Mara und der Feuerbringer: Lindwürmer, Halbgötter und Ragnarök.

Deutsches Fantasy? Das gibt es? Und dann auch noch in gut? Die Antwort ist ein laut schreiendes Ja. Denn genau das beweist derzeit das Fantasy-Abenteuer von Tommy Krappweis, den man ansonsten vor allem für Bernd das Brot kennt, auf genauso eindrucksvolle wie liebevolle Weise. Mit viel Inhalt, tollen Figuren und einer gesunden Portion Witz. Ach ja, und dem drohenden Weltuntergang selbstverständlich auch.

Die 15-Jährige Mara (Lilian Prent) ist eigentlich halbwegs normal. Gut, sie ist ein Scheidungskind und ihre Mutter (Esther Schweins) auf einem unglaublichen Esoterik-Trip, aber wer hat nicht Probleme dieser Art? Wären da nicht diese Visionen, die sie seit ein paar Jahren immer wieder hat und einfach nicht los wird. Das ist natürlich auch ein gefundenes Fressen für die eingebildete Zicken-Clique rund um Larissa (Leonie Tepe), die Mara unter anderem deswegen das Leben schwer machen.

Doch dann passiert das Unglaubliche: Durch einen sprechenden Zweig ruft der Halbgott Loki (Christoph Maria Herbst) das Mädchen zu sich, damit sie ihm seine Frau Sigyn (Eva Habermann) zurück bringt, nachdem die von mysteriösen Flammen gekidnappt wurde. Denn Loki ist seit 2000 Jahren für den Mord an seinem Bruder an einen Felsen gefesselt und muss unendliche Qualen erleiden, die nur mit der Hilfe der Magie seiner Frau Sigyn so weit gelindert werden können, dass er sich nicht los reist und so das Ende der Welt herauf beschwört. Mehr unfreiwillig als gewollt zieht Mara also gemeinsam mit Professor Weissinger (Jan Josef Liefers), einem Experten für nordische Mythologie, los, um den Feuerbringer Loge zu besiegen, Sigyn zu befreien und Ragnarök zu verhindern. Und lernt so ganz nebenbei, was es denn nun heißt, ein „echter wahrer Held“ zu sein.

Mara und der Feuerbringer Loki

Im Grunde ist alles eine große Liebesgeschichte: Nur weil Sigyn (Eva Habermann) seit 2000 Jahren aus Liebe zu ihrem Mann Loki (Christoph Maria Herbst) mit ihm in seinem Gefängnis ausharrt und das Gift der Schlange über ihm auffängt, ist der Halbgott bisher zu bändigen gewesen. [Bildquelle: maraundderfeuerbringer.com]

Genau genommen weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll, meine Begeisterung für diesen Film auszudrücken. Ich bin in der Erwartung eines halbwegs guten Abenteuerfilm für Jugendliche ins Kino gegangen und bin eindeutig positiv überrascht wieder hinaus gegangen. Mit „Mara“ wurde so ziemlich alles richtig gemacht: Tolle Figuren, ein interessantes Setting und eine ebenso schöne Geschichte.

Das beginnt schon bei der Figur der Mara selbst: Denn Mara ist tatsächlich ein ganz normales Mädchen, das genau so reagiert wie es logisch ist. Sie will diese Visionen eigentlich gar nicht und hält auch herzlich wenig davon, Lokis Werkzeug zu sein. Ja, im Grunde wäre es ihr eigentlich ganz recht, wenn die Götter ihren Scheiß doch alleine hinkriegen könnten und sie in Ruhe lassen würden.
An ihrer Seite ist auch kein allwissender Zauberer oder heldenhafter Typ, der ihr die Arbeit abnimmt, sondern eben „nur“ der zwar kluge, aber zum Kämpfen eigentlich etwas zu theoretisch denkende Professor Weissinger, der sich vor Begeisterung kaum halten kann, dass der Gegenstand seiner Forschung plötzlich real ist. Insgesamt ein bisschen vertrottelt hält der dann ewige Monologe über die Sagengestalten, die den beiden begegnen.

Dagegen unglaublich nervig sind die viel zu überzogenen Zicken aus Maras Schule, die als die ultimativen Rowdies fungieren und dabei so überzeichnet sind, dass sie aus der sonst sehr stimmigen Figurenkonstellation komplett raus fallen und mehr an einen schlechten High School-Film als an realistische Schülerinnen erinnern. (Oder anders formuliert: Haben die denn alle keine Eltern, die diese Gören erziehen?) Zwar an sich sehr witzig, aber dann doch etwas zu dünn ist mir auch der Feuerbringer Loge selbst gewesen, den es – wie von Weissinger betont – in der nordischen Mythologie gar nicht gibt, sondern eine Erfindung für Wagners Ring des Nibelungen ist, die lose auf der Figur des Loki basiert. Warum aber existiert Loge eigentlich, wenn er doch eine Erfindung Wagners ist? Was hat es mit dem Chorgesang, der ihn begleitet, auf sich? Und warum entführt er Sigyn?

Fragen über Fragen, die der Film nicht beantwortet und die bisher auch eher ausgespart und ignoriert als bewusst zum Spannungsaufbau im Dunkeln – Schließlich ist „Mara und der Feuerbringer“ bei der Buchvorlage von Tommy Krappweis selber genau genommen nur der Auftakt der Triloge – belassen wirken.

Mara und der Feuerbringer

Die beiden Figuren, die mich ganz eindeutig überzeugt haben: Mara (Lilian Prent) und Professor Weissinger (Jan Josef Liefers) [Bildquelle: maraundderfeuerbringer.com]

Abgesehen von Loge wird allerdings ansonsten wieder sehr charmant wird mit dem Genre „Fantasy“ und der Mythologie rund um Loki & Co. umgegangen. Die Klischees bewusst nutzend und dann gekonnt und witzig überspielend verfällt „Mara“ nie dem Altbekannten und Langweiligen. Der Drache, den Siegfried (Alex Simon) erschlägt, ist keine typische Feuer spuckende Echse wie Smaug oder Dracarys, sondern eine Amphibie. Ein Wasserdrache, der übrigens genauso wenig wie Siegfried Mara die Heldenrolle abnimmt. Solche schönen Abweichungen vom Mainstream machen dabei einem Fantasy-Fan wie mir genauso viel Spaß wie die kleinen Details, die man verstehen kann, aber nicht muss.

Kurze Bemerkungen wie Maras Frage, als sie zum ersten Mal im Reich des Feuerbringers landet, ob sie denn jetzt in Mordor sei, oder der Umstand, dass Loge später in bester Wagner-Manier in Stabreimen spricht. Oder auch nur die Tatsache, dass Billy Boyd (wohl am besten als Pippin in den Herr der Ringe-Filmen bekannt) einen kleinen Gastauftritt hat.
Schade ist nur, dass man Lilian Prent, die zwar grundsätzlich eine gute Heldin abgibt, das 15-Jährige Mädchen nicht immer abnimmt. Weniger aufgrund ihrer schauspielerischen Leistung, sondern viel mehr aufgrund ihres tatsächlichen Alters (18), das sie manchmal ein bisschen zu erwachsen wirken lässt.

Mara und der Feuerbringer Held

Auch angenehm: Siegfried (Alex Simon) ist zwar ein Held, aber weder der Held, der Mara die Arbeit abnimmt, noch der Typ, in den sie sich unsterblich verlieben muss. [Bildquelle: maraundderfeuerbringer.com]

Und trotzdem: Unterm Strich bin ich absolut begeistert. Denn auch wenn „Mara und der Feuerbringer“ sich ganz klar noch immer im Rahmen seiner Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bewegt und dementsprechend selbstverständlich nicht mit großen Schlachten oder blutigen Kämpfen aufwartet, beweisen die Macher doch eindrucksvoll, dass gutes Fantasy sehr wohl aus Deutschland kommen kann ohne auf eine etwas verkrampfte Nachahmung amerikanischer Vorbilder setzen zu müssen. In sich geschlossen sauber, mit einer tollen Botschaft, die auch die neue Version des Songs „Ein echter wahrer Held“ gut transportiert, und mit einer guten Geschichte, die kleinere Defizite bei den Effekten verblassen lässt. Ein Film für die ganze Familie, den ich Fantasy-Fans jederzeit empfehlen würde. Oder Eltern, die ihre Kinder zu Fantasy-Fans machen wollen. 😉

Kommentar verfassen