„Game of Thrones“ ist vorbei und hinterlässt viel verbrannte Erde

Game of Thrones Vorhersehbarkeit

Bild: „twipzdeeauxilia„, CC BY-ND 2.0, via flickr (klick zum Original)

„Game of Thrones“ ist endlich vorbei und ein Teil von mir atmet erleichtert auf. Denn die Serie hat in den letzten acht Jahren sehr viel symbolisiert, das mittelalterlich inspiriertes Fantasy und gritty realism immer wieder zu einer Kombination macht, die vor allem weibliche Zuschauerinnen daran erinnert, dass Phantastik ein Genre sein kann, dass uns mit jeder Faser hasst. Das gilt sowohl für die Geschichten, die die Serie erzählt hat, als solche als auch für seine Fans.

Über Jahre hinweg war Sansa Stark angeblich zu langweilig und uninteressant – beides normalerweise nur dürftige Tarnungen dafür, dass die Figur schlicht ein Mädchen und noch dazu eines mit vielen oft weiblich gelesenen Eigenschaften war – und dann galt sie plötzlich als „badass“ als sie eine brutale Seite entwickelte und einen Teil ihrer typisch weiblichen Eigenschaften ablegte. Gleichzeitig war ihre Schwester Arya, die kämpfte und sich gegen traditionelle Rollenbilder einer Lady wehrte, von Anfang an ein Publikumsliebling, der Höhepunkt ihres Plots galt dann aber plötzlich als Indiz, dass sie eine Mary Sue und damit schlecht geschrieben sei. Die Ritterin Brienne of Tarth wurde von der Serie durchgehend als der Inbegriff der Unattraktivität behandelt, was immer ein wenig lächerlich war, denn äußerlich hatte sie nie wirklich Eigenschaften, die dieses Label erklärt hätten, sondern sie war nur nicht attraktiv gemessen an dem allgegenwärtigen male gaze der Serie. Cersei, die als kluge Strategin eingeführt wurde, endete lieblos im abgenutzten Trope einer hysterischen und ‚verrückt‘ gewordenen Frau, die nach dem Tod ihrer Kinder vor Machthunger zur Karikatur ihrer selbst wurde. Von dem seltsamen Handlungsstrang, in dem sich Daenerys bewegte, ganz zu schweigen.

Die Frauen von „Game of Thrones“ sind fast alle vergewaltigt, verkauft und ironischerweise dann, wo sie doch nun sexualisierte Gewalt als Katalysator für ihre Charakterentwicklung hatten, doch ständig nur zur Requisite für Handlungsstränge von Männern degradiert worden. Und das alles unter der Ausrede des gritty realism und eines mittelalterlich inspirierten Herrschaftssystems, das einfach so ist. Grausam, unnachgiebig und brutal. Nichts davon ist neu, all das ist schon mehrfach gesagt worden, aber es macht nicht weniger müde. Denn dass Sansas Handlungsstrang nun mit ihr als Königin im Norden endete und uns damit ein paar selten mächtige Bilder von ihrer Krönung bescherte, gleicht nicht aus, dass sie an diesem Punkt nur enden durfte, weil ihr Leid bis auf den letzten Tropfen ausgeschöpft wurde. Sansa war die Figur, die vielleicht das meiste stumm einstecken musste, weil ihr lange die Macht fehlte, um etwas dagegen zu unternehmen, und egal, ob sie verkauft, geschlagen, manipuliert oder vergewaltigt wurde: Die Kamera hielt immer auf die voyeuristischste Art, die möglich war, direkt drauf, um ja auch jeden Schockmoment und jeden Schmerz auszukosten.

Acht Jahre lang hat einer der größten Phantastik-Hypes der letzten Zeit bewiesen, dass es weder weite Teile seiner Fanbase noch die Produzenten offenbar großartig kümmert, wenn Frauenfiguren für ein paar schale Momente des Empowerments durchgehend erniedrigt und verletzt werden, während gleichzeitig Figuren wie Jaime Lannister oder Jon Snow für Existenz als weiße Männer zum Helden stilisiert wurden. Sehe ich mich in Genre und Szene um, dann ist das auf bittere Weise irgendwie passend, aber eben auch noch immer bitter. Denn ausgerechnet „Game of Thrones“, sein gritty realism und die Mittelalterbilder für Phantastik, die es vertreten hat, werden uns wohl noch sehr viel länger verfolgen. Und ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie viel ich davon sehen will.

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3 Kommentare

  1. INNOgame

    Kann man so sehen, muss man aber nicht.

    Es gibt noch mehr weibliche Charaktäre, welche starke Rollen spielen. Diese werden hier (bewusst?) ignoriert. Siehe Nathalie Dormer aka Margaery Tyrell sowie Carice van Houten aka Melisandre (die rote Frau).

    Diese haben sehr wohl eigene Handlungsstränge und das muss man bei einer solchen Bewertung auch anerkennen.

    • Joa, nur wurde Melisandre im Grunde zur Requisite männlicher Handlungsstränge wie z.B. Stannis oder Jon degradiert und die gesamte Inszenierung von Margaery sich nur darum zu drehen schien, wie „heiß“ sie doch sein soll (ganz davon zu schweigen, dass sie kaum einen unabhängigen Handlungsstrang bekommen hat) und zu guter Letzt überleben beide nicht bis zum Ende, sondern werden zu Kollateralschäden anderer Handlungsstränge, ähnlich wie z.B. Olenna, eine der anderen Frauen, denen die Serie nicht gerecht wird.

      Und natürlich kann man das alles anders sehen, aber deshalb ist der Text oben eben auch ein Kommentar. Man kann im Übrigen auch diese Probleme sehen und sich trotzdem von der Serie unterhalten lassen. Mich macht dieser Umgang mit den Frauenfiguren müde, weil er so typisch für Medium, Genre und Szene ist.

      • INNOgame

        In der Tat wurde Melisandre degradiert. Zum Schluss hin hat sie ihre Story verloren, da hätte man noch mehr erzählen können. Anfangs habe ich sie aber noch mit eigenem Handlungsstrang gesehen.

        Ich habe Margaery als sehr machtorierntierte Frau mit eigenen Zielen wahrgenommen. Dass sie leider anderen Handlungssträngen zum Opfer gefallen ist ist sehr sehr schade.
        In einer alternativen Story hätte sie eine äußerst interessante Rolle spielen können.

        Ich bin gespannt, ob kommende Serien wie The Witcher und LOTR das anders umsetzen werden.

        P.S. Trotz Kritik bin ich ein Fan von dir 😉

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