Zur Hölle geht’s da lang: Azubi bei Gevatter Tod

Zur Hölle geht's da lang Flavio Redlich Kritik
Der Tod hat ein Problem: In letzter Zeit verschwinden zu viele Seelen von seinem Radar und er hat keine Ahnung, wohin. Als wäre das nicht so schon blöd genug, schaltet sich Gott persönlich in die Angelegenheit ein und macht ihm Druck. Und weil der Tod Gerüchte aus der Hölle gehört hat, die nichts Gutes vermuten lassen, holt er sich sterbliche Verstärkung in Form von Geisterjägern, die das Problem lösen sollen. Unter ihnen ist auch der Bestatter Thierry, der eigentlich genug eigene Probleme hätte, aber wenn der Tod einen um Hilfe bittet, sagt man wohl eher weniger Nein.

„Zur Hölle geht’s da lang“ von Flavio Redlich ist ein eindeutig schräges Buch. Voller seltsamer Gestalten und Szenen, merkwürdigen Handlungssträngen und verwirrenden Zusammengenhängen, die man erst spät zu begreifen beginnt, theoretisch also humoristisches Fantasy wie es sein sollte. Nicht überdramatisch mitreißend oder voller Pathos wie seine Kollegen aus anderen Fantasy-Subgenres, sondern mehr eine amüsant dahin plätschernde Geschichte, die oft eine schräge Szene oder Situation an die Nächste reiht. Das Problem: Das ist nicht genug, um ein wirklich gutes Buch daraus zu machen.

Funny Fantasy ist mehr als Karikatur

Denn Funny Fantasy ist nun einmal auch mehr als nur ein irgendwie karikierender Plot oder sollte zumindest mehr sein. Denn abgesehen von diesem wirklich unterhaltsamen Grundgerüst bleibt nicht mehr viel vom Genre übrig. Die Nebenfiguren sind vor lauter Karikatur immer wieder platt und überzogen, ohne dass der Witz, für den sie stehen sollen, durch eine Pointe wirklich aufgelöst wird. Mafiosi, die mit einem übertriebenen (ausgeschriebenen) Akzent sprechen, das kann in der Szene selbst in der bewussten Übertreibung vielleicht halbwegs unterhaltsam sein, aber tatsächlich ist es mit ein wenig Abstand eben doch abgedroschen. Zwar ist „Zur Hölle geht’s da lang“ nicht durchgehend so und hat auch stärkere Passagen, aber der Witz des Buchs wirkt durch Szenen wie diese einfach zu dick und bewusst aufgetragen, was am Ende der gesamten Handlung schadet.

Das ist eigentlich schade, denn erzählerisch und von der Lesbarkeit des Schreibstils her ist „Zur Hölle geht’s da lang“ nicht einmal schlecht oder sogar gut, wäre eben nicht das Problem, dass mir für „Funny“ Fantasy zu wenig da ist. Denn ein humoristischer Fantasyroman ohne ganz genau gesetzte Pointen, das ist nun einmal etwas, das mindestens ein Problem darstellt. Damit scheitert der Roman nicht am Handwerk oder an der eigentlichen Story, sondern am Genre und den damit sehr hoch gesteckten Zielen: Dieser Bereich des Fantasy ist nun einmal entscheidend von Namen wie Terry Pratchett geprägt und da mitzuhalten ist schwer bis unmöglich. Der Humor ist da, aber mehr in Ansätzen und jedenfalls für mich hat da einfach eine gewisse Kunst dabei gefehlt. Die Situationen sind durchaus komisch, die Sprache aber nicht scharf und genau genug, um diese Komik abzuschließen.

Wie immer, wenn es um Humor geht, ist es nun einmal eine zweischneidige Sache, witzig sein zu wollen: Entweder findet ein Leser diesen Gag lustig oder eben nicht. Dazwischen gibt es nicht viel und genau das ist es, was hier nicht aufgeht. Der Witz ist passagenweise so gewollt, dass er wieder grob und zu einfach wird, was dem ganzen Prinzip einer Parodie, das das Genre ausmacht, vollkommen widerspricht.

Das alles macht „Zur Hölle geht’s da lang“ zwar noch nicht wirklich schlecht, aber auch nicht umwerfend. Ein guter Fantasy-, aber ein mittelmäßiger humoristischer Roman, mit dem der Autor zwar zu versuchen scheint, an die Großen des Genres anzuknüpfen, aber am Ende doch nur leider nach den Sternen greift und sie knapp verfehlt.

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