Geekgeflüster Oktober ’16: Buchmesse, Monetarisierung und Skyrim

Monatsrückblick Geekgeflüster
Ein neuer Monat, ein neues Geekgeflüster. Wie immer etwas spät dran, aber trotzdem mit ein paar Leseempfehlungen, ein paar Takten zur Skyrim Special Edition und einer Nachlese zur Frankfurter Buchmesser und der Monetarisierungsdiskussion unter Buchbloggern. Habt ihr etwas anderes erwartet?

Leseempfehlungen

Aber springen wir doch direkt in die Leseempfehlungen: Ich mache ja kein Geheimnis daraus, dass ich ein Fan der „Deponia“-Spiele bin (über den letzten Teil habe ich auch ausführlich gebloggt), aber damit bin ich natürlich nicht allein und Meg von Geschichtenliebe hat lesenswert über die gesamte Reihe gebloggt. Und wo wir schon bei Game-Reviews sind: Bei Caro von Time and Tea könnt ihr jetzt ihre Meinung zu „Witcher 3“ lesen, die meinem bisherigen Eindruck nach das Spiel auch sehr gut trifft.
Damit weg vom Gaming, hin zu Büchern: Steffi von Fieberherz hat zuletzt gleich zwei sehr lesenswerte Posts auf ihrem Blog veröffentlicht. Zum einen hat sie ein schönes Interview mit Jenny Karpe geführt, deren Debütroman „Zwei Kontinente auf Reisen“ vor kurzem erschienen ist, und zum anderen hat sie sich mit einem Teil ihrer Reihe „Klischee oder kein Klischee“ mit Young Adult-Klischees beschäftigt, was nicht nur unterhaltsam zu lesen, sondern auch interessant ist.
Ebenfalls die Buchwelt betreffend, aber mehr auf politischer Ebene stand zuletzt Thalia in der Kritik, weil in einer Bremer Filiale Bücher des Kopp-Verlags beworben wurden. Elif von The Written Word hat es sich nicht nehmen lassen, auch auf ihrer eigenen Plattform ausführlich zu formulieren, warum sie deshalb erstmal nicht mehr bei Thalia einkaufen will. Der Text ist unglaublich wichtig und auch wenn die eigentliche Diskussion um diesen Fall schon wieder vorbei ist, kann ich ihn trotzdem nur allen ans Herz legen.

Skyrim Special Edition

Nach deutlich über 200 Spielstunden im Original jetzt in aufgehübschter Grafik wieder nach Himmelsrand zurück zu kehren, fühlte sich zu gleichen Teilen merkwürdig und toll an. Merkwürdig deswegen, weil die Optik der Special Edition am Ende auch nichts mehr ändert, aber auch toll, weil „Skyrim“ eben „Skyrim“ bleibt und das war von der Atmosphäre her schon immer ein gutes Spiel. Ob es jetzt nötig gewesen wäre, noch einmal in einem Gelbstich – denn sehr viel mehr scheint die Special Edition an der Grafik nicht zu ändern – und in etwas hellerem Sonnenlicht durch Himmelsrand zu rennen? Nein. Da hat es das Spiel vorher ganz genauso getan bzw. sehe ich (bisher) nicht wirklich den großen Mehrwert an der neuen Version, aber das musste ich auch gar nicht, um direkt Spaß wieder daran zu haben.

Buchmesse: Ein paar Sätze zur Monetarisierung mit ein bisschen Abstand

Ich habe mich auf Twitter und Facebook schon ausgiebig dazu geäußert, aber jetzt, mit ein bisschen Abstand und nachdem sich die erste Welle heißer Diskussionen gelegt hat, möchte ich das Thema noch einmal aufgreifen: Die Frankfurter Buchmesse und die Monetarisierung von Buchblogs.
Abgesehen davon, dass ich mich in manchen Diskussionen auf Facebook und Twitter, die ich z.T. auch nur schweigend mitgelesen habe, in den Dingen, die sowohl ich als auch Caro von Time and Tea schon vor ein paar Monaten schon einmal geschrieben haben, erneut bestätigt gefühlt habe, bin ich inzwischen in erster Linie irritiert. Und das auf zwei Ebenen: Einmal, weil die Diskussion zwei Fragen in eine zu quetschen, und zum anderen, weil sie mit jeder weiteren Erklärung sich mehr und mehr im Kreis zu drehen scheint.

Zwei Debatten in einer – Teil 1: Das „ob“

Ersteres mit den zwei Debatten in einer betrifft das Problem, dass an einigen Punkten – wohl auch im Eifer des Gefechts, als die Diskussion während der Buchmesse eben ganz besonders laut wurde – die Frage nach dem „ob“ mit der nach dem „wie“ vermischt wurde. Das Argument, Buchblogging sei ein Hobby und für ein Hobby bekommt man kein Geld, betrifft das „ob“. Im selben Atemzug ging es aber auch um Sponsored Content, was eine Frage des „wie“ wäre.
Um das „ob“  halte ich eine Diskussion für herzlich sinnlos, denn das ist die Angelegenheit jedes einzelnen Bloggers, ob er oder sie die Zeit investieren möchte, die so etwas kostet. Das lässt sich sowieso nicht für die breite Masse diskutieren.

Teil 2: Das „wie“

Das „wie“ dagegen ist schon eine ganz andere Angelegenheit. Da hängt nämlich das Selbstbild, das aktuell durch die Buchbloggerszene schwirrt, mit allen ungeschriebenen Regeln einer sozialen Gruppe dran und als solche soziale Gruppe folgt auch die Buchbloggerszene längst ihren eigenen Normen und einem gewissen allgemeinen Konsens. (Damit meine ich Dinge wie z.B., dass es verpönt ist, bei Verlagen Rezensionsexemplare zu kassieren und die Rezension nie zu schreiben.) Dieses Selbstbild ist in den letzten zwei bis drei Jahren sehr viel selbstbewusster geworden – und das ist gut! Verlage schätzen ganz offensichtlich die Arbeit von Buchbloggern und viele Buchblogger werden sich gerade ihrer Möglichkeiten bewusst. Auch das ist gut.
Damit verbunden sind aber auch etwas – wie ich finde – sehr euphorische Äußerungen à la Buchblogging wäre die „Zukunft der Literaturkritik“ aufgekommen, die im Kontext der Monetarisierungsdiskussion bei mir für Bauchweh sorgen. Versteht mich nicht falsch: Ich halte mich grundsätzlich für idealistisch was die Bedeutung von Buchbloggern angeht und ich kann mir gut vorstellen, dass sich hieraus auf lange Sicht auch sogar eine neue Form von Journalismus entwickelt, aber eben auf lange Sicht. Klicke ich mich nämlich aktuell random durch Linksammlungen in einschlägigen Facebook-Gruppen – ohne die vorher z.B. durch Empfehlungen meiner Twitter-TL o.ä. zu filtern – dann lande ich auf vielen mit Liebe gemachten Blogs – bleibe auch ab und zu mal hängen und füge wieder einen Link meinem Feedreader hinzu – aber auf kaum einen dieser Blogs würde ich ein Label kleben, das irgendetwas mit „Kritik“ enthält. Da wird gehypt, da werden Bücher geliebt, da wird ein Hobby gefeiert und das ist etwas, womit ich mich sehr wohl fühle, schließlich betreibe ich selbst einen Geekblog und habe dementsprechend auch Spaß an ungezwungenem Generde (in diesem Fall über Bücher), aber abgesehen von ein paar Spitzen der Szene, die als Ausnahmen die Regel bestätigen, haben viele Blogs nicht wirklich etwas Kritisches an sich. (Das ist auch der Grund, warum ich inzwischen einige Aussagen aus den letzten Feuilleton-Seitenhieben gegen Buchblogger verstehen kann, auch wenn mir der Tonfall trotzdem oft nicht gefällt.) Das ist auch okay. Bloggen ist für die meisten – inklusive mir – ein Hobby, das man natürlich auch nur aus Spaß und ohne einen besonderen Anspruch betreiben kann. Der Knackpunkt ist dann nur: Ohne kritisches Selbstverständnis, ohne das deklarierte Ziel, auch kritisch zu berichten, was ein Journalist normalerweise an sich haben dürfte oder sollte, wird das nichts mit der „Zukunft der Literaturkritik“.
Und da sind wir auch schon an meinem Bauchweh-Punkt der Monetarisierung: Literaturkritik, aber Sponsored Content? Von Verlagen? Den trotz allem in erster Linie an Profit orientierten (schon allein, um überhaupt weiter Bücher verlegen zu können) Unternehmen? Seriously?
Denn spinnen wir das doch mal weiter: Angenommen, das setzt sich so durch und Buchblogger können sich mit Sponsored Content durch Verlage zumindest etwas dazu verdienen, wie wahrscheinlich ist es dann noch, dass aus dieser Bloggerszene wirklich kritische Stimmen gegen Verlage oder Bücher, die sie verlegen, kommen? Klar, es wird immer die geben, die sich von nichts und niemandem beeinflussen lassen, aber sehe ich mich im Moment um, werde ich das Gefühl nicht los, dass aktuell schon ein kostenloses Rezensionsexemplar aus einer Romantisierung von Büchern und Verlagen heraus dafür sorgen kann, dass eine Meinung etwas arg nett publiziert wird. Und nennt mich ein Arschloch, aber aus dieser Situation heraus traue ich der Buchbloggingszene als soziale Gruppe zur Zeit nicht zu, mit mehr Zuwendungen von Seiten von Verlagen umgehen zu können.
(Und darüber diskutieren wir ja im Grunde. Denn wenn es sowieso nicht um Sponsored Content durch Verlage gehen würde, warum sollten wir dann überhaupt über das Thema reden? Denn die anderen, unabhängigen Wege, auf die ich gleich noch zu sprechen komme, sind nichts, das diskutiert werden, sondern das einfach jeder einzelne für sich entscheiden und umsetzen muss.)

Ein paar Gedanken weiter

Aber: Dass ich gegen Sponsored Content durch Verlage bin, bedeutet nicht, dass ich gegen Sponsored Content im Allgemeinen bin (ich hatte selbst z.B. gerade erst eine Kooperation mit audible in Form von Verlinkungen in einem etwas freieren Text, der mir schon länger durch den Kopf schwirrte) – Ganz im Gegenteil: Gut und verantwortungsbewusst gemachter Sponsored Content kann cool sein. Das beweisen längst manche (wenn auch eher wenige) Youtuber, die allerdings sich auch normalerweise nicht als die Zukunft einer journalistischen Richtung sehen.
Ich bin auch nicht gegen die Monetarisierung von Blogs. Genauso wie ich nicht gegen die Monetarisierung von Onlineangeboten von Zeitungen, Podcasts oder was auch immer bin. Von Luft und Liebe lebt schließlich niemand. Oder bezahlt Equiment, Software, das Hosting der eigenen Seite u.ä. Ich halte es nur für schlicht unmöglich, dass bei einer – zum Glück! – so offenen Szene wie der der Blogger, Geld von Verlagen und Zukunft der Literaturkritik zusammen gehen können. Dafür steckt diese Welt zu sehr voller Hype und Emotionen, auch wenn ich beides grundsätzlich nicht schlecht finde, aber weder das eine noch das andere trägt zu irgendetwas mit „Kritik“ bei.
Und damit sind wir schon beim nächsten Punkt: Dem, dass es ja nicht nur Sponsored Content zur Monetarisierung gibt. Jedenfalls, wenn es denn, wie mir inzwischen immer wieder erklärt wurde, nicht darum geht, seinen Lebensunterhalt mit dem Bloggen zu verdienen, was vermutlich sowieso utopisch wäre, sondern darum, sich einfach nur ein bisschen etwas dazu zu verdienen und so ein wenig Wertschätzung für die eigene Arbeit zu erhalten. Es gibt Paypal, es gibt Patreon, es gibt AdSense. Erste beide sind sogar nur mit einem schnell eingerichteten Account und einem Link auf der eigenen Website zum Laufen gebracht und letzteres lässt sich fast ohne Code-Kenntnisse ebenfalls einrichten bzw. bewegt sich das auf einem Level, das die meisten haben dürften, die über so etwas nachdenken. Und das sind nur drei Beispiele, die noch dazu von jemandem kommen, der in absehbarer Zeit bewusst keine Pläne für eine Monetarisierung des eigenen Blogs hat, sich also gar nicht einmal so detailliert mit den verschiedenen Wegen beschäftigt hat. (Schlicht weil ich keine Zeit habe und mit Studium und Nebenjob ausgelastet bin.)
Nur haben diese Wege alle etwas gemeinsam: Sie sind unabhängig bzw. durch die eigenen Leser finanziert. Reden wir doch darüber. Oder lassen wir das Gerede von Literaturkritik sein und nennen das Kind beim Namen (nämlich „Werbung“ bzw. „Werbekanäle“). Beides geht nicht.

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