Westeros: Die Welt von Eis und Feuer

Westeros die Welt von Eis und Feuer 9783764531362
Wenn ein Autor einen Fantasy-Roman schreibt, dann gibt es meistens so viel mehr über die Welt, in der die Figuren leben, zu erzählen als für die eigentliche Geschichte relevant ist. Anektdoten über längst verstorbene Herrscher und ihr Umfeld, Stammbäume alteingesessener Familien, die Geschichten ihres Aufstiegs, oder kleine Gedankenskizzen über langs verschwundene Völker und ihren Untergang. Manchmal, da kann es sogar interessanter sein, mit solchen Ideen und Aufzeichnungen in die Welt hinter den eigentlichen Helden einzutauchen als nur von den eigentlichen Abenteuern zu lesen. Im Fall von George R.R. Martins „Das Lied von Eis und Feuer“-Reihe, auf der ja auch die nach dem ersten Buch („A Game of Thrones“) benannte Serie basiert, hat der Penhaligon-Verlag seit dem 16. März einen gut dreihundert Seiten dicken Schinken im Programm, der mein Fan-Herz vor Freude laut aufschreien lässt.

Entdeckt habe ich diese Schönheit von einem Buch schon auf der Leipziger Buchmesse, wobei mich schon das erste Durchblättern neugierig gemacht hat. Denn wie der Titel schon sagt, liefern die Autoren damit keine eigene Geschichte, sondern eine umfangreiche Sammlung von Hintergrundinformationen zu der Buchreihe in Form eines aufwändigen Bildbandes. (Deshalb entfällt bei dieser Rezension auch das übliche Rating, denn auch wenn ich von dem Buch begeistert bin, wäre eine Wertung dafür nicht mit denen meiner anderen Rezensionen vergleichbar, schließlich rezensiere ich normalerweise Romane bzw. Hörbücher davon.) Darin enthalten sind sowohl Karten und Beschreibungen von einzelnen Ländern, Regionen und Familien als auch eine ausführliche Auflistung der einzelnen Targaryen-Könige und ihrer Biografien. Typografisch und künstlerisch einfach wunderbar aufbereitet, erwecken Texte und Illustrationen dabei das Westeros der Bücher zum Leben und erzählen die Geschichte und Politik von Martins Welt auf ihre eigene Art. Dabei begegnet man z.T. sehr vertrauten Figuren wie Tywin Lennister und seinen Kindern oder den Starks genauso wie Unmengen an Personen, von denen ich zuvor über nie etwas gehört habe, über deren Leben ich jederzeit gerne noch einmal ein paar Bücher lesen würde.

Gebettet ist das Ganze in eine schwache Illusion von einer Chronik, die laut einer kurzen Widmung zu Beginn Tommen Baratheon geschenkt bekommt, die sich zwar schon allein aufgrund der zweifelsohne digital erstellten Illustrationen diverser Künstler nicht konsequent durch die folgenden dreihundert Seiten hindurch zieht, aber so zumindest irgendwo eine kleine Erklärung für die hypothetische Existenz eines solchen Buchs in Westeros liefert. Gebraucht hätte es die meiner Meinung zwar nicht, aber schön ist sie trotzdem.

Schön sind auch die bereits erwähnten Illustrationen, die in verschiedenen Stilen verschiedener Künstler noch eine visuelle Komponente zu den gegebenen Informationen liefern. Dabei variieren die Motive auf einem sehr breiten Spektrum zwischen Portraits von Herrschern oder Beispieldarstellungen z.B. für die Mode an bestimmten Orten über weite Landschaften und Schlachten bis hin zu berühmte Szenen aus Westeros‘ Geschichte.
Zwar kann sich ein Teil dieser Bilder nicht eines gewissen Kitsch-Faktors erwehren – was vor allem für Portraits von Königen gilt – wenn z.B. weißhaarige Drachenherren aus Valyria mit fast schon unglaubwürdig ebenmäßigen Gesichtszügen in goldenes Licht einer aufgehenden Sonne getaucht werden, aber ein Stück weit ist vieles davon auch einfach genreimmanent bzw. habe ich diese Details eigentlich nicht als störend empfunden.

In jedem Fall ist „Westeros: Die Welt von Eis und Feuer“ ein Buch zum Anfassen, zum Ansehen, zum Durchblättern und zum Verlieben. Oder auch der Beweis, dass nicht alle Bücher auch als ebooks oder Hörbücher funktionieren, denn das große Format und die leicht hervorgehobenen Buchstaben sowie das Drachenwappen auf dem Cover gehören dabei genauso zum „Lesegefühl“ wie das etwas raue Papier.
Bestimmt kein Buch, das man zwangsweise von vorne bis hinten durchliest, aber auf jeden Fall eines, das fasziniert und allein beim bloßen Blättern schon Spaß macht.
Würde ich als Ergänzung bzw. zum Stillen des Hungers nach mehr aus Westeros jederzeit allen Fans von der „Das Lied von Eis und Feuer“-Reihe, aber auch denen der Serie, empfehlen.

„Westeros: Die Welt von Eis und Feuer“ auf der Verlagswebsite. (An dieser Stelle auch noch einmal ein Dankeschön an Random House für das Rezensionsexemplar über das Bloggerportal.)

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