Mädels und zocken – Hell, yeah!

 
Dieser Post ist ein Beitrag zur Blogparade „Mädchen und zocken – geht das überhaupt?“ von Dennis von Shukon. Es handelt sich dabei um meine eigene und ganz persönliche Wahrnehmung und Erfahrung, die absolut nicht repräsentativ ist. Deal with it.

Im Laufe der letzten Jahre seit ich das erste Mal ein Computerspiel in den Händen gehalten habe sind mir einige witzige, aber auch einige frustrierende Dinge im Zusammenhang mit diesem Hobby passiert. Von der Bezeichnung „Mädchen“ als Beleidigung bei einem Onlinespiel, weil ich bei meinen ersten Versuchen kläglich versagt habe und eben zufällig sowohl eine weibliche Figur gespielt habe als auch einen wohl etwas zu weiblich wirkenden Username hatte, über irritierte Blicke, als ich eine Diskussion mit einem (übrigens sehr netten) Angestellten eines Elektronikgeschäfts geführt habe, weil das letzte Exemplar von Assassins Creed II eine komplett zerbeulte Hülle hatte und ich gerne einen Blick auf die CD werfen wollte bevor ich das Spiel gekauft habe, bis hin zum Augenrollen des Großteils aller Anwesenden, wenn ein Kumpel meiner Schwester mit einer Skyrim-Anspielung um die Ecke kommt („Früher war ich auch ein Abenteurer, aber dann habe ich einen Pfeil ins Knie bekommen.“) und ich die einzige bin, die deswegen lacht. (Wobei man auch dazu sagen muss, dass ich Skyrim auch absolut geliebt habe bzw. es noch immer tue.)
Die Frage, ob Mädels und zocken überhaupt passt, habe ich mir dabei nie gestellt. Warum auch? Ich (und sehr viele andere auch) sind schließlich der Beweis, dass Gaming eindeutig keine reine Männerdomäne ist und sich der weibliche Part der SpielerInnen nicht nur auf die üblichen Minispiele fürs Smartphone beschränkt. Macht ja auch komplett Sinn. Viele Spiele präsentieren ihren Konsumenten ganz eigene, neue Welten. Warum sollte also jemand, der Fiktion in Form von Büchern oder Filmen liebt, nicht auch Gefallen an Games finden? Unabhängig vom Geschlecht. Und ganz ehrlich: Es ist scheißegal, wie gut oder schlecht irgendwer in einem Spiel ist solange er Spaß daran hat.

Trotzdem habe ich es immer wieder erlebt, dass Freunde und Bekannte irgendwie davon überrascht waren, als sie erfahren haben, dass ich gerne Games, noch dazu nicht nur das digitale Puppenhaus Sims, spiele. Diese Situationen waren selten wirklich unangenehm, manchmal ein bisschen nervig, aber immer wieder auch ganz witzig. Im Grunde versuche ich sowieso die überraschten Blicke oder die irritierten Fragen à la „Du hast xyz gespielt?“ mit Humor zu nehmen, antworte auf die besonders dämlichen Bemerkungen auch gerne mit einem sarkastischen Spruch und versuche mich von diesen stereotypen Annahmen nicht aus der Fassung bringen zu lassen. Das liegt zum einen daran, dass mir meine eigenen Nerven zu schade sind, um mich über jede Kleinigkeit dieser Art aufzuregen, und zum anderen auch daran, dass ich neben ein paar (im Verhältnis wenigen) negativen Erfahrungen auch einige gute in diesem Bereich gemacht habe.

Der einzige Punkt, der mich absolut rasend macht, sind Online Games. Wenn ich im Chat z.B. lese, ich sei ein „Girl“ oder Sprüche wie „You fight like a girl!“ an den Kopf geworfen bekomme, kommt mir die Galle hoch. (Denn guess what? Ich bin weiblich, natürlich kämpfe ich wie ein Mädchen! Wie denn sonst? Wie ein Elefant?!) Wenn mein Geschlecht als Beleidigung dienen soll, weil ich angeblich als Spielerin weniger wert bin, oder wenn eine weibliche Figur bzw. ein weiblich klingender Nickname gefühlt schneller diese und andere Beleidigungen provozieren als der männliche Gegenpart.
Wie immer wenn die Anonymität im Netz zu groß wird, pöbelt ein guter Teil derer, die sich niemals trauen würden, mir auch nur irgendetwas davon im realen Leben ins Gesicht zu sagen, munter vor sich hin.
Klar, oft kann man die auch blocken, aber das geschieht erst dann, wenn der Angriff bereits erfolgt ist, und das sind mir meine Nerven wie bereits erwähnt nicht wert. Ich bin eher introvertiert, mein grundsätzlicher Wahlspruch ist für gewöhnlich „Leben und leben lassen“ und online bin ich selten einfach so auf Streit aus, da habe ich keine Lust, jedem Vollidioten, der meint, ein bisschen Gepöbel ist ja nicht so schlimm, etwas zu erwidern und dem so den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wenn ich spiele, will ich mich entspannen, will Spaß haben und je nach Game auch vielleicht mein strategisches Denken herausfordern. Eine Umgebung, bei der ich potenziell das Gefühl habe, dass ich für mein Geschlecht blöde Sprüche ernte, ist keine, in der das einwandfrei möglich ist.
Ich weiß, dass ich da vielleicht empfindlich bin und dass im besten Fall die Typen zu solchen Sprüchen Einzelfälle sind, aber darauf habe ich bei einem Hobby einfach keine Lust. (Vor einer Weile (leider habe ich vergessen, wo genau das war, wenn ich den Artikel wiederfinde, verlinke ich ihn hier noch einmal) habe ich in einem ähnlichen Zusammenhang einen eigentlich ganz guten Vergleich gelesen: Stellt euch vor, ihr habt zehn M&Ms in der Hand. Eins ist vergiftet, der Rest ist vollkommen okay. Jetzt schmeißt euch alle in den Rachen, die neun Guten werden euch nichts tun, das eine Vergiftete euch aber trotzdem wohl mindestens den Magen verstimmen.) Deswegen spiele ich inzwischen kaum noch etwas online und wenn dann möglichst gemeinsam mit Freunden oder Bekannten, die ich wirklich kenne.
 Einmal ganz davon abgesehen, dass das Getue, dass ich als Mädchen automatisch in einem Spiel schlechter sein müsste als ein Typ, natürlich Bullshit ist. Wie beim Sport oder jedem anderen Hobby zählt auch hier die Übung und wie sehr einer individuellen Person diese Aktivität liegt. Ende.

Machen wir uns also nichts vor: Mädels und zocken passt wunderbar, so wie Mädels und Fußball, Mädels und Makeup, Mädels und Bücher oder Mädels und was auch immer wir tun wollen. Da kann mir längst niemand mehr etwas anderes erzählen und im realen Leben ist es mir auch bisher so gut wie nie passiert, dass sich jemand aufgrund meines Geschlechts wirklich darüber gewundert hätte, dass ich ewas für Videospiele übrig habe. (Nur einmal hat mich jemand eher für einen reinen Bücherwurm gehalten, aber das ist eine andere Geschichte ;))

Über uns Geekgeflüster

Ich bin Aurelia und blogge seit 2012 über Gaming, Bücher, Filme, Serien und mehr. Kurz: Das hier ist mein Geekgeflüster.

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