Young Adult hat ein Feminismus-Problem

Young Adult hat ein Debattenproblem. Auf der einen Seite fordern Leser wie Blogger gerne starke Protagonistinnen, auf der anderen Seite will die eigentlich kaum einer wirklich haben und die nötigen Dialoge werden nicht geführt. Das muss sich ändern.

Wer sich auch nur oberflächlich für High Fantasy mit weiblichen Protagonisten oder wahlweise auch einfach nur Young Adult-Fantasy interessiert, der kommt an Sarah J. Maas nicht vorbei. Ihre Bücher werden schier bis ins Unermessliche gehypt und ihre Protagonistinnen gerne als strahlende Beispiele in einem von Männern dominierten Genre hochgehalten. Ein Reflex, den ich gut verstehen kann. Denn High Fantasy hat ein gewisses Frauenproblem – Aber Sarah J. Maas ist keine Antwort, sondern ein Symptom. Sie ist Teil eines merkwürdig verdrehten Dialogs um Gender, der ein Stück weit auch Fantasy im Allgemeinen betrifft, aber sehr viel mehr mit Young Adult zu tun hat.

Nehmen wir Celaena Sardothien aus Maas‘ „Throne of Glass“-Reihe, im Besonderen zu Beginn des ersten Buchs: Sie ist eine Attentäterin, eine berühmt-berüchtigte Legende, oberflächlich betrachtet der Inbegriff des Stereotyps einer „starken“ oder „badass“ Heldin. Gleichzeitig ist Celaena aber auch ein Paradebeispiel, warum diese Art von Konzepten zu kurz greifen und im schlimmsten Fall sogar ein Problem darstellen.

Liest man nämlich lobende Rezensionen auf Goodreads oder Lovelybooks, ist ein ständig wiederkehrendes Argument für die Reihe, dass Celaena so eine starke Protagonistin sei, wobei „stark“ normalerweise als synonym mit „gut“ oder „toll“ verwendet wird. Dieses Label scheint die ultimative positive Wertung für die Heldin des Romans zu sein und Celaena wird so zu einer Art Inbegriff feministischer Erfolge auf dem Jugendbuchmarkt stilisiert. Das birgt zwei Probleme: Zum einen ist das Stärkekonzept, das hinter Celaena steht, durchaus zu problematisieren, und zum anderen hat die Frage, ob eine Figur nun „stark“ ist oder auch nicht, nichts mit der Frage zu tun, ob sie mir als Leserin denn auch sympathisch ist.

Celaena wird von der ersten Seite an so charakterisiert, dass sie dem Archetyp einer „starken Frau“ entsprechen kann: Sie kann kämpfen, ist kaltherzig und arrogant. Ihre Gedanken sind immer wieder angefüllt mit brutalen Vorstellungen, wie sie sich aus der einen oder anderen Situation befreien könnte, und die Autorin lässt praktisch keine Gelegenheit aus, um zu betonen, dass ihre Heldin es ja mit jedem Mann aufnehmen könnte, der ihr begegnet. Genauso oft gibt es aber auch Stellen wie diese:

„Die Augen des Prinzen funkelten amüsiert über ihre Dreistigkeit, verharrten aber etwas zu lange auf ihrem Körper. Sie hätte ihm dafür das Gesicht zerkratzen können. Andererseits – dass er sie trotz ihres furchtbaren Zustands überhaupt ansah … Langsam breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus.“
– Sarah J. Maas: Throne of Glass 1 – Die Erwählte, Kapitel 3 (Aus dem Englischen von Ilse Layer)

Passagen wie diese machen es schwer, Celaena als das feministisches Wunder zu begreifen, als das sie gerne beschrieben wird. Das Machtverhältnis, das dem zu Grunde liegt, ist kein anderes als in vielen anderen High Fantasy- oder Young Adult-Romanen. Celaenas Geschichte ist vielleicht noch so unterhaltsam: Selten war eine Figur so weit von der Revolution entfernt, für die sie angeblich stehen soll. Damit steht Celaena aber auch ein wenig symbolisch dafür, wie merkwürdig verdreht der gesamte Dialog um Gender unter Bloggern und Young Adult-Fans aktuell ist.

Auf der einen Seite werden ständig „starke“ Protagonistinnen gefordert, auf der anderen ist die letzte Bloggerin, die sehr prominent feministische Kritik an einem Buch angebracht und damit die letzte „rapefiction“-Debatte angestoßen hatte, schlicht aus der klassischen Bloggerwelt hinausgedrängt worden. In einer merkwürdigen Mischung aus Popfeminismus, der nichts weiter als ein Lippenbekenntnis ist, und diffusem Konsens, dass man ja für Gleichberechtigung aller sei, wird allgemein meistens nur an der Oberfläche dessen gekratzt, was Gender in Young Adult ausmacht. Und das ist ein Problem.

Denn Protagonistinnen wie Celaena sind kaum besser als eine Bella Swan in „Twilight“. Das ist grundsätzlich nicht einmal automatisch etwas Schlechtes, aber es bedeutet, dass sich einige Diskussionen um Young Adult – vor allem im deutschen Raum – ändern müssen. Eine Frauenfigur ist nicht automatisch „stark“, nur weil sie kämpfen kann, und ein Buch nicht automatisch nicht mehr kritisch zu sehen, nur weil eine Heldin als stark angesehen wird. Gerade YA-Fantasyromane oder Dystopien wiederholen gerne die gefährlich ähnliche Blaupausen, die die männlichen Love Interests einer Heldin auf ein paar wandelnde Bauchmuskeln reduzieren.

Und darüber sollten und müssen wir reden. Nur deutlich differenzierter als bisher.

Artikelbild: „Poland_4053 – Mermaid“ von „Dennis Jarvis“ (https://www.flickr.com/photos/archer10/) (CC BY-SA 2.0)

21 Kommentare

  1. Pingback: Starke Frauen in YA | Celaena Sardothien – Ink of Books

  2. Pingback: Nornengestöber – 08.10.2017 – Nornennetz

  3. Pingback: Die falsche Vorstellung von „stark“ – KaySee's Blog

  4. JA JA JA! Ernsthaft, der Artikel ist so unglaublich gut und wichtig!
    Ich finde es stellenweise wirklich bedenklich, was in Young-Adult als „starke Protagonistin“ deklariert wird. Klar, es gibt nicht die eine einzig wahre Definition und jeder versteht darunter wahrscheinlich etwas anderes. Trotzdem sind schrecklich viele Charaktere, die als Vorbild dargestellt und als Heldin glorifiziert werden einfach so… problematisch? Gleiches auch auf männlicher Seite – viel zu oft ist deren Charakterisierung einfach furchtbar. „Stark“ lässt sich nun mal nicht einfach über ein oder zwei Eigenschaften definieren, die ein Charakter verliehen bekommt und die anscheinend alles andere unnötig machen. Das war auch glaube ich einer meiner größten Kritikpunkte bei den Throne of Glass-Büchern. Celaena kann kämpfen und ist selbstbewusst, ja. Aber gleichzeitig ist sie auch so unglaublich abhängig von ihren Love-Interests und oft überhaupt nicht dazu in der Lage, von ihrem Erst-Mal-Draufhauen-Und-Später-Fragen-Trip abzuweichen. Und das nervt, zumal es in so vielen Rezensionen einfach nicht beachtet wird. Die Reihe hat so viele Probleme – aber Celaena ist ja eine starke Protagonistin, also ist der Rest egal. Ugh.

    So, irgendwie ist der Kommentar jetzt wahrscheinlich etwas wirr und unkonkret, aber hoffentlich trotzdem irgendwie zu verstehen 😀

    • Erstmal danke für den Kommentar (übrigens gar nicht wirr, ich verstehe ihn jedenfalls gut :)) und das Kompliment 🙂
      „Gleiches auch auf männlicher Seite – viel zu oft ist deren Charakterisierung einfach furchtbar.“ – Ganz genau. Ein Mann, der auf Love Interest und Sixpack reduziert wird, ist genauso kritisch zu sehen, wie z.B. eine Bella Swan. (Weiß nicht, ob du meinen Text über Gender in YA-Dystopien schon kennst, da beschäftige ich mich genau damit anhand eben von Dystopien, um ein paar klarer definierte Erzählmuster zu haben: https://geekgefluester.de/paradoxie-ya-dystopien) Vielleicht ist auch einfach zu überlegen, im Diskurs diese Kategorien von „stark“ und „schwach“ in die Mottenkiste zu verbannen, weil sie nur dann passen, wenn sie im Bewusstsein verwendet werden, dass diese Art von „stark“ eben sehr viel komplexer ist als bloße körperliche Stärke o.ä. Und genau das geht mir persönlich viel zu oft verloren. (Übrigens nicht nur bei Büchern, bei YA finde ich es nur doppelt und dreifach paradox, weil da gerne und oft „starke Frauen“ gefordert und feministische Einflüsse gelobt werden.)

  5. Liebe Aurelia,

    vielen, vielen Dank, das zu lesen tat jetzt richtig gut. Ich war nämlich das ganze Wochenende (mal wieder) mit genau diesem Thema beschäftigt, nur aus einer ganz anderen Perspektive. Ich bin eine der Autorinnen, die in einer winzigen Nische genau gegen diese stereotypen „Heldinnen“ anschreiben. Ich schreibe Romane über Polyamorie.
    Polyamorie wird auch manchmal als die feministische Version der offenen Beziehung bezeichnet, bei mir geht es also um eine Frau, die versucht, offen und langfristig zwei Liebesbeziehungen zu eben zwei Männern zu führen.
    Und vor ein paar Tagen hab ich mir einen echt schmerzhaften Verriss eingehandelt, weil eine Leserin ganz fürchterlich genervt davon war, dass eine meiner männlichen Figuren in dieser Konstellation große Probleme mit Verlustangst hat und meine Heldin sich nicht einfach darüber hinwegsetzt, sondern kompromissbereit auf ihn reagiert.
    Meine Heldin war der Leserin einfach nicht radikal genug, weil sie Rücksicht nimmt. Der Mann, der Schwäche zeigt, war für sie schlichtweg eine Dramaqueen. Und dieses Schwarzweißdenken hat mich wirklich unglaublich irritiert und ratlos gemacht, da ich sonst gerade für diese beiden Figuren sehr positives Feedback bekomme.
    Nachdem ich jetzt deinen Artikel gelesen habe, kann ich das ganz anders einordnen. Ich kenne die Reihe, die du als Beispiel anführst nicht, aber jetzt wird für mich viel klarer, was diese Leserin so enttäuscht hat. Solange im Mainstream Frauenfiguren, die sich den Weg freiballern, als „starke Heldinnen“ betrachtet werden, ist eine weibliche Figur, die versucht, selbstbestimmt zu leben, ohne zu verletzen, für viele Leserinnen sicher auch eine Enttäuschung. Das war mir vorher gar nicht so klar, weil ich mit dem Genre YA so wenig Berührung habe. Du hast mir da echt geholfen, das besser nachtzuvollziehen und solche Kritik besser zu verstehen, vielen Dank dafür.

    Liebe Grüße,
    Sookie

    • Hi Sookie,

      Es freut mich, wenn dir mein Text weiterhelfen konnte. Tatsächlich bemerke ich diese Verschiebung der Diskussion immer wieder, übrigens auch unabhängig vom Medium. Bei Young Adult ist es nur besonders extrem, weil oft eigentlich eben gute/“starke“ Frauenfiguren gefordert werden, was auch daran liegt, wie diese Debatte z.B. unter Bloggern geführt wird. Und genau da würde ich mir eben auch wünschen, dass man mehr darauf eingeht, dass es für interessante (Frauen-)Figuren mehr als eine Möglichkeit zur Konzeption gibt und das Ranking dieser Möglichkeiten eben persönliche Präferenzen sind, die nichts über die Qualität aussagen. (Falls es dich interessiert: Ich habe auch schon vor einer Weile einen ausführlichen Text dazu geschrieben: http://www.fieberherz.de/2016/05/frauenfiguren-und-die-sache-mit-dem.html) Und gerade Fälle, wie du deinen beschreibst, die gängige Ideen von Gender vielleicht auch aufbrechen hätten eigentlich differenziertere Betrachtungen verdient. (Mein Dauerbeispiel dafür ist auch Sansa Stark, die gerade bei den Serien-Fans von GoT eine Weile absolut untergegangen ist als „schwach“ usw., während sie tatsächlich in derselben Zeit onscreen eine der stärksten Figuren überhaupt war, nur eben nicht kämpfend.)

      Liebe Grüße,
      Aurelia

  6. Aurelia, ich glaube, ich muss gar nicht viele Worte darüber verlieren, wie sehr mir dieser Artikel aus dem Herzen spricht. Zumal Celeana der Prototyp der pseudo-starken Frau ist. Ja, sie kämpft. Ja, sie ist raffiniert. Ja, sie hat ein loses Mundwerk. Aber alles zusammengenommen ist sie rüpelhaft, skrupelos und arrogant. Alle drei Eigenschaften wären auch bei einem männlichen Protagonisten kaum auszuhalten. Das wäre ja auch gar nicht schlimm, wenn diese Figur nicht als strahlende Heldin inszeniert wird, der ihre ganze Welt zu Füßen liegt. Dabei wäre eine Frauenfigur, die durch ihre Arroganz und Unbarmherzigkeit ihre Sympathiepunkte verliert, viel interessanter gewesen. Ein weiblicher Tommy Shelby, könnte man sagen.*

    Insgesamt lebt Throne of Glass davon, dass es maßlos undifferenziert ist. Anderfalls würde die Lektüre wohl wahrscheinlich keinen Spaß mehr machen, weil man die Charaktere und ihre Taten hinterfragen müsste. Und ja, das ist definitiv ein Problem. Vor allem in der Fantasy zieht man sich auf diesen Typus Frau zurück und das treibt mich stellenweise in den Wahnsinn. Außer mit einem guten Gespräch wird man wohl da keine Fortschritte machen.

    Und alles andere hat Steffi mir bereits vorweg genommen und muss hier nicht weiter wiederholt werden. 😛

    *Peaky Blinders ist einfach so gut, verdammte Axt.

    • Dieser Rückzug auf diesen Archetyp in einer besonders einfachen Form im Fantasy ist auch eigentlich das, was mich daran stört. Dass „Throne of Glass“ vielleicht einfach nur durch Vereinfachung unterhalten will – geschenkt. Ich würde mich immer noch über einige Verharmlosungen ärgern, aber Celaena als Figur insgesamt könnte ich unter der Prämisse auch akzeptieren. Das Problem ist eben auch, dass sie „nur“ eine eigene Spitze einer ganzen Reihe von Figuren in Fantasy im Allgemeinen und genauso auch immer wieder YA-Fantasy im Speziellen ist.

      Und: Den Tommy Shelby-Vergleich konntest du dir nicht verkneifen, was? 😛 Und da heißt es immer, ich sei das „Peaky Blinders“-Fangirl! 😀

  7. Hallo,
    was für ein toller Beitrag. Ich gebe dir vollkommen recht.
    Ich habe „Throne of Glass“ als Jugendliche angefangen zu Lesen und begann mit der Reihe, als sie damals ganz frisch auf dem englischen Markt war. Damals fand ich den ersten Band ganz gut und las auch die Folgebände, die mir aber ab Band 4 nicht mehr so gut gefielen. Mittlerweile lese ich die Reihe nur noch, weil ich das Ende wissen will und mag sehr viel an ihr nicht. Mit Celaena bin ich schon im ersten Band nicht so warm geworden (ich fand da die Nebencharaktere besser). Leider entwickelt sie sich im Laufe der Reihe zu einer totalen Mary Sue und wird zu einem Charakter, den ich ziemlich unausstehlich finde (und das ist noch freundlich ausgedrückt).
    Nun aber zum Thema Feminismus in der YA. Ich lese aktuell eher wenig in dem Genre, weil ich teilweise das Gefühl habe da immer wieder die selben Charaktere zu sehen. Es ist zwar schön, dass es mittlerweile einen Trend zu mehr weiblichen Hauptcharakteren gibt, das hat mir in meiner Jugend lange Zeit gefehlt, aber leider ähneln sich diese Charaktere sehr. Sie sind in der Regel nur körperlich stark und es fehlt ihnen an Komplexität.
    Wenn du einigermaßen Englisch sprichst kann ich dir nur diesen Artikel empfehlen: https://www.newstatesman.com/culture/2013/08/i-hate-strong-female-characters
    Ist meiner Meinung nach einer der besten Texte, die zu dem Thema geschrieben wurden und spricht viele wichtige Punkte an.

    LG
    Elisa

    • Den Artikel kannte ich noch nicht, aber danke für den Tipp, darin steht auch einiges, das ich ähnlich sehe. Kategorien von „stark“ und „schwach“ sind mir in vielen Fällen – besonders in ihrer ursprünglichen Bedeutung – zu einfach und führen nicht weit genug. Genauso wenig wie die Frage, ob eine Figur sympathisch ist. Sherlock Holmes ist nicht zwingend sympathisch, aber eine unglaublich spannende Figur. Deshalb würde ich mir genau da eben auch eine andere Debatte z.B. unter Buchbloggern dazu wünschen.
      Liebe Grüße,
      Aurelia

  8. Jominathor

    Interessanter Text, über die Thematik habe ich mir auch schon Gedanken gemacht.
    Aus der Position heraus, in einer von männlichen „Helden“ dominierten Szene Frauencharaktere zu schreiben, die die gleichen, vermeintlich positiven und „starken“ Eigenschaften besitzen, scheinen manche Autoren diese in einer fragwürdigen Weise zu interpretieren. Eine Heldin die gefühlskalt und abgebrüht durch die Gegend läuft und dabei in Kämpfen problemlos Schellen verteilt „wie ein Mann“, finde ich in der Regel genauso langweilig wie das gleiche mit einem männlichen Protagonisten.

    Gleichzeitig ist die Auffassung der Leser dann jedoch oft die gleiche und es werden hauptsächlich diese oberflächlichen Kriterien wie eben die Kampfkraft einer Charakterin als Indikator für eine gelungene, feministische Figur wahrgenommen. Dabei fehlt genau diesen Charakteren oft die nötige Vielschichtigkeit, die eine gelungene Figur erst ausmacht.

    Eine feministische, starke und beeindruckende weibliche Figur sollte in meinen Augen charakterlichen Tiefgang, Nachvollziehbarkeit und Nachempfindbarkeit besitzen. Sie sollte Höhen und Tiefen durchmachen und in den Regeln und Möglichkeiten ihrer Welt vor allem menschliche Stärke beweisen. Aber so eine Figur zu konzipieren, ist natürlich auch weitaus schwieriger, als sich auf äußerliche Stärkemerkmale zu begrenzen, womit ich mir die Masse an solchen Inhalten zumindest erkläre.

    • „Eine feministische, starke und beeindruckende weibliche Figur sollte in meinen Augen charakterlichen Tiefgang, Nachvollziehbarkeit und Nachempfindbarkeit besitzen.“ – Geht mir genauso, das sollte auch für alle Figuren gelten. Dass bei vielen Frauenfiguren „stark“ mit „kämpfen“ gleichgesetzt wird, hat natürlich auch historische Hintergründe, weil es lange eben nur dann unabhängige und etwas komplexere Frauenfiguren gab, wenn die auch gekämpft haben. Nur seit diesen Zeiten hat sich in allen narrativen Medien viel getan und dieser Maßstab ist längst zu einfach, auch wenn er leider viel zu oft als das höchste Ziel betrachtet wird.

  9. Hi Aurelia, wieder danke für diesen guten Beitrag! Das ist genau die Problematik, die ich auch in meinem Beitrag meinte 😉 Und: uiuiui, ich kenne die Throne of Glass-Reihe nicht, aber nur das eine Zitat liest sich ja schrecklich klischeeig! Danke, dass du das ansprichst!
    Es ist überhaupt nichts dabei, sowas zu lesen, wenn man es denn einordnen kann (ich lese auch gerne mal Kitsch), aber jungen Mädchen sowas als Vorbild vorzuhalten, finde ich bedenklich.
    LG, Sabine

    • Genau das mit der jungen Zielgruppe ist auch das, was mir bei sowas in YA Bauchschmerzen bereitet. Gerade diese endlosen Reihen von Autorinnen wie Sarah J. Maas, an denen man gefühlt jahrelang lesen und im Fandom aufgehen kann, haben da ein gewisses gefährliches Potential. Und die Diskussion ist mir gerade unter Buchbloggern viel zu dünn und klein, da gibt es sehr viel mehr, über das geredet und das problematisiert werden müsste.
      Liebe Grüße,
      Aurelia

  10. Hallöchen Aurelia
    ,
    ein toller Beitrag wie ich finde.
    Ich habe bisher erst Band 1 gelesen und wirklich gehofft, dass wir mit Celaena eine unabhängige Protagonistin haben, die sich selbst behaupten kann. Leider wurde sie im Verlauf des Buches immer blasser, da sie letztlich doch so viele Oberflächlichkeiten etc. hingibt. Außerdem schrammt sie mMn ziemlich nah an der Fanfiction „Mary Sue“ vorbei.
    Dennoch hat mich das Buch gut unterhalten und ich möchte weiterlesen, aber ich stimme dir zu, dass dieses „starke Protagonistin“ nicht ganz zutrifft.
    Ich bin gespannt auf die sich daraus ergebenden Diskussionen!

    Liebe Grüße,
    Babsi

  11. Ich habe grade gestern erst einen tollen Beitrag darüber gelesen, dass wir keine starken sondern realistische Frauenfiguren brauchen (bei Ant1heldin: http://ant1heldin.de/frauenfiguren-starke-frauenfiguren-jessica-jones-ferrante).

    Diese ganze Diskussion finde ich immer so seltsam, was ist denn eigentlich stark? Bin ich stark, wenn ich mich wie ein Mann verhalte? Oder wenn ich keine Rücksicht nehme? Mir fallen dabei aus irgendeinem Grund immer die Darkover-Bücher ein. Marion Zimmer Bradley hat ganz eigene Probleme und viele ihrer Frauenfiguren sind auch nur Stereotype, aber auf Darkover gibt es essentiell drei Gruppen von Frauen: Die Entsagenden, die Bürgerlichen und die Frauen der Comyn d.h. des Adels. Grade erste und letztere stehe in totalem Kontrast. Comyn-Frauen wachsen behütet auf, sie berühren andere Personen kaum und würden es niemals wagen einem nicht-verwandten Mann in die Augen zu schauen. Sie bedecken ihren Nacken und auch eigentlich sonst ihren ganzen Körper. Die Entsagenden haben sich dagegen von allen Männern losgesagt, sie tragen Hosen und üben oft Männerberufe aus z.B. als Leibwächterinnen oder Bergführerinnen. Wer ist jetzt stärker? Nur weil die Comyn-Frauen sich in die Gesellschaft fügen sind sie ja nicht schwach, im Gegenteil, einige von ihnen sind einige der stärksten Frauenfiguren, die ich kenne. Sie sind zwar typisch weiblich, aber sie halten oft das ganze Gefüge einer Großfamilie zusammen und aller mit dieser Familie assoziierten Menschen und Wesen. Auch nicht einfach grade wenn mal wieder irgendein Krieg herrscht (auf Darkover gerne auch mal im engeren Familienkreis…)

    Danke für diesen Beitrag 🙂

    Liebe Grüße,
    Lena

    • Erstmal danke für den Kommentar und das Kompliment 🙂
      „Stark“ ist sicher nicht das beste Label für gute/interessante Figuren, deshalb sehe ich die Diskussion darum auch kritisch. Die Darkover-Bücher kenne ich nicht, aber das klingt für mich wie eine ähnliche Diskussion wie die Frage, ob Sansa oder Arya Stark in GoT jetzt „stärker“/“besser“ ist. Und das halte ich nur begrenzt für sinnvoll. Wir brauchen realistische/interessante/komplexe Frauenfiguren. Was das bedeutet, steht auf einem anderen Blatt. (Ich habe da übrigens auch vor einer Weile mal einen Gastbeitrag für Fieberherz geschrieben, falls er dich interessiert: http://www.fieberherz.de/2016/05/frauenfiguren-und-die-sache-mit-dem.html) Ganz zu schweigen davon, dass ich auch denke, dass bei Young Adult wir grundsätzlich über Gender und auch über die Darstellung von Männern/Jungs sprechen sollten, aber diese Diskussionen werden durch die aktuelle Art der Diskussion leider meiner Wahrnehmung nach genauso blockiert.
      Schöne Grüße,
      Aurelia

      • Tatsächlich würde ich sogar wagen zu behaupten: Wenn nicht auch Männerrollen variantenreicher bzw. in ihrer Unterschiedlichkeit verbreiteter, akzeptierter werden, sei es in „echt“ oder in Romanen, wird der Knoten der „starken Frau“ vielleicht nie (weitgehend) gelöst werden. Zusätzlich fehlt mir Differenzierung in den meisten Diskussionen und/oder Ansätzen derselbigen – es muss möglich sein, einen Aspekt zu mögen, aber auch zu akzeptieren, dass dies andere nicht tun (und andersherum; grundsätzlich ohne virtuelle Mistgabeln zu schwenken). Beides sehe ich nicht als gegeben an. Pessimistisch ausgedrückt also – das Fordern ist richtig und gut, das Diskutieren die positive Steigerung, aber mich beschleicht eben das Gefühl, dass das Gros der Menschen nicht bereit ist für ein Mehr an Akzeptanz. Was mich tatsächlich betrübt, denn ich würde da gerne optimistischer sein.

  12. Danke für den wichtigen Beitrag. Ich habe in letzter Zeit auch das Gefühl, dass zwar „starke“ Frauenfiguren gefordert, aber nicht gewürdigt werden.
    LG
    Eva

    • Das ist durchaus möglich. Man darf in dem Zusammenhang auch nicht die Eigenschaft von Romanen vergessen und welchen Zweck sie in unserer Gesellschaft haben. Sie sollen ablenken. Einfach zu konsumieren sein und einen problemlos in eine andere Welt bringen, in der man (frau) der Held (die Heldin) ist. Bekannte Zutaten helfen dabei. Unbekannte Zutaten sind wie eine fremde Speise: Erstmal gewöhnungsbedürftig.

Kommentar verfassen