinungsdatum: 18. November 2014

ISBN: 978-1503152137
Preis: 9,99€ [D, Taschenbuch]

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(An dieser Stelle auch noch einmal ein Dankeschön an den Autor für das Rezensionsexemplar.)

Raiting: [7/10]

Über uns Geekgeflüster

Ich bin Aurelia und blogge seit 2012 über Gaming, Bücher, Filme, Serien und mehr. Kurz: Das hier ist mein Geekgeflüster.

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