The Wicked + The Divine 1: „Within two years you will be dead.“

The Wicked + The Divine 1
Alle neunzig Jahre werden zwölf Götter wiedergeboren, die die Menschen gleichermaßen inspirieren und irritieren. Sie werden geliebt und gehasst, aber egal, was passiert: Innerhalb von zwei Jahren nach der Entdeckung ihrer göttlichen Natur sind sie alle tot. In diese Welt stolpert der Teenager Laura Hals über Kopf, als sie bei einem Konzert, niemandem geringeren als Lucifer, genannt „Luci“ begegnet und von ihr in den Strom aus Geheimnissen gezogen wird, der die Götter umgibt. Ohne zu ahnen, worauf sie sich da eigentlich eingelassen hat, gerät sie immer tiefer in eine Intrige, von der selbst ihre Idole noch nichts ahnen.

Ich hatte „The Wicked + The Divine“ eine kleine Ewigkeit auf meiner Wunschliste bevor ich in einem Anfall, meine fast vergessene Liebe zu Comics und Graphic Novels nochmal wiederbeleben zu wollen, es mir doch noch vorgenommen habe. Ich mochte die Idee, ein Set an geheimnisvollen Göttern mit einer dementsprechenden ganz eigenen Art von Mythologie in eine moderne Welt zu versetzen von Anfang an, genauso wie den Zeichenstil, aber ich hatte keine Ahnung, wie schnell ich den Figuren verfallen würde.

Passend zum Titel des ersten Bandes – „The Faust Act“ – dreht sich die Handlung dieses Teils neben der Protagonistin Laura, die aber eigentlich mehr als Entsprechung des Lesers innerhalb der Geschichte fungiert und selbst vor lauter Staunen und Neugier auf die Götter und ihre Welt fürs erste charakterlich noch recht blass bleibt, vor allem um eine Figur: Luci oder viel mehr Lucifer. Eine dürre blonde Frau mit losem Mundwerk und einem Sinn für Provokationen. Wobei der Name Lucifer eigentlich eine zu eindimensionale Konnotation zu ihr hervor ruft, denn im Grunde ist Luci einfach eine Art Trickstergott, jemand, der immer einen Plan im Hinterkopf hat und sich nicht von Moral in seiner eigenen Macht dämmen lässt. Diese Macht ist es, was ihre Versprechungen so verführerisch und gleichzeitig ohne Frage gefährlich wirken lässt, was eine schöne Mischung ergibt, die sich nicht nur wie ein roter Faden durch den Comic zieht, sondern auch sehr schön Spannung aufbaut. Luci ist schwer einzuschätzen, aber trotzdem oder genau deswegen weckt sie Neugier bei Laura wie beim Leser.

Laura begibt sich deswegen auf eine Suche nach Antworten auf ein Verbrechen und eine damit verbundene Intrige, ohne zu wissen, wo sie das eigentlich hin führt. Und das ist das nächste, was mir an „The Wicked + The Divine“ gefällt: Es dauert nicht lang und schon ist mit Andeutungen und angerissenen Geheimnissen eine Welt aufgebaut worden, die schon groß und komplex wirkt bevor ich überhaupt wirklich etwas über sie erfahren habe. So groß, dass ich mit jeder Seite nur noch mehr erfahren will, was denn nun hinter dem großen Geheimnis steckt, das ohne Frage in der Luft hängt, ich aber – wie Laura – noch nicht richtig fassen oder verstehen kann.

Der Plot einer Reinkarnation von Göttern oder ausgerechnet zwölf Götter zu wählen, das ist alles nichts Neues, aber eigentlich bekannte Motive und Ideen werden gleichzeitig immer wieder sehr klug aufgegriffen und neu interpretiert. Lucifer tritt ganz in Faust-Tradition als eine die Menschen verführende Figur auf, aber sie ist gleichzeitig weiblich, trägt außerdem einen ausgerechnet weißen Anzug und steht nicht für das Böse, sondern ist mehr eine listenreiche Göttin und eine Art charismatische Antiheldin, die dazu einlädt, andere zu faszinieren. Ganz davon zu schweigen, dass die Götter sich von religiösen Symbolen zu Stars der Popkultur gemausert haben, ihre Anhänger jetzt Fans sind und Ketzer ist, wer glaubt, dass diese Stars nur größenwahnsinnige Menschen sind.

Der schöne Zeichenstil rundet das alles noch ab: Die Optik aller Götter z.B. ist immer etwas exzentrisch, aber gleichzeitig wunderschön, wodurch so oft das Konzept der Faszination auf einer weiteren Ebene aufgeht. Abgesehen davon beherrschen die Autoren schlicht gutes Storytelling. Wiederkehrende Motive, oft energiegeladene Szenen, die den gesamten Plot unterstreichen und weiter modellieren, das alles funktioniert so rundum wunderbar, dass ich das Heft kaum aus der Hand legen konnte. Einfach ein in jeder Hinsicht rundes und gelungenes Graphic Novel.

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Über uns Geekgeflüster

Ich bin Aurelia und blogge seit 2012 über Gaming, Bücher, Filme, Serien und mehr. Kurz: Das hier ist mein Geekgeflüster.

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