Kingsman 2: Coole Action, witzige Dialoge und leise Kritik

Kingsman The golden circle Kritik
Das Leben eines Agenten ist nie einfach, schon gar nicht wenn man kurz davor steht, die königlichen Eltern seiner Freundin zum ersten Mal zu treffen und ein alter Konkurrent noch nicht ganz über seine Niederlage hinweg ist. Aber der Anzug sitz perfekt, die Brille ist hochgefahren und das Auto kann mehr, als es können sollte. Also nichts wie auf zum Weltretten.

Wie schon der erste Teil, spielt auch der zweite „Kingsman“-Film („Kingsman: The golden Circle“) freizügig mit Klischees, nimmt nichts und niemanden ernst, am wenigsten sich selbst. Zur britischen Tafelrunde rund um Galahad (Colin Firth), Galahad 2.0 (Taron Egerton) und Merlin (Mark Strong), stößt nun die US-amerikanische Whiskey-Destillerie „Statesman“ mit seinen Agenten Tequila (Channing Tatum), Whiskey (Pedro Pascal) und Champagner (Jeff Bridges) um ihren britischen Cousins aus der Patsche zu helfen. Natürlich geht es auch dieses Mal wieder um nichts Geringeres als die Rettung der Welt. Hier brilliert Juliane Moore in ihrer Rolle der heimwehgeplagten Drogen-Queen Poppy, die eine alte Tempelstadt irgendwo im tiefsten Urwald in eine amerikanische Traumwelt verwandelt hat. Als völlig abgedrehter Bösewicht mit Prinzipien, schafft sie den Gegenpol zu den britischen Gentlemen wie Egerteon, der ein weiteres Mal sowohl den Jovi als auch den Gentleman überzeugend mimt, und der Cowboy-Riege rund um Jeff Bridges.

Kingsman The golden circle Kritik Lasso

Es macht Spaß die Ausrüstung in James Bond Manier wieder im Einsatz zu sehen: Egal ob tödliche Schuhspitzen, oder kugelsicherer Regenschirm. Doch diese Mal kommt auch der wilde Westen zu Wort und amüsiert mit elektrisch-geladenem Lasso und smart-Cowboyhut. Die Story ist noch abgedrehter wie beim ersten Mal und überschlägt sich fast, schafft es aber dennoch gleichzeitig Kritik zu üben. So verurteilt die Kartellchefin einerseits strikt den Konsum von Drogen, Alkohol und Nikotin, macht als gute Kapitalistin aber genau damit ihr Geld. Auf der anderen Seite ist der US-amerikanische Präsident begeistert von der Idee den Drogenhandel gleich in einem Schlag mit den Süchtigen auszurotten. Mit Szenen wie diesen schafft es der Film kritische Töne anzuschlagen, ohne damit den Kinobesucher zu vergraulen.

Womit der Film auf jeden Fall punktet sind die Actionszenen. Sie haben Schwung und coolen Look, die Sprüche sitzen und der Clash aus US-amerikanischen und britischen Klischees ist schlichtweg amüsant. Wo also Colin Firth als Vertreter der britischen Riege mit Schirm, Charme und giftigen Schuhspitzen einen Pub aufräumt, packt Pedro Pascal in ähnlicher Situation sein Lasso aus.

Aber irgendwo ist doch immer ein Haken…

Was hingegen definitiv negativ auffällt, sind die Frauenfiguren. Oder vielmehr ihr Fehlen. Denn bei einer Prinzessin, die zu Hause auf ihren Weltretter wartet, einer toten Agentin und dem obligatorischen Nerd, bleibt als einzige, wirklich wahrnehmbare weibliche Hauptfigur nur die verrückte Kartellchefin Poppy als Antagonistin. Es ist zwar ganz spannend zur Abwechslung mal wieder einen weiblichen Bösewicht zu haben, aber so ist die Besetzung ziemlich dünn wobei ein paar starke weibliche Figuren weder dem Männerteam, noch der Story geschadet hätten.

Abgesehen von dieser Schwäche, mit der „Kingsman“ leider alles andere als alleine ist, überzeugt der Film. Er ist ein lustiger, mitreißender und schlicht unterhaltender Actionstreifen mit gelegentlichen, kritischen Seitenhieben. Die Action und Optik sind genauso gut wie beim ersten Teil, doch Juliane Moore spielt Samuel L. Jackson als Bösewicht aus dem letzten Teil an die Wand und auch Eggsy hat mit seinem Status als aktiver Agent und weniger Schmollerei dazugewonnen. Er behält seine gelegentlichen ‚Fehleinschätzungen‘, ist aber weitaus weniger nervig. Die Zusammenarbeit der britischen Gentlemen und amerikanischen Cowboys sorgt für endlose Situationskomik, wobei jede Seite gleichermaßen einstecken muss.

Alles in allem ist der zweite Teil dem Stil des ersten „Kingsman“ treu geblieben, aber es macht den Anschein als hätten sie die Ecken noch ein bisschen gefeilt und die Story aufpoliert. Wer den ersten Teil nicht kennt, aber sinnfreie Actionfilme mag, für den ist das ein Tipp und für alle die an „Kingsman: The Secret Service“ schon ihren Spaß hatten, ist es ein must-see.

Über die Autorin

Sarah studiert, aus liebe zu Geschichten in allen Formen und Varianten, seit zwei Jahren Komparatistik. Momentan macht sie gerade ein Erasmus-Jahr in Irland und hat mal wieder Zeit für sich selbst zu lesen und zu schreiben.

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