Eine Liebeserklärung an Hörbücher

Liebeserklärung an Hörbücher
(Bezahlter Post) Ein verregneter Sonntag im Herbst, ich sitze auf meinem Bett, eine Tasse Kakao in der Hand und Kopfhörer auf. Mit geschlossenen Augen habe ich mich zurückgelehnt und genieße einfach nur den ruhigen Klang der Stimme in meinen Ohren. Dieses Mal höre ich „Der Herr des Turmes“, den zweiten Teil der „Rabenschatten“-Trilogie von Anthony Ryan, und lasse mich in das Leben Vaelin al Sornas entführen.

Ich habe eigentlich immer ein Buch, das ich im Augenblick höre anstatt zu lesen. Egal ob im Bus, beim Abwasch oder am Kopierer in der Bibliothek, irgendetwas höre ich immer und gerade beim Scannen habe ich am liebsten eine Geschichte auf den Ohren. Ich liebe das, wenn melodische Stimmen mich in fremde Welten entführen und Figuren so zum Leben erwecken wie es nur das Buch allein manchmal nicht kann. „Cassia & Ky“ z.B. habe ich als Hörbuch gehört und auch wenn ich das Buch selbst grauenhaft fand, kam das Kindliche, das die Protagonistin hat, Dank der Stimme von Josephine Preuß so schön zum Ausdruck, dass ich die Geschichte doch nicht abgebrochen habe, wie es garantiert bei der normalen Buchversion gewesen wäre.

Überhaupt sind Hörbücher immer wieder für mich ein komplett anderes Erlebnis als ein gedrucktes Buch. Ich höre oft komplett andere Bücher als ich sie lese und erst recht habe ich einen komplett eigenen Bezug zu manchen Geschichten, die ich gehört anstatt gelesen habe. Ich hasse es zum Beispiel, Krimis zu lesen, liebe aber die Romane von Agatha Christie. Das liegt zum einen an den wundervollen Miss Marple-Verfilmungen mit Margaret Rutherford bzw. den Hercule Poirot-Filmen mit Peter Ustinov – wenn ihr weder das eine noch das andere kennt: Schande über euch und holt das nach! – und zum anderen ist diese Liebe der großen Auswahl an Miss Marple-Hörbüchern der Bücherei in meinem Heimatort geschuldet. Ich weiß nicht, wie oft ich „16.50 ab Paddington“ oder „Mord im Orientexpress“ gehört habe, ohne mich weder bei dem einen noch dem anderen je durch die gedruckte Ausgabe gekämpft zu haben.

Ein klein wenig ist das bei mir schlicht Nostalgie. Alberne, unnötige Nostalgie, weil ich es schon immer geliebt habe, vorgelesen zu bekommen und Hörspiele zu hören und das für mich so ein bisschen ein Vorlese-Ersatz ist. Weil ich bis heute Bücher wie „Krabat“ und „Ich, Coriander“ nicht vergessen und im Regal stehen habe, obwohl ich noch nicht einmal richtig lesen konnte, als ich sie in mich aufgesogen habe. Von ersterem habe ich sogar die Ausgabe, die eigentlich meinem Vater gehört hat, einfach stillschweigend gekapert, als er mir daraus zu Ende vorgelesen hatte.
Nostalgie ist das auch, weil mit der Vorleserei, Hörspielen und Hörbüchern meine Liebe zu Geschichten begonnen hat. Es hat mich neugierig gemacht und zu Büchern und später dann zu allen anderen Medien geführt, die ich heute mag. Das macht es nicht irgendwie schlechter, ganz im Gegenteil, aber auch zu etwas Besonderem. Zu einem der Gründe, warum ich mir von niemandem erzählen lasse, nur weil ich ein Buch als Hörbuch gehört habe, hätte ich es weniger in mich aufgesogen als wenn ich dieses Buch selbst gelesen hätte. Denn in der Zeit, in der mir irgendwer anderes erzählt, ich müsste dieses und jene Buch auch „richtig“ lesen, habe ich mir schon zehn Mal wieder einen Kakao gemacht, mich im Bett verkrochen und Vaelin al Sorna und seiner Geschichte zugewandt.
Lausche und träume.

Dieser Post wurde freundlicher Weise von audible gesponsert.

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Über uns Geekgeflüster

Ich bin Aurelia und blogge seit 2012 über Gaming, Bücher, Filme, Serien und mehr. Kurz: Das hier ist mein Geekgeflüster.

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