Fünf Figurentode in Büchern, die ich nie verwunden habe

Figurentode Bücher
Dieser Post wimmelt nur so vor Spoilern zu „Die Gilde der schwarzen Magier“, „Harry Potter“, „Bartimäus“, „Chicagoland Vampires“ und „Dark Canopy“. You have been warned.

Autoren sind grausam. Anders lässt es sich nicht formulieren. Da bauen sie über hunderte, manchmal tausende von Seiten bestimmte Figuren auf, lassen uns mit ihnen sympathisieren und sie verehren und dann – BOOM! – sind sie tot. Von einer Seite auf die andere und ich kann als Leser nur noch Schokolade und Taschentücher herbei holen und heulend wie ein Schlosshund den wahren Evil Overlord der Geschichte (nämlich den Schreiberling dahinter) gleichzeitig verfluchen und doch lieben, weil mir der Verlust dieser Figur so nahe geht.

Über die Jahre ist mir das (leider und zum Glück) inzwischen viel zu oft passiert und sicher habe ich einige Figuren in der folgenden Liste auch vergessen, aber trotzdem möchte ich euch heute eine Auswahl von fünf Charakteren vorstellen, deren Tode ich nie verwunden habe. Und vermutlich auch nie werde.

Akkarin („Die Gilde der schwarzen Magier“, Trudi Canavan)

Akkarin war immer eine Figur, die unerwartet wunderbar wurde. War er noch während der ersten beiden Teile der Trilogie zuerst zweitrangig und dann eher der Bösewicht, macht er mit dem dritten Teil der „Gilde der schwarzen Magier“ eine komplette Wandlung durch. Er wird vom bedrohlichen Antagonisten zum Geliebten der Protaginistin Sonea und ist mir damals praktisch in mein Leserherz hinein gerannt. Er wurde zu meinem Held der Bücher und ein Teil von mir hasst Trudi Canavan bis heute dafür, dass sie so eine wunderbare Figur zum Ende des Buchs in der Schlacht um Imardin hat umkommen lassen. Denn damit hat sie ein Loch in mein bereits erwähntes armes Leserherz gerissen, das erst Jahre später (genauer gesagt mit Lady Soneas Fanfiction, in der Akkarin nicht stirbt) langsam zu heilen begonnen hat.

Fred Weasley („Harry Potter“, J.K. Rowling)

Zwar hat J.K. Rowling mit dem letzten „Harry Potter“-Teil einige Figuren gekillt und damit mein Leserherz gleich mehrmals gebrochen, aber Fred war derjenige, der mir immer am nächsten ging. Ich habe die Zwillinge vom ersten Teil an geliebt. Von dem Moment am Gleis 9 3/4 an, in dem Mrs Weasley den Jungs droht, weil sie nicht wieder einen Heuler für eine gesprengte Kloschüssel bekommen wollte, über all die Jahre hinweg bis ganz zum Schluss. Die Zwillinge waren witzig und so wundervoll unbeschwert, was sie sehr schnell in den engeren Kreis meiner Lieblingsfiguren hat aufsteigen lassen. (In dem sich nebenbei bemerkt zwar auch Hermine und Ginny, aber weder Ron noch Harry befinden.)

Und dann kam diese Szene während der Schlacht um Hogwarts, in der sich Fred noch mit seinem Bruder Percy, dessen Verhältnis zum Rest der Familie lange sehr schwierig war, aussöhnt und kurz darauf umkommt. Das alles hätte ich noch (wenn auch schlecht) verwinden können, der Knackpunkt, der mir damals den Rest gegeben hat, war, dass Rowling an dieser Stelle (wenn ich mich recht erinnere, ich kann es leider nicht nachschlagen, weil meine „Harry Potter“-Ausgaben bei meinen Eltern stehen) noch einen Satz hinterher geschoben hat, in dem sie das Lächeln beschreibt, das Fred noch auf den Lippen lag.

Das war auch das, was Fred an Drama anderen lieb gewonnenen Figuren wie Dobby oder Snape „voraus“ hatte in dieser Liste und was mich immer noch fertig macht.
Entschuldigt mich, ich gehe dann mal heulen.

Nathanael („Bartimäus“, Jonathan Stroud)

Auch wenn ich an der „Bartimäus“-Trilogie von den beiden Protagonisten Nathanael immer weniger abgewinnen konnte als Bartimäus selbst, waren es die Umstände seines Tods, die es mich schwer haben bereuen lassen, das Ende des dritten Teils gelesen zu haben. Denn ähnlich wie bei Akkarin greift bei Nathanael die Dramatik einer Selbstopferung bzw. Aufopferung. Zum Schluss ist klar, dass Nathanael und Barti aus ihrem letzten Kampf nicht lebend herauskommen werden, beide gehen vom Finale als ein Selbstmordkommando aus und während ich als Leser schon Panik schob, macht Nathanael es noch schlimmer. In letzter Minute entlässt er Bartimäus, rettet ihn somit und geht alleine in den Tod. Er lässt Kitty und alles andere zurück, rettet aber „Barti“. Und meine Leserseele schrie. Laut und durchdringend.

Ethan Sullivan („Chicagoland Vampires“, Chloe Neill)

Die „Chicagoland Vampires“-Reihe kann zwar qualitativ nicht so richtig mit den bisherigen Büchern dieser Liste mithalten, allerdings beweist Chloe Neill darin immer wieder ein gutes Gespür für ihre Figuren. Die Handlungsstränge werden spätestens ab Band fünf oder sechs eher zweitklassig, aber einmal Blut geleckt (Parallele zu den Vampiren ist beabsichtigt) konnte ich vor allem wegen des wunderbaren Humors, den Neills Heldin Merit an den Tag legt, nicht mehr aufhören. Die kleinen und großen Zickereien zwischen ihr und ihrem Meister und späteren Geliebten Ethan waren unterhaltsam und absolut genial. Umso härter traf mich dann Ethans plötzlicher Opfertod gegen Ende des vierten Buchs, (ich erkenne da ein Muster in dieser Liste ;)) mit dem plötzlich ein zentraler Punkt der Reihe wegzufallen schien.

Gut, in Teil Fünf wurde Ethan direkt wieder zum Leben erweckt, mein Leserherz wurde also direkt wieder geheilt, trotzdem gehört er mit auf diese Liste. Denn wenn Neill nicht mehr die Kurve gekratzt hätte, würde ich wohl noch bis heute den Meister von Haus Cadogan beweinen.

Néel („Dark Canopy“, Jennifer Benkau)

Néels Dahinscheiden in „Dark Canopy“ war eines das ganz besonders grausamen Sorte. Und das im doppelten Sinne. Nicht nur, weil er von Joys ehemaligen Freunden zuerst gefoltert und schließlich der Sonne ausgesetzt und damit verbrannt wurde, was ja schon physisch grausam ist, sondern auch auf einer erzählerischen Ebene grausam. Denn: Er stirbt auf den letzten paar Seiten. Gerade, als ich als Leserin anfing, auf ein Happy End zu hoffen, kommen die Rebellen um die Ecke und zerstören all meine Wünsche.

Nach um die 500 Seiten, in denen die Autorin die Beziehung zwischen Néel, dem Percent, und Joy, der Rebellin und Soldatin, aufgebaut und die beiden zu einem wunderbaren Paar geformt hatte, bedient sie sich einfach des Trudi Canavan-Tricks und zerschmettert meine Leserseele auf der Zielgeraden. Plus: Benkau lässt Joy nicht einmal seine Leiche erblicken, sondern überlässt vieles davon der Vorstellung des Lesers. Und damit setzt sie noch einen dritten, grausamen Zug obendrauf, für den ich sie gleichzeitig hasse und liebe.

Kommentar verfassen