Wo bleibt eigentlich der Hype um „Crazy Ex-Girlfriend“?

Rachel Bloom Crazy Ex-Girlfriend

Bild: „37th College Television Awards #CollegeTVAwards #EmmysFoundation“ von „Red Carpet Report on Mingle Media TV“ (CC BY-SA 2.0) ; Quelle: https://www.flickr.com/photos/minglemediatv/27307339430/

Zugegeben, sieht man das erste Mal die Serie „Crazy Ex-Girlfriend“, ist eine nicht geringe Chance da, irgendwo zwischen Verwirrung und Irritation zu verbleiben. Eine Serie, in der es darum geht, dass eine Frau ihrer Jugendliebe nachjagt, wobei irgendwie alles schiefgeht und das wiederum mit Musical-Nummern unterlegt ist. Das alles ist ein klein wenig überdreht und schräg, was es auch etwas gewöhnungsbedürftig macht. Jenseits dieser bunten Verpackung ist die Serie aber auch klug konzipiert und immer wieder fast schmerzhaft treffend in ihrer Parodie auf unschöne Erzählmuster aus Liebeskomödien und anderes Liebesgeschichten.

Die Protagonistin von „Crazy Ex-Girlfriend“ ist Rebecca Bunch, ihres Zeichens erfolgreiche Anwältin in New York, kurz vor einer großen Beförderung und single. Die Handlung der ersten Staffel steigt damit ein, dass sie einen Nervenzusammenbruch im Büro hat und in einem verletzlichen Moment sich fragt, wann sie das letzte Mal glücklich war. Da trifft sie zufällig ihren Ex-Freund Josh auf der Straße, den sie seit ihrer kurzen Teenager-Beziehung im Sommercamp nicht mehr gesehen hat, und kürt – nachdem sie mit ihrem Job ganz offensichtlich unglücklich ist – ihn zu ihrem neuen Projekt. Das geht so weit, dass sie sogar nach Kalifornien zieht, wohin Josh gerade im Begriff ist zurück zu kehren. Wo in einer Liebeskomödie nun wahrscheinlich eine locker leichte Geschichte voller Irrungen und Wirrungen beginnen würde, an deren Ende Josh Rebecca im Regen seine Liebe gestehen müsste, schlägt „Crazy Ex-Girlfriend“ einen anderen Weg ein. Und das ist wunderbar.

Der Horror einer romantischen Komödie

Denn in „Crazy Ex-Girlfriend“ wird keinerlei Geheimnis daraus gemacht, dass die titelgebende Bezeichnung einer „verrückten Ex“ nicht nur ein „sexist term“ – wie es im Intro heißt – sondern auch genau deshalb vollkommen unpassend für Rebecca ist. Rebecca, das ist ab ihrem Nervenzusammenbruch in New York klar, hat eindeutig psychische Probleme, die sie versucht, zu verdrängen. Wie später erklärt wird, nimmt sie starke Medikamente, die sie „funktionieren“ lassen, indem sie sie offenbar emotional praktisch taub machen. Als sie aber in einer Art Anflug überschwänglicher Euphorie nach ihrem Umzug diese Medikamente absetzt – sie jagt der „großen Liebe“ nach, die heilt ja alles – folgt ein neuer Zusammenbruch. Das ist weder das erste noch das einzige Mal, in der „Crazy Ex-Girlfriend“ ein Klischee wie es in Liebeskomödien gut möglich wäre, aufgreift und gekonnt zerlegt. Liebe heilt eben nicht alles. Und je mehr Rebecca versucht, ihre Probleme zu ignorieren, desto deutlicher sichtbar wird für ihre Zuschauer, dass sie damit auf einem selbstzerstörerischen Weg ist.

So gesehen mag das banal erscheinen, denn mit einem gewissen Realismus-Anspruch sollte schließlich klar sein, dass psychische Probleme sich nicht automatisch in Luft auflösen, nur weil sich eine Person verliebt. Nur vermittelt „Crazy Ex-Girlfriend“ diesen Anspruch nicht. Die Serie ist kein Drama, sondern ein Musical voller Comedy-Elemente. Da hätte ich eine Form von Überromantisierung schlicht erwartet, denn in die Regeln des Genres hätten die meisten Erzählmuster als Romantikkomödien – ob man sie nun gut findet oder nicht – schlicht gepasst.

Klischee aufgegriffen und umgekehrt

Dazu kommt der erzählerische Kniff, dass Rebecca selbst ihre Abwärtsspirale kaum bis nicht bemerkt. Genauso wie Paula, ihre beste Freundin und Gehilfin in ihren überdrehten Versuchen, Josh zur Trennung von seiner Freundin zu bewegen. Beide stürzen sich nur auf das nächste Projekt, das dieses Mal aber wirklich zum absoluten Happy End führen soll. Eines chaotischer, übergriffiger und destruktiver als das andere. Aufgezogen wird alles an den Anfängen von klassischen Romantikkomödien-Archetypen und -Erzählmustern: Der übermäßig idealisierte Love Interest, die zickige und wunderschöne (Noch-)Freundin des Love Interests, die beste Freundin der Heldin, die immer gute Ratschläge gibt, Makeover-Szenen und der „nette Kerl“, der in die Heldin verknallt ist, während sie ihn aber kaum beachtet, obwohl er doch eigentlich für sie bestimmt ist.

Das ist – gerade für eine Parodie – sicher nicht revolutionär, aber eben trotzdem sehr pointiert. Was ich also eigentlich damit sagen will: „Crazy Ex-Girlfriend“ hat mehr Liebe verdient und warum gibt es darum eigentlich noch keinen Hype?

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