„Feuerstimmen“ und „Voices of fire“: Eine crossmediale Fanperle

Feuerstimmen Voices of fire
Ein uraltes Böse, eine kleine Gruppe aus zu gleichen Teilen mutigen wie verzweifelten Helden und natürlich zwei Liebende. Dazu noch ein paar alte Legenden, eine Welt, die schon aus Gründen des Genres am Abgrund steht und schon steht der Stoff aus dem wunderbar episches High Fantasy gemacht ist. Das alles noch musikalisch (Van Canto – „Voices of fire“) und literarisch gedoppelt mit „Feuerstimmen“ (Roman von Christoph Hardebusch) zu einem crossmedialen Projekt, funktioniert das oder gibt das mehr Reibung als Unterstützung?

Die Antwort hängt an einem „aber“. Denn ja, es funktioniert, aber nein, es ist nicht perfekt. Schon der musikalische Teil, das Album „Voices of fire“, ist episch, die Melodien eingängig und alles steht unter dem klaren Stern der Gesamthandlung, die gleichzeitig noch einmal deutlich detaillierter auch im Buch erzählt wird. Auf Englisch und begleitet von wunderbar eingesprochenen Zwischensequenzen, gelesen von John Rhys-Davies, der wahrscheinlich am besten als Gimli in den „Herr der Ringe“-Filmen bekannt sein dürfte, wird hier schon inhaltlich zwar sehr grob davon erzählt, was im Roman dann genauer erklärt wird, ohne allerdings verwirrend zu sein. Viel mehr lässt das Album mehr „Leerstellen“, die der Vorstellung und Interpretation des Zuhörers überlassen werden, was in doppelter Weise schön ist: Denn zum einen wird so das Album auf einer narrativen Ebene sehr eng mit dem Roman verbunden, kann aber eben wie gesagt auch selbstständig funktionieren. Wer keine Lust auf Buch oder Hörbuch hat, wird auch „nur“ an dem Album Freude finden können. – Und umgekehrt.

Denn auch wenn der Roman bzw. in meinem Fall das Hörbuch die bereits erwähnten Leerstellen aus der Erzählung, die sich für mich durch das Album ergeben hat, schließen kann, braucht das die Musik genau genommen gar nicht. Genauso wenig wie der Roman zwingend das Album bräuchte, um meinen Kriterien von solidem, guten Fantasy zu entsprechen. Beides ergänzt sich gegenseitig, könnte aber auch allein funktionieren.

Im Falle des Romans liegt da allerdings auch ein wenig der Hase im Pfeffer: Denn so sehr ich diese Art des sehr „klassischen“ High Fantasys mag, in dem sich Drachen, Helden und Monster nach meistens immer wieder ähnlichen Regeln tummeln, so sehr hat auch „Feuerstimmen“ eine leichte Tendenz zu den Genretypischen Stereotypen und Vorhersehbarkeiten. Wer ein bisschen etwas an modernem High Fantasy gelesen/gesehen hat, der wird ziemlich schnell die üblichen Erzählmuster erkennen können und dementsprechend zügig auch mindestens erahnen, worauf die ganze Sache hinausläuft.
Das ist in Bezug auf das bereits erwähnte im Grunde gedoppelte Gesamtwerk gar nicht so wild, denn diese Art von Berechenbarkeit geht schlicht in dem Ineinandergreifen von Text und Musik unter.

Grandios dagegen gefällt mir das Konzept, Sänger zu den (kämpfenden) Helden und Gesang zu einer großen magischen Gewalt zu machen, die Album wie Roman inhaltlich entscheidend bestimmt. Der Held der Geschichte, Aidan, ist ein Barde und um den lange sehr abstrakt magisch bleibenden Begriff dieses Daseins als Barde spinnt sich viel der eigentlichen Handlung und der Hintergrundgeschichte. Das ist in sofern bemerkenswert, als dass zwar die eigentliche Rolle, die Aidan einnimmt, nämlich die des Helden, wie gesagt weit verbreiteten Erzählmustern folgt, an einer entscheidenden Stelle aber auch mit diesem Klischee gebrochen wird: Der Posten, den normalerweise rein physische Gewalt z.B. in Form von Schwertkampf in Geschichten dieser Art einnimmt, ist mit einer scheinbar gegenteiligen, künstlerischen Fähigkeit besetzt.

Es sind ein paar von diesen kleinen und großen Kniffen, die der Grund sind, dass ich unterm Strich auch „Feuerstimmen“ tatsächlich sehr gern gehört habe. Ein Stück weit muss man sich bei High Fantasy schließlich (fast) immer auf die Spielregeln des Genres einlassen, zu einem guten Teil hatte ich auch den Eindruck, dass diese Spielregeln zugunsten von Genre-Fans wie mir bewusst bedient werden (z.B. in Form der Betonung, dass die Helden auf eine Queste gehen), und innerhalb der damit verbundenen Vorhersehbarkeit stecken aber hier eben noch ein paar liebevolle Kleinigkeiten, die meinem inneren Fantasy-Fan das Herz aufgehen lassen.

„Feuerstimmen“ ist sicher nicht perfekt und auch eindeutig weder das beste Hörbuch, das ich jemals gehört habe (ganz im Gegenteil, das Stilmittel von z.T. verschiedenen Sprechern für die Dialoge fand ich ziemlich nervig), noch das beste Buch, das mir je untergekommen ist, aber er ist in jedem Fall mit Liebe zum Genre geschrieben und das genügt mir dann auch schon wieder.

Unterm Strich ist es ganz eindeutig das Zusammenspiel von Buch und Musik, die das gesamte „Feuerstimmen“-Projekt so schön und für mich zu einer kleinen Genre-Perle im Fantasy-Bereich macht. (Auch wenn ich mir nicht sicher bin, wie weit diese crossmediale Note bei einem anderen Projekt funktioniert hätte als diesem.) Schöne Elemente wie für das Hörbuch auch wirklich eingesungene Ausschnitte der Lieder, die die Barden innerhalb der Romans anstimmen, oder eben gerade das Bedienen von dem, was Fantasy – sowohl musikalisch als auch literarisch – so episch machen kann, ergeben etwas, das ich als ein Projekt für Fans bezeichnen würde. Wer mit dem Genre nichts anfangen kann, der wird auch glaube ich kaum einen vernünftigen Zugang zu der Geschichte bekommen, Fantasy-Fans würde ich aber Buch (am besten sogar wirklich das Hörbuch, denn die Vertonung der Bardenlieder lohnt sich wirklich) und Album in jedem Fall ans Herz legen.

Kaufen?

Hier kommt ihr zu „Voices of fire“ und hier zum Hörbuch zu „Feuerstimmen“ auf Amazon. (An dieser Stelle auch Danke an Gordeon Music für die Rezensionsexemplare von beidem.) Wer lieber die gedruckte Ausgabe des Romans hat, kann sich auch hier einmal auf die Verlagswebsite weiterklicken.

 

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