Wonder Woman (2017): Lasst mich durch, ich bin Amazone!

Weibliche Superhelden sind langsam, aber sicher in. Nur waren die letzten Vertreterinnen wie Supergirl oder Jessica Jones vor allem in der Welt der Serien zu finden. Mit „Wonder Woman“ von Patty Jenkins steht jetzt in Form der Amazonenprinzessin Diana (Gal Gadot) auch im Kino eine Superheldin im Rampenlicht. Und was für eine.

Kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs stürzt Steve Trevor (Chris Pine) vor der Küste von Themyscira ab und wird von Diana, der Tochter der Amazonenkönigin, gerettet. Mit ihm kommt die Nachricht über einen alles verschlingenden Krieg auf die verzauberte Heimatinsel der Amazonen und Diana erfährt von dem Leid, das außerhalb ihrer geschützten Heimat herrscht. Gemäß der heiligen Pflicht der Amazonen und dem Mythos über die Rückkehr des Kriegsgottes Ares will sie helfen und ausgerüstet mit Lasso, magischem Schwert und Schild begleitet Diana Steve nach England und schließlich an die Front. Sie ist fest überzeugt: Wenn es ihr nur gelingt, Ares zu töten, wird der Krieg aufhören, denn er muss es sein, der die Menschen manipuliert und immer tiefer in den Krieg treibt. Damit ist sie zwar allein, aber das hält sie nicht davon ab, es zu versuchen.

Flapsige Anfänge und kindliche Naivität

Das gesamte Szenario von „Wonder Woman“ ist vor allem eins: Düster. Kriegswirren, graue Schlachtfelder und Unmengen an Toten und Verletzten. Diana mag als Heldin glauben, dass sie einfach nur die Personifikation des Krieges töten muss, um den Krieg zu beenden, aber die Realität, die um sie tobt, ist deutlich komplizierter. Gaswaffen, Bomben, Schützengräben. Die Welt des frühen 20. Jahrhunderts ist kompliziert, auch wenn Diana sie nicht so begreift. Sie ist umgeben von Menschen, die nur noch kriegsmüde auf ein Ende der Kämpfe warten, aber eigentlich nicht mehr daran glauben und jeden Tag mit dem Schlimmsten rechnen. Dazwischen ist Wonder Woman, die nur die sagenhafte Welt der Amazonen kennt, eine Lichtgestalt, deren Naivität schon etwas Bittersüßes hat. Sie ist eine Art letzte Bastion des Guten, von der man ständig erwartet, dass sie in diesem blutigen Chaos eigentlich doch jeden Moment fallen muss.

Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich schon schade, dass die erste Hälfte des Films ein wenig albern ist. Ein Peniswitz hier, ein flapsiger Spruch darüber, dass die Amazonen keine Männer bräuchten da – das ist in der Situation zwar ganz lustig, untergräbt aber nur die Ernsthaftigkeit der eigenen Handlungen und Figuren. Und kaum verschwinden diese Albernheiten, weil die Geschichte sich ihrem Weltkriegsszenario richtig zuwendet, wird auch der Film als Ganzes deutlich besser. Denn wenn Diana in die Schlacht zieht, dann ist das schlicht eines: Episch. Nicht albern, nicht lustig nicht einmal ein wenig humorvoll angehaucht, sondern bitterer Ernst. Wonder Woman ist eine Kriegerin, die auszieht, um den Krieg persönlich zu töten. Mitten in den Wirren des Ersten Weltkrieges versucht sie eine klassische Heldin zu sein, wenn diese Helden scheinbar nichts mehr ausrichten können.

Eine Heldin in einem Krieg ohne Sinn und Ende

Dieser Gegensatz – dieser allgegenwärtige Zweifel, ob es überhaupt möglich ist, die Welt zu retten – zieht sich wie ein roter Faden durch die Weltkriegshandlung. Diana mag noch so perfekt ausgebildet und stark sein: Auf einen Krieg in den Dimensionen eines modernen Weltkriegs ist sie nicht vorbereitet. Das ergibt einen schönen Gegensatz zu der kleinen Gruppe an Freunden, die sie mit Steve um sich schart, die alle auf die eine oder andere Weise den Schrecken, den Diana nicht begreifen kann, längst als etwas hingenommen haben, das man nun einmal nicht ändern kann. Diana dagegen glaubt noch immer an das Gute. Sie glaubt als einzige noch an ein Happy End und dass sie nur dieses eine Monster des Krieges töten muss, damit alles gut werden kann.

So kämpft sich Wonder Woman, obwohl sie im Film kein einziges Mal so genannt wird, mit magischem Schwert und Lasso über die Schlachtfelder Europas und versucht die Welt zu retten, wenn keiner mehr glaubt, dass sie gerettet werden könnte. Und gleichzeitig kippt die Figur nie in ein Klischee der „mitfühlenden Frau“, die einfach zu viel Liebe in sich trägt. Diana kämpft, ohne es richtig zu bemerken, für ihre Ideale und nichts hält sie auf. Das geht sogar so weit, dass ihr Liebster einen guten Teil des Films nur damit zu verbringen scheint, hinter ihr her zu laufen, um sie davon abzuhalten, etwas zu tun, das wahlweise nicht gesellschaftskonform oder sehr gefährlich ist.

Das ergibt insgesamt eine schöne Mischung aus epischen Kampfszenen, einer coolen Heldin und genügend Drama, um den Spannungsbogen halbwegs zu halten. „Wonder Woman“ ist sicher kein filmisches Meisterwerk und mutet selbst für einen Superheldenfilm immer wieder eigentlich recht traditionell an, aber das muss der Film auch nicht, um in seiner Epicness Spaß zu machen. Wie es sich für eine echte Superheldin gehört, glaubt Diana fest an das Gute, will die Welt retten und ist insgesamt verdammt cool. Was will man mehr?

Artikelbild: „wonderGal“ von „tacit requiem (joanneQEscober )“ (CC BY 2.0); Quelle: https://www.flickr.com/photos/tacitrequiem/35146823411

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