Zuhause in Videospielen: Virtuelles Heim, Glück allein

Zuhause in Videospielen No Man's Sky

Ein Update hat mein Zuhause zerstört. Nein, ich meine nicht meine Wohnung, sondern meine Basis in „No Man’s Sky“. Seit dem neusten Update des Spiels, „Atlas Rises“, steht die nämlich statt auf einem fruchtbaren Planeten mitten in der Einöde. Ich hatte eigentlich vorgehabt, sie jetzt in meiner neusten Runde des Spiels ein bisschen umzubauen und zu renovieren, aber aus dieser Idee wurde nichts. Denn als ich aus dem Portal und der Haustür trat, fand ich einen vergifteten und vollkommen unbewohnbaren Planeten vor. Und ganz kurz war ich ziemlich enttäuscht.

Ich hatte eigentlich doch einen guten Teil meiner Spielzeit in dieses Basis gesteckt, hatte entfernte Planeten für seltene Rohstoffe besucht, hatte Piraten besiegt und war gefühlt unzählige Lichtjahre weit gereist, um überhaupt den perfekten Planeten für meine Wahlheimat zu finden. Er hatte rotes Gras und eine hübsche Hügellandschaft gehabt, in der Unmengen an Tieren lebten, von denen mir eine Art Tiger mit Hörnern immer am besten gefallen hatte. Das alles war Vergangenheit, stattdessen begrüßte mich nun ein dunkelgrüner, vergifteter Planet voller radioaktiver Strahlung. Unbewohnbar und meine Basis, die ich mühevoll aufgebaut hatte, war im Grunde verloren. Tatsächlich habe ich danach so viel von den Gebäudeteilen, die ich als mein virtuelles Zuhause auserkoren hatte, abgebaut, die Einzelteile in meine Inventare gequetscht und bin nun losgezogen, um mir einen neuen Heimatplanten zu suchen. Statt Renovierungsmaßen, mit denen ich den Platz schöner nutzen wollte, eben direkt ein Neubau.

Dabei entbehrt diese Reaktion bei einem Spiel wie „No Man’s Sky“ ja eigentlich nicht einer gewissen Ironie. Ein Spiel, das mich in seinem Ansatz der endlosen Erkundung zu einer Nomadin der eigenen unendlichen Weiten machen sollte, bewegt mich dazu, schier endlos an meinem virtuellen Heim zu feilen, das ich noch dazu mit unterschiedlichen Spezialisten bevölkern kann. Und in meinem Fall ist „No Man’s Sky“ auch weder das erste noch das letzte Spiel, in dem ich überproportional viel Zeit in mein virtuelles Eigenheim stecke, sondern nur der neuste Vertreter in einer langen Reihe.

Neben den „Sims“-Spielen, die dafür vermutlich den Klassiker darstellen, erinnere ich mich gut an das erste Haus, in dem ich meine Dunkelelfe in „Skyrim“ länger habe einziehen lassen. Dabei handelte es sich um einen Mod, der ein gemütliches Anwesen südlich von Weißlauf zwischen die Bauernhöfe um die Stadt herum pflanzte. Inklusive großer Küche, Schlaf- und Wohnbereich sowie einer Bibliothek mit viel Platz für die Bücher, die ich auf meinen Reisen eingesammelt habe, und einem großen Keller, in dem ich seltene Rüstungen, alte Waffen und besondere Fundstücke ausstellen konnte. Bis zu einem PC-Wechsel, durch den das Haus verloren ging, lebte meine Elfe hier glücklich und zufrieden, ließ sich von ihrem Mann Farkas regelmäßig bekochen und tat sonst das, was man als Drachenblut eben so macht. (Also wahlweise die Welt retten oder ins Chaos stürzen.)

Ich hänge an den Orten, an denen meine Avatare die Füße hochlegen und kurz von ihren Heldentaten verschnaufen. Die Himmelsfeste in „Dragon Age: Inquisition“ vollständig auszubauen, ist für mich eine Ehrensache. Genauso Corrins Schloss in „Fire Emblem: Fates“. Oder Monteriggioni in „Assassin’s Creed 2“. Und „Stardew Valley“ habe im im dritten Jahr meiner ersten Farmerin neu angefangen, weil ihr Hof zu chaotisch und schlecht geplant war. Entschuldigung, aber das muss verdammt noch einmal gut aussehen!

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