Der Schwarze Thron 1: Zwischen Priesterinnen, Politikerinnen und Anführerinnen

Der Schwarze Thron Kendare Blake Rezension
Wenn eine Königin des Inselreichs Fennbirn den Thron besteigt, dann ist das das Ende eines blutigen Kampfes. Denn wenn eine Königin den Thron besteigt, bedeutet das, dass sie ihre Schwestern besiegt und getötet hat. Bald ist es wieder so weit und mit Mirabella, Katharine und Arsinoe werden erneut drei Königinnen gegeneinander antreten. Drei Schwestern, Drillinge, in einem Kampf auf Leben und Tod, der das Schicksal ihrer Heimat bestimmen wird.

Es dauerte die ersten 100 Seiten bis mir richtig auffiel, wie viele Frauen ganz beiläufig in allen drei Handlungssträngen zentrale Rollen einnehmen. Der größte Teil des Umfeldes der drei Königinnen ist weiblich. Mächtige Priesterinnen, Politikerinnen und Anführerinnen, ihre Töchter, Schwestern, Freundinnen der Königinnen. Etwas, das eigentlich nicht erwähnenswert wäre, handelte es sich bei „Der Schwarze Thron 1: Die Schwestern“ von Kendare Blake nicht um einen klassischeren Fantasy-Roman, der damit in ein Genre gehört, in dem das Geschlechterverhältnis meistens ein vollkommen anderes ist. oft genug ein vollkommen anderes ist. Und weil der Roman damit auch ein Paradebeispiel dafür ist, dass der Mythos Fantasy wäre nur eine Sammlung von Geschichten von Rittern und Kriegern eben genau das ist, ein Mythos.

Noch dazu geht die Rechnung von „Der Schwarze Thron“ wunderbar auf. Drei Königinnen, drei Schwestern, werden bald um ihren Thron streiten und das gesamte Reich verharrt in angespannter Stille, auch wenn die meisten längst eine Favoritin haben. Mirabella, die die Elemente kontrollieren kann, gilt als die Stärkste der drei, die Gabe der Giftmischerin Katharine ist schwach und Arsinoes Naturbegabung ist nach wie vor nicht erwacht. Es gibt nur wenige Leute, die nicht damit rechnen, dass Mirabella diejenige sein wird, die ihre Schwestern tötet und den Thron besteigt, aber noch geben sich die Mächtigen im Umfeld der anderen Königinnen nicht geschlagen. Daraus entwickelt sich langsam ein feines Netz aus großen und kleinen Handlungssträngen mit Intrigen, Geheimnissen und persönlichen Konflikten.

Genretypisch langsam erzählt verliert sich ein Teil der Geschichte fast im eigenen Weltenbau, was allerdings ebenfalls erstaunlich gut funktioniert. Geschickt eingesetzte Szenen illustrieren sehr schön, wie interessant eigentlich die Prämisse ist, dass in „Der Schwarze Thron“ alle die Königinnen bewundern, aber niemand wirklich mit ihnen tauschen wollen würde, während gleichzeitig mit dem gesamten Herrschaftskonzept des Romans gespielt wird. So ist zum Beispiel direkt zu Beginn des Romans sehr gut spürbar, dass für Arsinoe ihre beste Freundin Jules gleichzeitig wie eine Schwester und ihre größte Bedrohung ist, weil sie sich als eine sehr mächtige Naturbegabte entpuppt hat, und Arsinoes eigene Gabe nicht erwacht ist. Alle drei stehen auf die eine oder andere Weise vor dieser Art Probleme, was ein ganz eigenes Spannungsfeld in der Dynamik der Figuren ergibt, das mir sehr gut gefallen hat.

Vor diesem Hintergrund macht es auch nichts, dass der Plot sich langsam entwickelt, vielleicht sogar etwas zu langsam, und in manchen Bereichen auch ein wenig faserig und zu sehr in Details verloren ist. Der Schreibstil der Autorin liest sich angenehm, was diese langsame Entwicklung des Plots auch nicht zu schwer wiegen lässt, und die Figuren wirken ausgewogen. Das Interessanteste bleiben aber die Welt des Inselreichs Fennbirn und der Ausgangspunkt der Geschichte, der am Ende komplexer wirkt als er es tatsächlich ist. Die Schwestern sind sich ähnlicher als ihre Rollen es vermuten lassen und haben – wieder oft recht ähnliche – starke Figuren um sich herum, die aktiv handeln, während sie alle drei mit ihrer Königinnenrolle kämpfen. Das ist auf der einen Seite als Idee sehr schön, bremst allerdings auch die Geschichte und schöpft somit das gesamte Potential des Plots nicht aus.

Am Ende muss es das allerdings auch nicht. „Der Schwarze Thron“ ist die Geschichte dreier junger Mädchen, fast noch Kinder, mitten in einem komplexen politischen Konflikt, den eigentlich andere austragen und in dem sie per Geburt genauso gefangen sind wie die, die dieses Leben gewählt haben. Diese Herangehensweise ist interessant und wirft genau das richtige Maß an Fragen auf, die es braucht, um meine Neugier zu wecken. Ein Roman mit Stärken wie Schwächen, dessen spannende Idee aber überwiegt solange man einen Sinn für langsam erzähltes High Fantasy hat.

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar über das Bloggerportal.

Merken

1 Kommentare

  1. Hallo Aurelia,

    mich konnte die Geschichte auch überzeugen und ich fand es sogar sehr spannend. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil der bald erscheinen wird 🙂
    Danke für deine treffende Rezension.

    Liebe Grüße
    Sonja Béland

Kommentar verfassen