Happy Birthday, Twilight! – Oder: Warum es keine „schlechten“ Bücher gibt

Vor einer Woche ist „Twilight“ (bzw. „Bis(s) zum Morgengrauen“) von Stephanie Meyer zehn Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch, eine der kitschigsten und auf so vielen Ebenen altmodischsten Vampirgeschichten der letzten Jahre hat das Grundschulalter praktisch hinter sich gelassen! Edward „Sparkle“ Cullen und Bella „Ich kann ja nicht ohne ihn leben“ Swan machen nun schon seit zehn Jahren Feministinnen, Horrorfans und Literaturkritiker mit ihrem Erfolg wahnsinnig. Und auch wenn ich mir bei den „Bis(s)“-Büchern selber die Haare raufe, sage ich (etwas verspätet) Happy Birthday und rolle mit den Augen vor den vielen maulenden Stimmen, die gerade wieder darüber zu jaulen scheinen, wie sehr „Twilight“ doch nur seichter Schund sei.

Denn: Hand aufs Herz, wir alle waren mal 12-14 und wie viele Mädels  etwa in meinem Alter, die während der „Twilight“-Welle etwa in diesem Alter waren, fanden denn Edward „Sparkle“ und seine Madame Tollpatsch nicht toll? Was soll’s, eine Phase, die ging auch wieder vorbei. Meine Cousine (die jetzt ungefähr so alt ist wie ich damals während meiner „Twilight“-Phase) schwärmt gerade auch total für One Direction. Gebt der ein paar Jahre und sie wird wahrscheinlich die Tasche mit der Band drauf auch irgendwo tief in einer Kiste auf dem Dachboden vergraben.

Was mir im Augenblick wieder einmal sehr viel mehr auf den Geist geht, ist die gefühlte Armee an akademisch gerümpften Nasen, die auf mich herabblicken, wenn ich zugebe, dass ich die „Bis(s)“-Bücher einmal sehr gemocht habe. Leute, die sich stundenlang über den Erfolg von „50 Shades of Grey“ oder der „After“-Reihe aufregen können, während sie mich dazu bewegen wollen, Jane Austen zu lesen (deren Bücher ich persönlich einfach nicht mag) oder sich mit mir nur über „Anna Karenina“ unterhalten wollen. (Die Ironie: Gerade in meinem eigenen Umfeld sind die Nasen, die da am höchsten gereckt werden, die früher einmal mit unter am tiefsten zwischen den Seiten von Meyers Büchern gesteckt haben, aber das nur am Rande.)

Versteht mich nicht falsch: Das hier ist nicht die Verteidigung eines großen „Twilight“-Fans gegenüber wirklichen Klassikern. Ich will nicht versuchen, Stephanie Meyer auf eine Ebene neben Tolstoi zu stellen, ich bin nur genervt von diesem ewigen Getue, sich immer möglichst intelligent und klug zu inszenieren, indem man eben nur davon erzählt, jetzt „Stolz und Vorurteil“ gelesen zu haben, während dieselbe Person sich nicht traut, zuzugeben, dass sich hinter der schicken Buchhülle, mit der sie immer in der U-Bahn sitzt, „50 Shades of Grey“ verbirgt.
Das Leben ist nicht immer gehoben und akademisch, erst Recht nicht wenn es um Hobbies geht. Ich habe an Schillers „Don Carlos“ und an einen guten Teil von Shakespeares Stücken mein Herz verloren, genauso wie an Lynn Raven, Jenny-Mai Nuyen, Trudi Canavan , J.K. Rowling oder Judy Blundell.

Vor kurzem erst hat Maura von „The emotional life of books“ einen ähnlichen Post wie den hier veröffentlicht, in dem sie ausführt, warum sie bei dem Begriff „Schundliteratur“ solche Bauchschmerzen bekommt und glaubt, dass es so eine Art der Literatur in der Realität gar nicht gibt. Ich möchte einen Schritt weiter gehen und sagen: Es gibt keine gute oder schlechte Literatur, es gibt nur persönliche Vorlieben.

Wenn ich als Buchbloggerin einen Roman rezensiere, dann tue ich das im Bewusstsein meiner eigenen Präferenzen an Genre, Figurenkonstellationen, Schreibstile und Plots. Ich tue das im Bewusstsein meiner Zielgruppe und meiner Sparte und Themenbereiche. Ihr werdet bei mir wohl niemals eine zu 100% positive Rezension zu einem reinen Liebesroman wie „Ein ganzes halbes Jahr“ finden, weil ich einfach romantische Bücher nicht mag. Macht das aber jetzt Jojo Moyes schlechter als Terry Pratchett, der ja tatsächlich so schräge Geschichten geschrieben hat, dass man Fantasy wirklich mögen muss, um z.B. die Scheibenweltromane zu lieben?
Wohl kaum.

Ich mag vielleicht „Twilight“ nicht und könnte mich über das Frauen- und Beziehungsbild, das Stephanie Meyer vermittel endlos auslassen, genauso konnte ich mich aber übrigens auch nie mit Kafka anfreunden. So what? Dann lese ich eben etwas anderes.

Oder wie Maura es so wunderbar formuliert hat:

Buch ist Buch. Lesen soll unterhalten. Begeistern. Spaß machen. Faszinieren. Manchmal auch bilden. Als Leser darf man sich selber aussuchen, was man möchte.

Über uns Geekgeflüster

Ich bin Aurelia und blogge seit 2012 über Gaming, Bücher, Filme, Serien und mehr. Kurz: Das hier ist mein Geekgeflüster.

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