Geekgeflüster Dezember ’15: Jahresedition… Na ja, jedenfalls irgendwie

Monatsrückblick Geekgeflüster
Wieder ist ein Monat rum und dieses Mal damit verbunden auch ein ganzes Jahr. Das bedeutet, dass ich neben meinem üblichen Geekgeflüster eine Art exklusive „2015-Edition“ davon vorbereitet habe. Denn auch wenn ich selber ein totaler Silvester-Muffel bin und die allgemeine Nostalgie zum Jahresende eher selten verstehen kann: Ein kleiner Jahresrückblick muss doch sein 😉

Bloggerwelt

Auch wenn „Jessica Jones“ jetzt schon (für Internetverhältnisse) eine Weile online ist, scheinen die Wellen, die diese Serie geschlagen hat, einfach noch nicht ganz verebbt zu sein. Bei „The Mary Sue“ sind mir im Dezember gleich drei ganz interessante Artikel dazu untergekommen. Einer davon („So You Married a Supervillain: Watching Jessica Jones as a Trauma Survivor“ von Kia Groom) beschäftigt sich mit der Verarbeitung des Themas von Vergewaltigungen innerhalb von Beziehungen etc. innerhalb der Serie, der zweite ist „Yes, There Is A Kilgrave Fandom — And Here’s Why I’m Not Condemning It“ von Maddy Myers, die sich mit dem nicht ganz unproblematischen Phänomen des Fandoms, das sich um den „Jessica Jones“-Villain Kilgrave zu formieren begonnen hat, obwohl dieser Villain seinem Antagonisten-Titel alle Ehre macht, indem er vergewaltigt, mordet und seine eigene Beteiligung an diesen Verbrechen nicht sehen will, und der dritte Artikel setzt sich nach dem feministischen Freudenschrei als Reaktion auf die Serie damit auseinander, ob „Jessica Jones“ nicht vielleicht doch sexistisch, nur gegenüber Männern ist. Ebenfalls mit Antagonisten, wenn auch auf einer deutlich allgemeineren Ebene, hat sich Sonea im Schreibmeer beschäftigt: „Faszination Antagonist“ und warum ist das „Böse“ eigentlich so spannend?

Komplett aus einem anderen Bereich kommt dagegen diese Leseempfehlung meinerseits: Gerade Games, aber auch Filme, stehen gerne mal in der Kritik, zu viel Gewalt darzustellen oder diese Gewalt zu verherrlichen. Keith Stuart hat sich dieses Problem im Bezug auf die Games mal vorgenommen und über ludonarrative Disszonanz, Gewaltverherrlichung und eine mögliche Lösung dazu geschrieben. In dem Artikel finden sich dabei ein paar sehr kluge Punkte, klickt euch mal rein, wenn euch das Thema interessiert.

Ebenfalls mit einem Problem aus dem Bereich der Nerd-/Geekculture beschäftigt sich der Post „Nerd Culture Is Not a Contest“ von Eris Walsh. Darin räumt sie mit gewissen albernen Legitimierungen auf, die gerade im Bezug auf Frauen immer noch gerne mal vorkommen uns stellt klar: Es ist egal, wer du bist oder woher du kommst, hab einfach nur Spaß am Nerdsein.

Faszinierend fand ich außerdem den Post „What A ‚Racebent‘ Hermione Granger Really Represents“ von Alanna Bennet, in dem die Autorin sich aus der Position eines schwarzen, weiblichen Geeks heraus zu dem Casting einer schwarzen Schauspielerin für Hermine in der Bühnenfortsetzung von „Harry Potter“ äußert. Faszinierend deswegen, weil sie eine ganz andere Ausgangsituation für die Identifikation mit Hermine beschreibt als z.B. ich sie immer hatte. Ich finde zwar selbst, dass die Hautfarbe (passender Weise auch entsprechend der fehlenden Beschreibung derselben in den Büchern) bei Hermine weniger eine Rolle spielt bzw. spielen sollte, weil sie immer eine der Figuren war, die deswegen so wundervoll waren, weil sie sich ganz stark über ihr Inneres definiert haben (auch wenn ich sie mir selbst eben möglichst nah an mir selbst orientiert weiß vorgestellt habe), aber diese Perspektive zu lesen fand ich sehr interessant. Klickt euch mal rein.

Weg vom Nerddasein und dafür mehr in den Bloggerbereich, geht es hier mit diesem Post von Sarah von Sarahsuperwoman: „Bequemes Denken macht blindwütig“, worin sie u.a. das unter Bloggern (verständlicher Weise) sehr heikle Thema des Reziklaus streift und insgesamt ein paar interessante Gedanken veröffentlicht hat. Außerdem hat sie gerade noch einen supersüßen Last-Minute-Kalender für 2016 zum Ausdrucken online gestellt, den ich total toll finde.

Ebenfalls um etwas aus der Bloggerwelt ging es in einem Video aus meinem Lieblingsformat auf Tasmin von Tasmetus Youtube-Kanal. Inspiriert von meinem Blogpost über Privatsphäre im Netz hat sie ein Video zu diesem Thema gedreht und außerdem (jetzt unabhängig von dem Privatsphäre-Thema und nur ebenfalls aus der Teatime-Reihe) eines über Rezensionsexemplare und die damit verbundene Verantwortung und eines über Psychische Krankheiten in Romanen veröffentlicht. Geht da mal eine Runde stöbern, ich jedenfalls bin komplett vernarrt in dieses Teatime-Format.

Und last but not least möchte ich noch mit euch bzw. den Bloggern unter euch ein schönes Tutorial von Steffi von Fieberherz teilen, in dem sie einen Leitfaden zur Bloggestaltung (sowohl auf der pragmatischen als auch auf der gestalterischen Seite) gibt und das ich (im Gegensatz zu vielen ähnlichen Tutorials mit 08/15-Ratschlägen) wirklich gut fand.

Meine Jahresfavoriten 2015

2015 hat sich auf meinem Blog einiges getan: Neuer Name, neue (eigene) Domain und eine deutlichere Spezialisierung auf die Geekthemen, die mir so viel Spaß machen. Da dürfen selbstverständlich auch meine Jahresfavoriten aus den drei Kernbereichen von „Geekgeflüster“ nicht fehlen, also hier sind sie: Meine Highlights aus den Bereichen Gaming, Büchern und Film/TV. (Dabei geht es mir übrigens nicht zwingend um die Titel, die dieses Jahr erschienen sind, sondern die ich dieses Jahr gelesen/gesehen/gespielt habe.)

Gaming

Ganz klar mein gespielter Favorit dieses Jahr ist keiner der großen Titel, die 2015 erschienen sind, kein Witcher, kein AC Syndicate, nicht einmal AC Black Flag, das ich mir auch erst dieses Jahr vorgenommen habe, sondern „This War of Mine“, ein Indie-Titel, der damit besticht, dass er so düster ist, dass er mich schon wieder fasziniert. Ein Spiel, das Krieg auf eine andere Art und Weise als die meisten anderen verarbeitet und dabei einiges richtig gemacht hat.

Bücher

Mein Lieblingsbuch aus 2015 zu nennen, ist (anders als die Sache mit dem Lieblingsspiel) schon wieder schwieriger: Zuletzt konnte ich „Der Circle“ von Dave Eggers nicht mehr aus der Hand legen, das dadurch brilliert, dass es so gefährlich nah an dem Status quo ist, dass es in mir als Leserin Unbehagen weckt, aber genauso wenig konnte ich aufhören, Detlef Bierstedt dabei zuzuhören, wie er Anthony Ryans „Das Lied des Blutes“ vorliest, das die Lebensgeschichte eines zum Tode verurteilten Kriegers erzählt. Und genauso toll fand ich auch „Westeros: Die Welt von Eis und Feuer“, in dem mit wunderschönen Illustrationen und Hintergrundgeschichten die Welt aus „Game of Thrones“ bzw. viel mehr der Buchvorlage von George R.R. Martin zum Leben erweckt wird. Müsste ich mich entscheiden, würde wahrscheinlich der „Circle“ das Rennen machen, aber schon ein Blick in eines der anderen beiden könnte diese Entscheidung umkippen, also muss ich wohl diese Kategorie dreiteilen. 😉

Film & TV

Nachdem ich 2015 weniger im Kino war und wenn dann meistens (wie ich fand) eher mittelmäßige Streifen wie den neuen „Avengers“ oder den absolut fürchterlichen „Alles steht Kopf“ gesehen habe, ist in der Hinsicht bei meinem filmischen 2015 nicht viel zu holen. Ich mochte „Mara und der Feuerbringer“ sehr, einfach weil das ein Film war, der sehr viel Genreliebe zum Fantasy versprüht hat, und auch die Agentenparodie „Kingsman“, die sehr schräg James Bond etc. auf den Arm genommen hat, aber das war’s auch schon. Mein Serienhighlight dagegen ist sehr viel einfacher zu bestimmen: „Jessica Jones“, eine Serie, die unter dem Deckmantel einer Superheldenstory ein paar sehr heiße Eisen angefasst hat und in der David Tennant als Kilgrave mal wieder umwerfend ist.

Jahreswechsel und so: Ihr wisst, wie das läuft

Wie erwähnt, genau genommen mag ich Silvester, Jahresrückblicke und diese albernen Nostalgie-Anfälle nicht leiden. Ich nehme mir übrigens auch so gut wie nie etwas fürs neue Jahr vor. Wenn ich einen Jahreswechsel brauche, um meinen Hintern hochzubekommen, etwas an meinem Leben zu ändern, dann wird’s ohnehin nichts.
Deshalb bekommt ihr von mir an dieser Stelle auch nicht irgendetwas vorgeschnulzt, sondern einfach nur ein schönes, neues Jahr gewünscht. Bleibt seltsam, nerdy, geeky oder wie auch immer. 😉

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2 Kommentare

  1. Steffi von fieberherz.de

    Danke für diesen Rückblick! Ich glaube, ich habe noch nie so viele Seiten zum Lesen aus einem Artikel mit Empfehlungen markiert :O Und wieder freue ich mich ungemein über deine Weiterempfehlung eines Blogartikels von mir, hach ♥

    Ich mag die Überstrapazierung formelhafter Wünsche nicht so sehr, daher wandele ich den Standard etwas ab: Behalte bitte auch nächstes Jahr den Mut,
    neugierig zu bleiben, Schönes zu teilen und auch mal guten Gewissens zu eskalieren ♥

    • Aw, du ahnst gar nicht, wie sehr es mich immer freut, zu lesen, wenn meine Geekgeflüster gut ankommen. (Zumal ich immer das Gefühl habe, mit meinen Leseempfehlungseskalationen diese Kategorie auch ein wenig zu strapazieren^^ xD)

      Und danke, wünsche ich dir natürlich auch ♥

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