Windfire: Nur Mystik macht noch keinen Plot

Windfire Lynn Raven Cover Rezension
Jessie hat mehr Probleme als Lösungen dafür: In Las Vegas, der schimmernden Stadt der Casinos, schlägt sie sich mehr schlecht als Recht durch und bringt so sich und ihren krebskranken Bruder gerade so über die Runden. Als sie ein altes Amulett ihrer Familie versetzt, taucht aus dem Nichts der Fotograf Shane vor ihr auf und will nichts Geringeres als genau dieses Erbstück. Und ehe Jessie es sich versieht stolpert sie durch eine Welt voller Halb-Djinns, Hexen und ihrer eigenen Vergangenheit, während die Spuren des Amuletts sie durch Las Vegas und darüber hinaus führen.

Lynn Raven ist eigentlich ein Name, mit dem ich viele gute Bücher verbinde. Seit der „Dämon“-Reihe, die ich als Teenager verschlungen habe, mochte ich eigentlich jedes ihrer Bücher. Jedes davon hat eine zwar einen recht simplen Grundplot, dessen Ausgang meistens grob vorhersehbar ist, aber dafür stecken in den meisten ganz eigene Fantasy-Elemente, die immer wieder die bekannten Erzählstrukturen des Genres durchbrechen. So bediente die „Dämon“-Reihe ganz im Geist von „Twilight“ und seinen Nachfolgern einen Romance-Vampirplot, löste sich aber gleichzeitig vom Klischee, indem dieser Vampirplot ein paar Elemente aus der griechischen Sagenwelt bekam und außerdem eine Welt aufgebaut wurde, die für vergleichbare Romane erstaunlich groß war. Die Stärke dieser Bücher war nie die eigentliche Handlung, sondern das Drumherum, das Setting.

Mit „Windfire“ versucht die Autorin offenbar erneut an diesen Stil anzuschließen, allerdings im Gegensatz zu „Blutbraut“ etc. funktioniert es dieses Mal nicht. Der Stil ist wie immer solide, die Figuren sind gut kreiert und nachvollziehbar, die Geschichte logisch, „Windfire“ scheint also eine rundum gelungene oder wenigstens solide Sache zu sein, aber trotzdem kommt es nicht über das Level eines Romans für Fans hinaus. Der gesamte Weltenbau um Djinns und Hexen ist so sehr von Klischees geprägt, dass man darin fast ersticken könnte. Ein bisschen 1001-Nacht-Romantik hier, ein wenig Sand da, noch etwas Romeo-und-Julia-Kitsch in der Familiengeschichte einstreuen und fertig ist der Plot?
Dabei ist es nicht einmal so, dass der Weltenbau Logikfehler hätte. Er ist nur schlicht so offensichtlich oberflächlich recherchiert und konzipiert, dass es seinen Reiz selbst erschlägt. Wer auf einen in seiner Dynamik relativ vielschichtig angelegten Hintergrund hofft, der Spannung aufbaut und Interesse an dem Weltenbau weckt, wird enttäuscht werden. Ein kleiner Teil davon wird angerissen, aber das meiste bleibt bei einer sehr vagen Ahnung und noch schwerfälliger und gröber wird alles beschrieben, das theoretisch zentral für die Geschichte wäre, aber ferner oder sogar mystischer Vergangenheit liegt. Die Idee der übermächtigen Djin scheint sich konstant mit dem Setting in einer komplett entmystifizierten Zeit, nämlich der Gegenwart, und an realen Orten zu beißen, anstatt endlich einen wohl überlegten Weg der Interpretation des Sagenstoffs einzuschlage.

Da wird auch leider nicht mehr viel dadurch gerettet, dass Lynn Raven stilistisch eine geübte Erzählerin ist, die weiß, was sie tut. Die Handlung ist erneut nichts Besonderes, ihre Helden waren in den Büchern der Autorin genauso wie in anderen Romanen des Genres schon X Mal so ähnlich da und selbst die Liebesgeschichte, von der der Roman eigentlich leben sollte, ist vielleicht in Ordnung, aber etwas, das mit dem Zuschlagen des Buches auch wieder in Vergessenheit gerät. Das alles macht „Windfire“ leider zum bis dato schlechtesten Roman der Autorin und auch unabhängig davon zu einem höchstens durchschnittlichen Buch, das sich nicht wirklich aus der Masse an Urban Fantasy und Romantasy-Romanen hervorheben kann.

Kaufen?

Hier kommt ihr zu „Windfire“ von Lynn Raven auf der Verlagswebsite.

 

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