Herzenswelten: Eine weit entfernte Galaxis

Herzenswelten Star Wars
Die Macht ist stark in meiner Familie. Mein Vater hat sie. Mein Bruder hat sie. Ich habe sie. Und wenn mein Neffe alt genug ist, wird auch er sie haben (dafür werden ich schon zu sorgen wissen). Doch was kann man schreiben, was noch nicht über diese Mutter aller Franchises geschrieben wurde?

Es hat nur eine sehr kurze Zeit in meinem Leben gegeben, in der es keinen Krieg der Sterne gegeben hat. Ich war 11 Jahre alt, als die Special Edition von „Eine neue Hoffnung“ ins Kino kam. Dabei wollte ich den Film anfangs gar nicht sehen. Mein Vater und Bruder redeten auf mich ein, beschworen mich, wollten mich überzeugen. Wenn sie gewusst hätten, dass ich als Vollblut-Geek aus dieser Kinovorstellung kommen würde, hätten sie es vielleicht gelassen.

Denn dieser Tag im Jahre 1997 hat in meinem Leben vieles verändert. Wahrscheinlich weil ich damals als Kind etwas in dieser Allegorie sah, das universell ist. Eine Geschichte, die so schlicht ist, dass sie im Kern immer wahr und damit immer aktuell bleibt. Ich finde darin mein eigenes menschliches Verlangen nach etwas, das größer ist als ich selbst. Und eine Spielwiese, in der ich sein kann, wer oder was auch immer ich sein will.

'Herzenswelten'? Was ist das?

Ein Weg in viele entfernte Galaxien

Schon bald nach dem Kinobesuch entdeckte ich, dass sich die Saga nicht auf Filme allein beschränkte. In den späten Neunziger Jahren gab es bereits eine breite Palette an Romanen, Comics und Videospielen. Es galt, viele neue Welten zu entdecken. Es begann mit der sogenannten Thrawn-Trilogie, die ich aus dem Bücherregal meines Vaters stahl und bis heute nicht zurückgegeben habe. Ich verschlang die Bücher in Rekordzeit. Eine kleine Revolution in sich, denn als Kind hatte ich es gehasst zu lesen. Doch als ich diese Bücher sah, verstand ich, dass nicht alle Bücher eine Qual zu lesen waren. Aber es geschah noch mehr: Ich entdeckte neue Figuren und Handlungsstränge und verstand mehr und mehr die erzählerische Bandbreite, die sich in einer Geschichte abspielen kann.

Die Thrawn-Trilogie war mein Ticket in das sogenannte Expanded Universe, das in meiner Jugend zur exorbitanter Größe anwachsen sollte. Hunderte Romane und Comics, unzählige Videospiele und TV-Serien kamen hinzu. Zugegeben, damals zeigte ich meine fanatische Leidenschaft kaum, weil ich damit seitens meiner Klassenkameraden auf Unverständnis stieß. Sie warfen mir Weltflucht vor und aus heutiger Sicht haben sie wahrscheinlich sogar recht damit. Trotzdem bereue ich keine Minute, die ich mit meinen Helden verbrachte, und freue mich über das, was sie mir gegeben haben. Fantasie, Kreativität, ein wenig Frieden. Und auch wenn das Expanded Universe inzwischen als Star Wars Legends und damit als nicht-länger-kanonisch deklariert wurde, tut dies meiner Liebe zu diesen Werken keinen Abbruch. Sie haben mich zur Fanfiction und damit zum Schreiben gebracht und das ist eine Entwicklung, die bis heute mein Leben beeinflusst.

Herzenswelten Star Wars Expanded Universe

Und da sind ja auch noch die Prequels

In meiner Jugend erschienen natürlich auch die Episoden 1 bis 3. Doch obwohl die Menschheit im Laufe des letzten Jahrzehnts übereingekommen ist, dass die Prequels ziemliche Grütze sind, verbinde ich doch immer noch etwas Persönliches mit ihnen. Zwar mochte ich die neue Trilogie nie so sehr wie die alten Filme (die kranke Liebesgeschichte zwischen Anakin und Padmé hat mich schon damals maßlos geärgert), doch meine fantastische Liebe zur gesamten Saga hat es erlaubt, dass ich sie mir öfter im Kino ansah, als für den gesunden Menschenverstand sinnvoll sein kann.

Immer wieder frage ich mich, ob man diese Trilogie nicht hätte retten können. Im Kern ist alles da, was eine tragische Geschichte gebraucht hätte. Die Einzelteile sind nur erzählerisch wenig professionell zusammengeschraubt und wirken alles in allem so, als hätte George Lucas keine wirkliche Lust gehabt, dem Drehbuch ein gutes Polish zu geben und die Geschichte noch besser zu machen. Nun muss man eben mit dem Arbeiten, was er einem gegeben hat. Am Ende sind die Prequels also auch ein Lehrstück dafür, dass auch das liebste Universum seine dunklen Seiten hat. Dass sie auch Dinge beinhaltet, die man eben nicht gut findet und die man am liebsten weg argumentieren würde. Das Gute ist: Als Kreative/-r hat man die Möglichkeit, eine eigene Geschichte zu erzählen.

Der Anfang einer neuen Ära

Im Dezember 2015 geschah dann etwas, wovon viele Star Wars-Fans geträumt hatten, das jedoch unter George Lucas’ Federführung nahezu unmöglich schien: Mit Episode 7 startete das erste Kapitel einer neuen Trilogie in den Kinos. Erst war ich sehr skeptisch, doch als dann der erste ernstzunehmende Trailer erschien („Chewie, wir sind zu Hause!“), hatte ich mein Ticket für den Hype-Train gelöst. Ich war wieder sowas von an Bord und bereit für einen wilden Ritt, denn nach den Eskapaden in den Prequels und der Clone Wars-Serie hofft ich auf einen echten Neuanfang.

Meine Begeisterung für die Saga hatte in den Jahren vor dem Filmstart von „Das Erwachen der Macht“ ziemlich abgenommen. Das hatte zum einen persönliche Gründe, lag aber auch an den Entwicklungen im Expanded Universe. Die zahlreichen Autoren, Zeichner und Spielentwickler hatten sich in eine Ecke manövriert, von der aus sie entweder die gleichen Geschichten wieder und wieder aufgießen konnten oder zu sagenhaft bizarren Plotpoints greifen mussten, um Neuerungen einzubringen. Sie erschaffen die Yuuzhan Vong, eine extragalaktische Alienrasse, die alles zerstörte, was die Helden aufgebauten hatten. Sie schicken den Sohn von Han und Leia auf die dunkle Seite und eine Reise durch die Zeit (Jacen, nicht Ben). Gerade für die Ära nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ waren unzählige Superwaffen gebaut und vernichtet worden. Die Saga begann für mich zu einer Parodie ihrer selbst zu werden. Als also die Nachricht von „Episode 7“ die Runde machte, war mir schnell klar, dass J.J. Abrams und sein Team das Rad nicht ganz neu erfinden würden. Ich hoffte nur, dass sie dem Geist der Star Wars-Saga gerecht würden und das Abenteuer und den Humor zurück auf die Leinwand bringen würden.

Am Ende habe ich genau das bekommen: Eine Mischung aus Altbewährtem, erzählt mit neuen Charakteren. Die bierernsten und hölzernen Dialoge der Prequels waren gewichen. Stattdessen gestattete man sich wieder Humor und Ironie. Denn ein echter Sternenkrieg muss bei allen epischen Weltraumschlachten immer noch eins: Spaß machen.

Ich fand „Das Erwachen der Macht“ als auch „Rogue One“ beide angenehm zu gucken. Es wurde eine neue Geschichte für eine neue Generation geschaffen. Das verbuche ich als etwas Positives. Der Erfolgsdruck war ohnehin so groß, dass kein Film dieser Welt dem Hype im Vorfeld gerecht geworden wäre. Doch wenn schon „Das Erwachen der Macht“ kein Ausbund der Kreativität war, hat dieser Film immerhin geschafft, meine alte Liebe zur Star Wars-Saga wieder zu entfachen.

Ein Leben als Sternenkrieger

Wie das Franchise an sich, habe auch ich mich im Laufe der Jahre verändert. Ich bin nicht nur älter, sondern auch reifer geworden. Zwar liebe ich die Star Wars Saga noch heute, doch halte ich schon lange nicht mehr alles an ihr für bedingungslos großartig. Was ich damit verbinde, wird mir nichts mehr nehmen können, nicht mal ein Großkonzern, der den Krieg der Sterne zu Tode vermarktet. Ich freue mich über neue Impulse und weibliche Helden und sehe den kommenden Jahren entgegen. Denn immerhin geht es vor allem darum, Spaß zu haben. Und vielleicht den ein oder anderen Todesstern auf höchst spektakuläre Weise zu zerstören.

Über die Autorin

Katharina Jach, 30 Jahre alt, lebt in Hamburg und arbeitet dort als Werbetexterin. Das Schreiben ist seit ihrer Jugend ein elementarer Bestandteil ihres Lebens. Seit 2010 schreibt sie außerdem als Literaturina in ihrem gleichnamigen Blog über die Liebe zum geschriebenen Wort.

Blog: Literaturina
Instagram: @literaturina.de
Twitter: @Literaturina

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3 Kommentare

  1. Pingback: Herzenwelten: Mein Gastbeitrag für Geekgeflüster.de

  2. Oh, ich liebe Star Wars ebenso über alles. <3
    Ein wirklich schöner Artikel, der mich ganz hibbelig gemacht hat, einfach nur weil ich die Freude über das Franchise teile. Tatsächlich habe ich erst jetzt angefangen, die Romane abseits der Filme zu lesen (ich hatte zuvor nur die Romane zum jeweiligen Film gelesen) und stecke derzeit mitten drin im ersten Band der Thrawn-Trilogie.

    Besonders "Rogue One" fand ich nun atemberaubend.
    Auch wenn der Anfang mich lange Zeit kalt ließ, danach zu sehen, wie es den Rebellen gelungen ist, an die für die Franchise so wichtigen Baupläne kommen, Gänsehaut.

    • Hi Sophia, hier ist Rina (die den Artikel geschrieben hat) 🙂 Danke für deinen Kommentar. Ich freue mich immer, wenn man neue und alte Fans der Saga trifft. Wie gefällt dir denn die Thrawn-Trilogie bisher? 🙂
      Mir hat Rogue One auch super gefallen, obwohl ich Schwierigkeiten hatte, mit den Figuren anzubandeln. Aber das hat den Spaß ganz und gar nicht geschmälert 😀

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