Deponia Doomsday: Schatz, ich hab die Zukunft kaputt gemacht!

Deponia Doomsday Rufus Goal McChronicle
He’s back! Rufus macht Deponia und Elysium wieder unsicher, jagt immer mal wieder was in die Luft und verheddert sich in Zeitsträngen. Ja, richtig, in Zeitsträngen. Denn nach dem Ende des dritten Teils hat er inzwischen herausgefunden, wie man durch die Zeit reisen kann. Das birgt natürlich ein paar spannende Möglichkeiten, oder viel mehr Risiken, denn nach drei Spielen auf Deponia wissen wir doch eigentlich: Was Rufus anfasst, das sollte weder leicht entflammbar noch leicht zerbrechlich, scharfkantig oder explosiv sein. Und erst recht sollte ausgerechnet er nicht in der Zeit rumfingern und am Ende noch die Zukunft verhindern. Aber Rufus wäre doch nicht Rufus, wenn nicht auch wirklich alles, das schiefgehen könnte, auch wirklich schiefgeht.

Spoilerhinweis

„Man nennt ihn Rufuuuuuuuuuuuuus!“

Rufus lebt! Na ja, jedenfalls in einer Variante der Zukunft. Oder Gegenwart? Schwer zu sagen, denn als ob es nicht schon genug wäre, dass Rufus in einem Zeitstrang Chaos stiftet, bringt er jetzt wirklich jede Ebene von Raum und Zeit durcheinander. Das ist nicht nur so schrärg, wie es klingt, sondern noch schräger. Aber kann jetzt „Deponia Doomsday“ an seine wunderbaren Vorgänger anknüpfen? Die Antwort ist einfach: Nein.

Auch mein vierter Besuch auf Deponia ist unterhaltsam, schräg und witzig, aber es fühlt sich nicht so wirklich richtig an. Ist schon klar, Rufus will den Lauf der Geschichte ändern und verhindern, dass er in den Tod stürzt, aber insgesamt fehlt mir die Stringenz in der Geschichte. Die einzelnen Schauplätze und Szenen machen Spaß und haben ein paar witzige Gags versteckt (z.B. wenn Rufus in einem Büro eine Pfeife aus einem Bild an der Wand pflückt und verkündet „Ha! Es ist doch eine Pfeife“ oder mit verschiedenen Zeitreise-Anspielungen u.a. auf die TARDIS und Doctor Who), aber das alles hinterlässt bei mir den faden Beigeschmack des Selbstzwecks. Rufus in Action, klar, aber ein wenig zeigt „Doomsday“ auch, dass selbst ein noch so schräger Protagonist eine vernünftige Story braucht, um wirklich witzig zu sein.

Mit „Deponia Doomsday“ scheinen sich die Entwickler allerdings vor allem darum zu bemühen, es den Fans, denen das Ende von Teil 3 nicht gefallen hat, doch noch Recht zu machen. Das wirkt reichlich erzwungen, besonders weil besagtes Ende einem zwar nicht gefallen muss, es aber doch so ultimativ war, dass es vermutlich auch einfach keine andere plausible Erklärung als Zeitreisen gegeben hat, um nochmal ein Spiel um Rufus stricken zu können. Alles wirkt ein wenig zu hektisch überdreht, alles scheint ständig die Vorgänger übertreffen zu wollen und daran zu scheitern. Man spürt einfach, dass Rufus‘ Geschichte nach dem dritten Teil zu Ende erzählt war und alles weitere nur ein Echo dessen ist, was einmal richtig gut war. Ein Stück weit fehlt schlicht das Deponia selbst. Der Ort, an dem man einem eigentlich recht begrenzten Set an Figuren ständig wieder begegnet und sie als Rufus immer weiter in den Wahnsinn getrieben hat.

Schnell, hektisch und ein wenig überdreht

„Doomsday“ dagegen lässt sich gefühlt zu wenig Zeit, die Figuren auszukosten. Auch Dank des Zeitstränge-Chaos innerhalb der Geschichte verschwinden viele Gesichter genauso plötzlich wie sie aufgetaucht sind. Bei manchen wusste ich bis zum Schluss sogar nicht einmal, was aus ihnen im letzten Zeitstrang, in dem Rufus ihnen begegnet, eigentlich geworden ist bevor sie aus dem Abenteuer verschwunden sind. Da sind bekannte Figuren wie  Lotti, deren „Vorgeschichte“ man im Übrigen in „Doomsday“ auch erfahren kann, oder Rufus‘ ständig mindestens passiv aggressive (Ex-)Freundin Toni schon wieder Lichtblicke. Und das, obwohl sie eigentlich nur sehr kurz auftauchen.

Deponia Doomsday Paradox City

Dazu kommt, dass es dem Spiel auch erzählerisch Struktur fehlt: Das vierte Abenteuer auf Deponia purzelt so vor sich hin, alles ist leicht chaotisch und in sich sind die meisten Episoden eher knapp gehalten, was nicht nur zur Folge hat, dass kein Setting lang genug dauert, um einen wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen, sondern auch dass genau darin das Selbstzweck-Problem deutlich wird, das sich komplett durch das gesamte Spiel zieht. Erzählerisch bieten die Zeitreisen natürlich sehr große Sprünge in Zeit wie Ort an, aber dadurch werden die einzelnen Minigeschichten sehr stark isoliert und drehen sich ein wenig zu sehr nur um sich selbst ohne Konsequenzen zu verursachen. Wer die Vorgänger nicht gespielt hat, dürfte da ordentliche Schwierigkeiten haben, in diese Story einzusteigen, oder wenigstens nur die Hälfte der Referenzen und Anspielungen verstehen.

Mini-Spiele ohne Sinn und Verstand

Auch „Doomsday“ ist noch unterhaltsam, ohne Frage. Nur fehlt etwas. Jedenfalls für mich, die ich die „Deponia“-Reihe besonders deswegen mochte, weil mir Setting und die gesamte liebevoll schräge Art sehr gut gefallen haben. Ich bin im Grunde zumindest nicht per se ein großartiger Fan von Point-and-Click-Adventures, mir geht es nicht um die Rätsel, sondern um Story und Humor, den solche Spiele sehr oft auf sehr charmante Weise haben. Deshalb mochte ich auch die bisherigen „Deponia“-Spiele, die zugleich spannend und witzig waren, aber auch in der gesamten Art des Spiels nie zu leicht und nie zu schwer waren. Was ich dagegen noch nie mochte, waren die Mini-Spiele, die man zum einen (zum Glück!) meistens auch überspringen konnte bzw. noch immer kann und die zum anderen selten in der Aufmachung o.ä. nötig gewesen wären. In „Doomsday“ hat diese Art von Elementen noch einmal zugenommen: Dämliches Speed-Geklicke, das einen großen Kraftaufwand u.ä. simulieren soll, ständig runterlaufende Timer und zig Minispiele, die z.T. in der Steuerung sehr nervig und so gut wie nie überhaupt oder in der Form nötig gewesen wären und so ein bisschen den faden Eindruck hinterlassen, dass an dieser Stelle einfach die Spielzeit ein wenig gestreckt werden sollte.

Deponia Doomsday Mini Spiel

Ein „Deponia“, das es nicht gebraucht hätte

Unterm Strich hinterlässt „Deponia Doomsday“ bei mir einfach eine gewisse Rundum-Enttäuschung. Während des Abspanns habe ich mich die ganze Zeit gefragt, ob’s das jetzt wirklich gewesen sein soll, hatte ich nicht doch noch kurz vorher eigentlich darauf gewartet, dass die Geschichte mich wirklich gepackt bekommt, und die Aufgaben innerhalb des Spiels sind leider auch nicht so spannend oder lustig wie sie sein könnten. Viel ist Herumgerenne und immer wieder dasselbe zu tun, um es dieses Mal richtig hinzubekommen bevor irgendein Timer abläuft, die Gags könnten besser sein und am Ende blutet mir vor allem das Herz, weil das neue „Deponia“-Spiel trotz allem zwar noch Spaß macht, ich aber das Gefühl habe, dass da viel Potential verschenkt wurde. Denn z.B. optisch ist auch „Doomsday“ wieder sehr liebevoll gestaltet, die deutschen Sprecher sind wieder wunderbar, an der Materie hakt es nur an allen Ecken und Enden und das in erster Linie weil mit den Vorgängern die Messlatte nun einmal sehr hoch gelegt wurde. Damit mach „Deponia Doomsday“ zwar Spaß, aber zugleich ist es auch der bisher schwächste Teil der Reihe, den es in dieser Form obendrein nicht zwingend gebraucht hätte.

 

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Über uns Geekgeflüster

Ich bin Aurelia und blogge seit 2012 über Gaming, Bücher, Filme, Serien und mehr. Kurz: Das hier ist mein Geekgeflüster.

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