Der Altmann ist tot: Miss Marple meets Berlin Kreuzberg

Der Mathelehrer einer Berliner Problemschule, Günther Altmann, wird tot aufgefunden. Ermordet. Und wer war’s? Die schwangere zweite Frau? Ihr heimlicher Freund? Die Ex-Frau? Die verlassene Kollegin und Ex-Geliebte? Oder doch die gesamte türkische Familie einer ehemaligen Schülerin, hinter der der Altmann vor ein paar Jahren her war, im Kollektiv?
Die Gerüchteküche beginnt zu brodeln und ruft zwei weitere Lehrerinnen aus dem Kollegium auf den Plan: Unabhängig von der Polizei beginnen Fräulein Krise und Frau Freitag damit, eigene Spuren zu verfolgen. Immer hinter dem Mörder (oder der Mörderin) her…

Fräulein Krise und Frau Freitag ermitteln? Das kann ja nur schräg werden.
Und schräg ist wohl auch wirklich das beste Wort, mit dem man das Buch zusammenfassen kann. Denn „Der Altmann ist tot“ ist nicht sonderlich spannend oder aufregend, nicht einmal grausam oder subtil bedrückend, Nein, es ist vor allem… schräg.
Das beginnt schon bei den auftretenden Figuren: Den Schülern, die auf ihre eigene, nicht immer übemäßig intelligente, aber sympathische Art die Geschichte bereichern, dem Lehrerkollegium, das zwar überzeichnet, aber sehr typisch ist und mich so spontan an einige Gestalten aus meiner eigenen Schule erinnern, genauso wie den leicht tollpatschigen Polizisten und ehemaligen Schülern Emre und Ömür. Aus oder viel mehr innerhalb dieses sehr liebevoll gestalteten und eingesetzten Teppichs der einzelnen Personen entwickelt sich dann die Handlung inklusive aller Widrigkeiten der Ermittlungen.

Ich denke, „Der Altmann ist tot“ gehört wohl zu den Büchern, die ich als Buch wohl kaum bis gar nicht gelesen hätte, denen aber die Hörbuchfassung sehr gut getan hat.
Wer nach den Autorinnen etwas spritzig witziges wie „Chill mal, Frau Freitag“ erwartet, wird wohl oder übel enttäuscht werden. Im Rahmen des Krimis geht davon nämlich einiges verloren, die etwas ungehobelten, aber sympathischen Schüler treten in den Hintergrund und die Handlung bewegt sich ein ganzes Stück von dem Rahmen „Schule“ weg und mehr in Richtung der Großstadt Berlin. Das ist irgendwo schön und bei einem (wenn auch humorvollen) Krimi natürlich auch nötig, allerdings ist es zugleich eine Frage der Erwartungen und Ansprüche, die man an die Geschichte hat.
Denn auch die gekürzte Hörbuchfassung zieht sich irgendwo und „Der Altmann ist tot“ hat für  mich dasselbe Problem wie es auch „Glennkill“ hatte: Die einzelnen Episoden sind oft recht unterhaltsam, im Ganzen aber leidet dafür darunter zu sehr die Spannung.
Das ist irgendwo auch natürlich typisch für einen witzig angelegten Krimi, aber zugleich auch schade.
Umso besser gefällt mir das Hörbuch als solches: Nicht nur, dass es sehr gut passt, dass Frau Freitag (Carolin Kebekus) und Fräulein Krise (Joseline Gassen) verschiedene Stimmen bekommen haben – noch dazu sehr gut passende – der z.T. im Dialog der beiden geschickt eingesetzte Wechsel gibt dem Ganzen immer wieder einen sehr schönen schon hörspielartigen Charakter, der nicht nur gut zu den entsprechenden Szenen, sondern auch zu dem gesamten Buch wunderbar passt.

Infos zum Hörbuch:
Autorinnen: Fräulein Krise und Frau Freitag
Sprecherinnen: Joseline Gassen und Caroline Kebekus
Verlag: Argon Verlag
Laufzeit: 7 Stunden, 16 Minuten, 6 CDs
Erscheinungsdatum: 20. Juni 2013

ISBN: 978-3-8398-1248-8
Preis: 19,95€ (Stand: 15.01.15)

Kaufen?

Hier kommt ihr zum Hörbuch von „Der Altmann ist tot: Frl. Krise und Frau Freitag ermitteln“ auf der Verlagswebsite.

Raiting: [7/10]

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