Mein Schönstes Scheitern: Der Vorteil eines Konsolenfehlkaufs


Meine Leidenschaft für Videospiele hat relativ früh angefangen. Denn auch als ich klein war hatte meine Babysitterin bereits eine Konsole, weshalb ich mir zu meiner ersten Kommunion von meinem Vater genau das wünschte: Eine Konsole. Ich wollte auch spielen – wie die „Großen“. Nur war ich in der Auswahl vielleicht zu sehr und gleichzeitig zu wenig reflektiert. Für ein siebenjähriges Kind. Dies ist die Geschichte, wie ich lernte, dass ich mies in Plattformern bin, aber Scheitern dennoch Spaß mit sich bringen kann …

Nintendo – für die ganze Familie

Meine Babysitterin besaß eine Super Nintendo mit einer ganzen Reihe von Spielen, die ich auch immer mal wieder spielen durfte, wenn ich da war. Da war Super Mario – ein Spiel, für das ich absolut kein Talent hatte. Aber da war auch das Duck Tales Spiel, in dem ich überraschend gut war. Und das Aladdin-Spiel, das wohl das erste war, dass ich mehr oder weniger alleine durchspielte. War doch ganz gut.

Und ja, Videospiele machten mir damals Spaß. Heimlich still und leise spielte ich auch bei einer Freundin, deren Schwester eine Playstation hatte, die Spiele dafür. Die Spiele für die richtig großen Kinder, die mir eigentlich Angst machten, wegen den Geistern und den gruseligen Soundeffekten. Das allererste Tomb Raider zum Beispiel. Doch das war natürlich eine Ausnahme.

Nun wurde ich zur Frühkommunion geschickt und da gab es tatsächlich einige Geschenke. Auch mein Vater bot mir an, mir was Größeres zu schenken. Für mich war ganz klar, was es sein sollte: Eine Super Nintendo. Denn dann könnte ich ja die Spiele meiner Babysitterin am eigenen Fernseher daheim spielen. Cool! Mein Vater merkte noch an: „Hey. Es gibt da diese neue Nintendo Konsole. Die N64. Vielleicht willst du nicht lieber die? Da kommen sicher ganz viel mehr Spiele für raus.“ Aber nein. Ich wollte die Super Nintendo. Weil ich mir dafür Spiele würde leihen können. Ein eigenes Spiel bekam ich dennoch: Donkey Kong Country.

Der Fluch der Nintendo Plattformer

Donkey Kong Country war für 1997 ein verflucht hübsches Spiel. Hübscher als die meisten Spiele, die ich kannte. Ich fand Didi Kong auch richtig knuffig und habe die ganzen Tiere, auf denen man reiten konnte absolut gefeiert. Die waren doch so niedlich. Leider gab es dabei nur ein großes Problem: Ich durfte schnell feststellen, dass ich unterirdisch mies in diesem Spiel war.

Dasselbe Erlebnis hatte ich schon vorher gehabt: Bei Super Mario. Denn während ich bis heute nicht sagen kann, woran es lag: Mein Gehirn, meine Reflexe … irgendwie war das alles mir den Nintendo Plattformern überfordert. Andere Plattformer funktionierten – vielleicht nicht so gut, wie die Zelda-Spiele, aber mit ein wenig Übung schaffte ich die Level. Doch Donkey Kong Country? Für mich ein Ding der Unmöglichkeit.

Besonders schwer waren zwei Arten der Level für mich: Die Mienen-Level und die Unterwasserlevel. Bei den Unterwasserleveln war ich mit der Kontrolle überfordert, bei den Minen-Leveln war ich einfach nicht schnell genug. Ich bin ständig in die Gräben gefallen. Und während ich so die anderen Level irgendwann auswendig konnte, waren diese Level ein Kampf.

Die Tatsache, dass das Spiel zudem nur alle paar Level speichern erlaubt hat – so dass man wenn man seine Leben aufgebraucht hatte, gleich mehrere Level zurückfiel – machte das alles nicht besser. Irgendwann hatte ich mich durch das erste Gebiet gearbeitet und halb durch das zweite doch weiter … ja, weiter kam ich wirklich nicht. Denn während ich andere Level schon auswendig konnte, kam ich einfach nicht über das erste Mienen-Level im zweiten Gebiet hinweg.

Schönes Scheitern?

Jetzt ist aber die Frage: Warum war das ein schönes Scheitern? War es nicht eher furchtbar frustrierend? Und die Antwort ist: Ja. Es war frustrierend. Es war endlos frustrierend. Doppelt übrigens, weil ich, während ich noch immer nicht mit Donkey Kong durch war, Pokémon für mich entdeckte und jetzt aber eben die Super Nintendo besaß statt der N64, auf der ich Pokémon Stadium hätte spielen können.

Aber dennoch hatte es etwas für sich, da es mir zwei Dinge gelehrt hat: Hilfe holen ist auch bei Spielen okay. Und: Man muss nicht alles können.

Denn weil ich nun so mies war, habe ich einen guten Freund eingeladen, mit mir gemeinsam zu spielen. Der hat manche Level gespielt. Ich andere. Wenn ich in meinen nicht weiterkam, hat er übernommen. Und so haben wir das Spiel am Ende gemeinsam geschlagen – und das war ehrlich gesagt viel cooler, als es allein zu spielen. Weil so konnten wir uns über besonders miese Stellen gemeinsam ärgern und ich konnte von ihm lernen, wenn ich bestimmte Systeme noch nicht kannte. Immerhin spielte er schon viel länger Videospiele als ich.

Das hat auch später meine Hemmungen gesenkt bei Spielen andere um Hilfe zu bitten, anstatt an irgendeiner Spieler-Ehre festzuhalten, wenn das am Ende nur bedeutet hätte, dass mir das Spiel keinen Spaß mehr gemacht hätte. Mehr als einmal habe ich darüber schon gute Tag-Teams zusammengestellt, wo ich eine Mechanik nicht so gut beherrschte, mein Mitspieler eine andere nicht und wir so den Controller hin und her wechseln konnten.

Tatsächlich ist es etwas, das ich ein wenig vermisse – da ich mittlerweile immer weniger Leute finde, die daran Spaß haben.

Die zweite Moral

Die andere Lektion war allerdings auch, dass ich nicht in allen Spielen gut ein musste. Ich war damals – für mein Alter – recht gut in Pokémon und auch ganz gut mit Tomb Raider, das ich in dem Alter natürlich noch gar nicht hätte spielen sollen. Dabei bin ich mir der Ironie deutlich bewusst, dass ich weniger Probleme mit den 3D-Plattforming in Tomb Raider hatte, bei dem man oft raten musste, wo Kanten sind, als mit dem 2D-Plattformer Donkey Kong. Doch wenigstens mir ging es so.

Warum ich diese Moral wertvoll finde? Weil ich mir so gelernt habe, mir einfach einzugestehen, wenn der Versuch ein Spiel zu meistern zur lästigen Pflicht wird und es keinen Spaß mehr macht. Das hat mir glaube ich schon einigen Ärger erspart. Manchmal mag ein Spiel einem absolut gefallen, aber es ist dennoch nicht das richtige Spiel. Wenn es keinen Spaß macht, lohnt es sich manchmal den Controller wegzulegen. Das macht das Spiel nicht einmal zwangsweise schlecht.

Das heißt nicht, dass ich nicht auch manchmal Stunden lang versuchen werde, eine ärgerliche Stelle zu überwinden, aber das eben auch nur, solange ich doch irgendwie Spaß habe. Wenn es frustriert … dann lege ich das Spiel manchmal auch einfach weg, gebe es zurück oder finde jemand anderen, der vielleicht etwas mehr Spaß als ich damit hat.

Doch das Beste an diesem Fehlkauf speziell bleibt einfach die vielen Stunden, die ich mit einem Freund hatte, der wahrscheinlich 70% des Spiels für mich gespielt hat. Denn entgegen der gängigen Meinung kann manchmal auch Zuschauen einfach Spaß machen. Und zumindest die Mienen-Level schaffe ich bis heute nicht – ich hab‘s versucht.

Artikelbild via Unsplash.

Über den Autor

Alex spielt seit 22 Jahren Videospiele unterschiedlicher Art und ist zudem in der Pen & Paper Rollenspiel-Szene aktiv. Auch wenn Alex mit Donkey Kong & Pokémon angefangen hat, spielt xier mittlerweile vornehmlich auf der PS4 oder Indie-Games auf Steam. Auf www.alpakawolken.de Blog xier über Weltenbau, Rollenspiele und das Schreiben.

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