Unanständige Frauen lesen und trinken Kaffee: Hallo, Erotikliteratur!

Estelle, die Besitzerin eines kleinen Cafés in einem verschlafenen britischen Vorort hat Geldprobleme: Zu wenig Kunden, zu geringe Einnahmen. Als der Buchladen gegenüber zu macht, ändert sie kurzerhand ihren Kurs ein wenig und gründet, um neue Kunden anzulocken, einen Buchclub, der sich alle zwei Wochen in ihrem Café treffen soll. Was ganz harmlos mit „Tess von den d’Urbervilles“ anfängt, wechselt allerdings sehr schnell zu dem gerade kontrovers diskutierten Erotikroman „Zehn sündige Lektionen“ und danach zu den großen und kleinen Klassikern der Erotikliteratur. Und während die der kleine, schüchterne Buchclub immer mehr solcher „unanständiger“ Bücher liest, kristallisiert sich nach und nach eine Erkenntnis heraus: Nicht nur Bücher können aufregend sein.

Bei diesem Buch hat mich vor allem der Titel neugierig gemacht. Er versprach Witz, Humor und eine locker-leichte Art, die mich gleich gereizt hat.
Und im Grunde hält „Unanständige Frauen lesen und trinken Kaffee“ auch genau das, was es verspricht: Eine etwas seichte, aber humorvolle und lockere Story mit einem bunten Sammelsurium aus Charakteren, mit denen man sich sehr schnell sehr leicht anfreundet, gerade auch weil für so ziemlich jeden etwas dabei sein dürfte.
Da wäre die allein erziehende Estelle, die zu ihren Geldsorgen auch noch mit den Problemen ihres halbwüchsigen Sohnes zu kämpfen hat, die frisch pensionierte Sue, die von ihrem sehr gemütlichen Mann genervt und frustriert ist, Rebecca, die nach dem ersten Jahr Ehe Angst hat, in einen öden Alltag mit ihrem Mann abzudriften, Gracie, eine etwas schrille junge Frau, der die Männer angeblich wegen ihrer Liebe zu feministischer Literatur regelmäßig davon laufen, und zuletzt noch Reggie, der Hahn im Korb, der ja auch eigentlich nur zu Recherchezwecken für seine Doktorarbeit zum Buchclub kommt und sich eigentlich bei den Büchern, die die Truppe liest, dauerhaft unwohl fühlt.
Kurz: Dieser recht geschickt gewählte Querschnitt aus Personentypen ist einer der schönen Reize, die dieses Buch hat. Vor allem in Kombination mit dem schon erwähnten Humor und der leichten Erzählweise.

Zugleich ist das aber auch das Problem, das die Geschichte hat: Ihr gelingt der Sprung von der Skizze zum runden Buch nicht. Oder zumindest nicht vollkommen.
Denn so süß vielleicht auch der Wandel der Figuren mit den Büchern bzw. dem Reden darüber im Buchclub auch sein mag: Durch die so trivial leichte Erzählweise, ist so ziemlich keine der Beziehungen ernsthaft glaubwürdig. Da gibt es zu oft zu viele Zufälle und 180°-Drehungen, dass man das Gefühl hat, sich keiner echten Geschichte oder einer Metageschichte über Geschichten zu widmen, sondern einem Märchen wie Sue die z.T. überzogenen erotischen Bücher, die die Gruppe liest, relativ zu Beginn nennt.
Was beginnt mit einem sehr schönen Einfangen einer tatsächlichen Diskussion um erotische Romane durch „Zehn sündige Lektionen“ innerhalb des Buchs, was sich ja wiederum sehr einfach auf die reale Diskussion um „Fifty Shades of Grey“ schon allein über die Namen Alexander Black – Christian Grey übertragen lässt, endet in einer relativ gewollten und sehr durchschaubaren Handlung, die unterm Strich eigentlich nichts anderes als die Botschaft vermittelt, dass Frauen ja doch nur mit „ganzen“ Männern glücklich werden könnten.

Das kann störend sein – mich zum Beispiel hat es tatsächlich genervt – der sehr angenehm leichte Stil des Buchs bleibt allerdings erhalten. Ein Buch für die Badewanne, für gemütliche Abende auf dem Sofa ist „Unanständige Frauen lesen und trinken Kaffee“ allemal, aber mehr als ein netter, lockerer Einschub ist es auch wieder nicht.

Infos zum Buch:
Autorin: Sophie Hart
Verlag: Piper
Umfang: c.a. 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 8. Dezember 2014

ISBN: 978-3-492-30521-1
Preis: 9,99€ [D]

Kaufen?

Hier kommt ihr zu „Unanständige Frauen lesen und trinken Kaffee“ auf der Verlagswebsite.
(An dieser Stelle auch noch einmal ein Dankeschön an den Piper-Verlag für das Rezensionsexemplar.)

Raiting: [7/10]

Kommentar verfassen