Ende gut, alle tot. – Wie Sequelism gute Geschichten zerlegt

Manche Geschichten gehen gut und manche gehen schlecht aus. Manchmal schlage ich ein Buch zu und bin glücklich, weil all meine Lieblingsfiguren es sind. Und manchmal bleibe ich mit gebrochenem Herzen zurück, weil alles in der Katastrophe geendet hat. Aber wirklich schlimm ist nur eines: Sequelism und gar kein Ende.

Harry Potter and the Neverending Story

Seit einem Jahr steht „Harry Potter and the Cursed Child“ in meinem Regal. Seit einem Jahr nehme ich mir immer mal wieder vor, das Buch zu lesen, und seit einem Jahr tue ich es doch nicht. Neben den üblichen Ausreden wie Zeitmangel, anderen Büchern, die ich mir vornehmen will, oder dass ich gerade nicht die Ruhe habe, mich auf eine neue Geschichte um Harry, Ron und Hermine einzulassen, verspüre ich außerdem einen gewissen Widerwillen, mir diese Fortsetzung von etwas vorzunehmen, mit dem ich eigentlich schon abgeschlossen habe.

Ich bezeichne mich eigentlich gerne als „Potterhead“, also als „Harry Potter“-Fan, trage im Winter stolz einen Ravenclaw-Schal mit Hauswappen und sammle die illustrierten Schmuckausgaben der Reihe. Trotzdem habe ich nach wie vor „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ nicht gesehen genauso wenig wie ich „Harry Potter and the Cursed Child“ gelesen habe und eigentlich habe auch eigentlich nicht vor, das zu ändern. Für mich hat das „Harry Potter“-Universum in dem Moment sein Ende gefunden, als Harry und seine Freunde als Erwachsene auf dem Gleis 9 3/4 standen, um ihre Kinder in den Hogwarts-Express zu setzen. Als Voldemort besiegt und die Helden, die mich durch meine Kindheit und Teenagerjahre begleitet haben, ihre Welt gerettet und ihr Happy End bekommen hatten. Und bei aller Liebe zu diesem Universum, das mir so viel gegeben hat: Dieser nie enden wollende Sequelism, dieses Prinzip, immer noch eine Geschichte hinterher zu schieben, das ist etwas, dem ich bewusst mich zu entziehen versuche.

Denn auch wenn sowohl die „Fantastic Beats“-Filme als auch „Cursed Child“ genauso wie J. K. Rowlings nachträgliche Enthüllungen eher optionale Erweiterungen der ursprünglichen Reihe sind, zerfasern diese Erweiterungen ein eigentlich sehr stringentes Universum. Das mühsam aufgebaute Gefühl, eine runde und in sich geschlossene Geschichte zu haben, wird brüchig und beginnt zu splittern, denn die Geschlossenheit wird immer weiter unterwandert. Das ist schade und bricht mir auch ein wenig das Herz. Nicht weil ich das „Harry Potter“-Universum nicht mehr mögen würde, sondern genau weil ich es noch immer mag.

Supernatural und das langsame Löchern einer stringenten Geschichte

Es ist eigentlich schon ironisch, dass eine so grandiose Reihe wie „Harry Potter“, aus der ein paar meiner liebsten literarischen Figuren überhaupt kommen, dasselbe Problem wie „Supernatural“ hat. Eine Serie, die zwar seit der ersten Staffel unterhaltsam geschrieben ist, aber in ihrer Tiefe eigentlich nicht mit „Harry Potter“ mithalten kann. Selbst unter Fans der Serie ist man sich oft weitgehend einig, dass der Kern der Geschichte um die Dämonen jagendenden Brüder Sam und Dean mit der fünften Staffel geendet hat oder dass damit zumindest ein erster großer Zyklus zu Ende ging. Eric Kripke, der Schöpfer der Serie, hatte die Geschichte seiner Winchester-Brüder erzählt und stieg danach auch prompt aus dem Projekt aus, als man sich entschied, „Supernatural“ aufgrund seines Erfolgs trotzdem weiter zu führen.

Daraus ergibt sich vor und hinter den Kulissen ein deutlich spürbarer Bruch, der bis heute der Serie als eine zusammenhängende Geschichte mehr geschadet hat als nützt. Seitdem dreht sie sich immer wieder im Kreis, die Konflikte wiederholen sich, kaum eine Nebenfigur oder ein Bösewicht sind so klar und gut konturiert wie es Gabriel, Jo, oder Luzifer in den ersten fünf Staffeln waren. Wenn die Serie jemals ein tatsächliches Ende finden und nicht einfach abgesetzt werden sollte, wird das jetzt sicher nur noch mit dem endgültigen Tod beider Brüder gehen und sicher kontrovers aufgefasst werden. Für alles andere ist es zu spät, schlicht weil in der Geschichte die Gelegenheit verpasst wurde, nach einem klaren Spannungsbogen mit einem stringenten Abschluss es auch bei diesem Abschluss zu belassen.

Nun sind Serien selten ein gutes Beispiel dafür, wie man einen klaren Spannungsbogen mit einem guten Ende erzählt, weil die meistens ausgeschlachtet werden bis ein Sender sie eben absetzt, schade ist dieses Untergraben und Auflösen eines eigentlich vorher recht geschlossenen und stringent erzählten Universums trotzdem. Und so unterhaltsam zum Beispiel die 200. Folge der Serie als Musical-Special auch ist: Diese Art von Sequelism ist belanglos.

Lieber ein brutales Ende als gar kein Abschluss

Dabei bin ich oft selbst hin und her gerissen: Ich schätze ein brutales, aber gutes Ende sehr. Wer mich kennt, weiß, dass mich das Ende des „Trespasser“-DLCs zu „Dragon Age: Inquisition“ eiskalt erwischt hat, gleichzeitig halte ich es gerade deshalb für gelungen. Als ich vor Jahren die letzten Seiten der „Die Gilde der Schwarzen Magier“-Trilogie von Trudi Canavan gelesen habe, fand ich es schrecklich, mit wie viel Dramatik und Leid für die Figuren sich die Geschichte auflöste, die ich so lieb gewonnen hatte. Und dennoch hätte ich das Ende nicht anders haben wollen. Und diese Liste lässt sich beliebig erweitern: Ob „Bartimäus“, „Dishonored“ oder eine banale guilty pleasure-Reihe wie „Chicagoland Vampires“ – Ein scharfer Schlussstrich unter einer Geschichte ist mir im Zweifelsfall immer lieber als Sequelism, bei dem ich zusehen kann, wie sich alles, was ich daran mochte, in Luft auflöst. Die Folge-Trilogie zu „Die Gilde der Schwarzen Magier“ habe ich deshalb genauso wie „Chicagoland Vampires“ abgebrochen. Und was nach dem passiert, was ich als meinen persönlichen Schlussstrich ansehe, möchte ich eigentlich auch gar nicht so genau wissen.

Ich will eigentlich nur meine lieb gewonnenen Helden gedanklich und physisch ins Regal stellen, ab und zu sie wieder aus dem Regal nehmen und durch ihre Geschichten blättern, aber abgesehen davon sie auch ein wenig begraben können. Mit einem toten Protagonist kann ich leben. Einer, dessen Geschichte nie einen echten Abschluss dagegen findet, stört mich ungemein. So weit bis seine Geschichte in dem paradoxen Versuch, eine Fangemeinde weiter zu füttern, schlicht für mich nach und nach zerlegt und zerstört wird. Und das haben diese Helden eigentlich nicht verdient.

Das hier ist mein Beitrag zur Blogparade zum Thema „Ende?“ auf schraeglesen. Hier kommt ihr zur Blogparade selbst und hier zu Startbeitrag.

Artikelbild: „Old Medieval books“ von „judy dean“ via Flickr (CC BY 2.0)

21 Kommentare

  1. Zustimmung in allen Punkten. Und hier hast du auch zwei Beispiele gewählt, die mich auch gewurmt haben: Harry Potter und Supernatural. Auch ich gehöre zu der Fraktion, die das Ende der Serie nach der fünften Staffel sah. Auch wenn ich es dann doch noch bis zu neunten Staffel ca durchgehalten habe, war die Liebe irgendwie vorbei. Besser ein Ende mit Schrecken als gar kein Ende. Und leider konnten mich auch die Fantastic Beats und das Cursed Child nie wieder so in die Welt der Zauberer und Muggel einladen. Manche bin ich sogar enttäuscht, wenn es zweite Staffeln von irgendwas gibt (Stranger Things).
    Aber nicht nur um der Geschichte willen, sondern weil ich da einen Kapitalismus auf Kosten meiner Helden vermute, der mir gar nicht schmeckt.

  2. Pingback: CROSSMEDIACULTURE: In 1000 Komplettierungen durch das Leben

  3. Sehr schöner Artikel, da kann ich fast nur zustimmen. Ich bin jedes Mal deprimiert, wenn ich höre, dass Supernatural immernoch läuft und kann es inzwischen auch echt nicht mehr sehen. Und das färbt dann auch ein wenig auf die Meinung zu den alten Staffeln ab. Und ich hab mich gestern erst geärgert, als ich das Poster zum Voldemort-Spin-Off entdeckt hab. Ich meide genauso Magische Tierwesen, wie ich The Cursed Child meide. Ich war so froh, dass die Reihe beendet und erstmal in Ruhe gelassen wurde (für mich endet sie auch schon vor dem Epilog). Genau wie Herr der Ringe, ich kann auch da auf eine Amazon-Serie verzichten.

    Allerdings brauche ich dafür auch kein richtig abgeschlossenes Ende. Ich finde es ebenso ärgerlich, dass heutzutage meist jedes kleine Detail aufgeklärt werden muss, damit man die Fans nicht in der Luft hängen lässt. Ich will in der Luft hängen, damit ich die Freiheit hab, selbst zu spekulieren und mir mein Ende zusammenzureimen. Wenn man versucht alles zu erklären, verstrickt man sich nur in Widersprüche, die dann wieder kritisiert werden können. Ich bin für mehr offene Enden, in denen zwar der Hauptkonflikt geklärt wird, aber die Details offen bleiben dürfen.

  4. Ich stimme Dir spontan zu und habe mich damals auf die Star-Wars-Prequels gefreut (da wird ja immerhin vieles erklärt, was später wichtig wurde), nicht aber so sehr über die neuen Folgen, da ja mit Rückkehr der Jedi-Ritter wirklich alles gesagt und eben Schluss war.

    Ich frage mich nur, ob mit dem beschriebenen Sequelism nicht womöglich zum Ausdruck gebracht wird, dass unsere eigenen Lebenswelten eben auch keine abgeschlossenen Romane mehr sind und dass ein glückliches Ende auch nur momentan ist und dass auf ein schlimmes Unglück oft doch wieder bessere Zeiten kommen. Vielleicht bildet dieses „Immer-weiter-Erzählen“ einfach unsere aktuelle Lebenswelt ab.

    Ich habe mich früher in der Tat häufig nach dem Happy End eines Hollywood-Liebesfilmes gefragt: Und nu?

    • „Vielleicht bildet dieses „Immer-weiter-Erzählen“ einfach unsere aktuelle Lebenswelt ab.“ – Puh, das wäre denke ich eine schöne Interpretation, aber wenn ich ehrlich bin, tippe ich eher auf komerzielle Interessen. Sequelism beinhaltet auch oft ein gewisses Geschäft mit der Nostalgie und der Liebe einer Fanbase für bestimmte Figuren. Das ist auch jetzt nicht automatisch verwerflich, denn ganz offensichtlich gibt es viele Leute, die daran Spaß haben. (Inklusive mir bei manchen Geschichten und Universen.) Manchmal fände ich es nur schöner, wenn neue Ideen und Geschichten ihre Chance bekommen würden statt eine schöne Story so lange fortzuführen bis nichts mehr von ihr übrig ist.

  5. Schöner Artikel, hat mir gut gefallen.

    Ich sehe es so:
    Wenn Autoren Ideen für zig Bände haben, sollen sie die gerne schreiben und ich lese das auch.

    Aber „was nicht geht“, wenn nur wegen Vermarktung ein Band auf eine Trilogie gestreckt wird oder aufgrund des großen Erfolgs nach den perfekten Ende die Geschichte einfach weitergeht. Meistens macht sich da nämlich dann sehr bemerkbar, was du oben beschreibst: Das große Konzept fehlt und es wird einfach nur die Nachfrage bedient.

    Dabei gibt es ja durchaus Möglichkeiten, zumindest in der gleichen Welt zu bleiben und dann zum Beispiel die Geschichte einer Nebenfigur, von Vorfahren oder Nachfahren zu erzählen. Die dann einen vernünftigen Story-Arc bekommen.

    Mein Standpunkt ist daher, dass lieber mal neuen Ideen eine Chance gegeben werden sollte, anstatt die x-Variation des immer gleichen Plots eines Autors zu bejubeln. Damit dieser sich kreativ weiterentwickelt. Denn es ist für viele Autoren natürlich auch sehr bequem, immer dasselbe abzuliefern.

  6. Hi Aurelia,
    vertrau mir, lies ruhig das „Cursed Child“ 😉 ich hatte auch kurz Bedenken, ob es den Abschluss der Reihe zerstört oder ob ich dann nicht mit der Potter-Reihe emotional abschließen kann. Aber es war ja gar keine „Konkurrenz“ zur eigentlichen Reihe. Durch die Form des Theaterstücks und dadurch, dass die Hauptfiguren ganz neu sind, hat es sich auch nur wenig wie HP angefühlt. Es war sehr spannend und unterhaltsam, aber eben ganz anders als die Reihe.
    Als erklärter Whovian ist mir bei deinem Artikel gleich die Frage eingefallen: Ist Doctor Who nicht die absolute Steigerung des Sequelismus? 🙂 Es gibt einerseits schon größere Einschnitte und Abschlüsse durch neue Doctor-Darsteller, aber an sich bleibt der Charakter gleich, Motive wiederholen sich, etc. Trotzdem bleibt der Plot spannend und kreativ! Falls du die Serie auch gesehen hast, würde ich mich freuen, deine Meinung dazu zu hören.
    Auf jeden Fall: Danke für den Artikel!
    LG, Sabine

    • Irgendwann werde ich bestimmt noch Cursed Child lesen, da ist mehr das Ding, das ich mich nicht so richtig motiviert bekomme, wie bei allem, das Rowling noch so hinterher geschoben hat.
      Und mit Doctor Who hast du mich jetzt erwischt: Das ist das eine Beispiel, das null in meine Sequelism-These reinpasst 😀 Wobei man da ja auch argumentieren könnte, dass jeder Doctor irgendwo in sich abgeschlossen ist. Gibt auch da ja Fans, die erst mit dem 9. Doctor oder sogar später eingestiegen oder nach einem bestimmten Doctor ausgestiegen sind. Dann ist mir meistens auch jedes Sequel ohnehin egal: Ich brauche nur diese Möglichkeit, einen Abschluss zu haben, dann bin ich schon happy 😉

  7. Hallo Aurelia,
    Einerseits verstehe ich dich. Andererseits bin ich vermutlich genau die Leserin, für die es Pottermore und die Fortsetzungen gibt.
    Als ich im Kino den zweiten Teil des siebten Films gesehen habe – und wusste, danach ist Sense, danach kommt nichts – tat das körperlich weh. Ich hatte das Gefühl, dass da ein Loch gerissen wird. Vielleicht, weil ich mit Harry Potter aufgewachsen bin, seit ich zehn Jahre alt war und 2011 das Gefühl hatte, dass hier etwas endet, was mich mehr als die Hälfte meines Lebens begleitet hat (ich bin frisch 21 geworden, als der Film erschien).
    Als hätte man mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich war unvollständig. Jede Möglichkeit, noch etwas aus der Welt mitzunehmen, habe ich ausgeschöpft. Jedes Fitzelchen Infos aus JKRs Interviews memorisiert. Fanfiction gelesen und sogar wieder eine geschrieben.
    Ich fühlte mich wie eine Ertrinkende.
    Und jetzt geht es weiter. Und ich fühle mich wieder vollständig.

    (Das klingt so dermaßen melodramatisch … ^^).

    Und ich gebe zu, ich reibe mich auch aus Autor*innensicht etwas daran ^^. Weil … naja, ich habe mit meinen Vampiren noch keinen Cent verdient. Aber ich habe eine neunbändige Reihe geschrieben. Und arbeite an einem Sequel, das auch schon wieder drei Bände hat. Und es sind noch mehrere Sequels geplant, jetzt schon, die ich schreiben will, sobald …
    Du verstehst? 😀
    Und erst mit einer Reihe, deren Titel ich jetzt schon habe, die ich aber wohl vor 2025 nicht schreiben werde, habe ich mal die HAUPTSTORY abgeschlossen. Und dann mache ich mich an die ganzen Nebenstorys, die unter den Tisch fallen mussten. Von denen ich teilweise seit 2009 weiß, dass ich die irgendwann schreiben muss, weil sonst wichtige Ereignisse nie erzählt werden.
    Äh …
    Jedenfalls, hier stehe ich und kann nicht anders oder so.
    Und wenn das Franchise mal einen Verlag kriegt, der aber irgendwann sagt „Aus die Maus, ich will die Kuh nicht mehr melken“, kommt der Rest halt im SP, aber das sind Storys, die wollen aus mir raus oder ich platze.

    • Erstmal danke für deinen ausführlichen Kommentar 🙂 Ich störe mich im Grunde auch nicht per se an Sequels (gibt auch durchaus Reihen, da warte ich selbst sehnsüchtig auf jede Fortsetzung), allerdings leben wir in einer Zeit voller Sequels, die nur noch ein Geschäft mit der Nostalgie machen und damit nachträglich bestehende Geschichten für mich ein wenig abwerten, indem z.B. hektisch eine Lösung für das niederschmetternde Ende eines Vorgängers hingebogen wird, um ja irgendwie eine neue Story basteln zu können. Manchmal ist mir das auch egal, weil ich für mich dann einfach aussteigen kann, im Fall von Harry Potter kann man sich schon allein aufgrund des schier allgegenwärtigen Marketings dem kaum entziehen, womit für mich die Zerfaserung auch zu „Problem“ wird, selbst wenn ich diese weiteren Fitzel eigentlich gar nicht konsumieren möchte.
      „aber das sind Storys, die wollen aus mir raus oder ich platze“ – Das ist im Grunde das, was ich mir wünsche. Geschichten, deren Anzahl Bände nicht von Sequelism oder Fanservice, sondern von ihrem Plot und ihren Geschichten abhängt. Die man, wenn sie einen begeistern, komplett aufsaugen oder nach einer runden Hauptstory abschließen und gedanklich „wegräumen“ kann. Sequelism im negativen Sinne bedeutet für mich immer, dass immer noch eine Story hinten dran gehängt wird, nur um halt noch eine Story zu haben. Und bei aller Liebe zu Harry Potter fallen da eben Fantastic Beasts genauso wie Cursed Child für mich drunter. Das ist schlicht nicht mehr „mein“ Potter-Universum, sondern etwas anderes, das in diesem sehr speziellen Fall (weil ich eben eigentlich auch sehr daran hänge) leider den Rest fast ein wenig abwertet, weil es für mich die Stringenz untergräbt.

      • Danke für deine ausführliche Antwort <3. Jetzt sehe ich auch den Unterschied zwischen dem, was du nicht magst und dem, was ich tue.
        Ich setze ja fort, weil in meinem Kopf dieses Riesenchaos ist und die Geschichte vermutlich erst fertig erzählt ist, wenn ich irgendwann mal alle abmurkse…

  8. Hallo Aurelia,

    ein großartiger Artikel, der das diffuse Gefühl, dass ich dem Harry Potter Frachise seit Längerem gegenüber hege, wunderbar in Worte gefasst hat! Beziehungsweise auch gegenüber generell zu lang gezogenen Serien, Filmen und anderem.
    Besonders unterstützen kann ich da deine Sicht auf einen harten Schlussstrich. Natürlich tut das gern mal weh, weil vielleicht viel unklar geblieben ist, aber eben darin findet sich – meiner Meinung nach – auch der nie endende Quell von Fanart, FanFIction etc. Diese „Löcher“ oder abgeschnittenen Erzählstränge machen ein Fandom so, so spannend und rich in content, weil es sich in alle Richtungen bewegen und alle möglichen Versionen ausspielen kann. Da findet nicht nur jeder seinen Zweig, wenn er möchte, sondern man kann die Geschichte auch schlicht und ergreifend ruhen lassen, wenn man sie genau so verabschieden möchte. Deshalb ja – zu viele Erweiterungen, Sequels und Spin Offs machen die Sache definitiv kaputt und bei Supernatural und Harry Potter ist es für mich auf jeden Fall dadurch kaputt gegangen und das auch (leider) wahrscheinlich für immer 🙁

    Beste Grüße,
    Tabi

    • Erstmal danke für den Kommentar und das Lob <3 An den Aspekt der Fankultur hatte ich noch gar nicht gedacht, stimmt aber natürlich auch. Ich denke auch, dass manche der "Löcher" in einer stringenten und unterhaltsamen Erzählung z.B. aufgrund des Mediums gar nicht gestopft werden können (z.B. in einem Film betrachtet man die Figuren halt normalerweise von außen und kann ihre Gedanken und Gefühle nicht direkt "lesen"), die aber wiederum in Fandoms ihren Platz finden können und sollten. Ein paar Dinge sind eben in der Fantasie der Konsumenten fast am schönsten. 🙂

  9. Ich kann nachvollziehen,warum du dich nicht weiter mit einem Universum beschäftigen willst, wenn es für dich abgeschlossen ist. Wenn ich ein Spiel spiele, eine/n Serie/Film schaue oder ein Buch lese, dann ist das Universum für den Zeitraum wo ich es erlebe, auch irgendwo meins. Da nehme ich mir dann auch heraus zu sagen, was mir gefällt und was nicht. Ohne das Schaffen des Schöpfers anzugreifen oder anzuzweifeln. So ist es dann auch, wenn das Universum erweitert wird. Durch Prequel, Sequel, oder Geschehnisse die zum gleichen Zeitpunkt mit anderen Figuren passieren. Und das finde ich erstmal nicht schlimm und macht das Werk an sich weder schlechter noch besser. Das Problem liegt er darin, dass das was ich mir ausmale über Geschehnisse in Geschichte XY sich von dem unterscheiden kann, was sich jmd anderes überlegt oder auch der Macher. Wobei dieser noch die größte Berechtigung hat an seinem/ihrem Werk zu arbeiten. Was ist aber, wenn ich die weitere Ausführung und den tieferen Blick in eine Welt schlecht finde. Ich könnte mir ein Harry Potter Prequel mit Voldemort vorstellen. Aber ist es nur in meinem Kopf ein toller Gedanke? Die Star Wars Prequels haben bewiesen, dass es nicht von Vorteil ist, eine Figur zu entmystifizieren. Matrix 2+3 haben versucht eine Welt zu erklären, die keinen wirklich interessiert hat.
    Ein Ende ist auch immer etwas persönliches. Wann habe ich genug von der Welt und sage, so möchte ich die Figuren in Erinnerung behalten.

    • „Wann habe ich genug von der Welt und sage, so möchte ich die Figuren in Erinnerung behalten.“ – Das ist denke ich ein guter und wichtiger Gedanke. Ich merke auch, dass mich Sequels etc. am meisten stören, wenn ich das Gefühl habe, ich bekomme keine Gelegenheit zum Abschluss. Star Wars ist ein schönes Beispiel: Das funktioniert finde ich auch gut in einzelnen Trilogien, genauso wie z.B. Fantastic Beasts ja recht optional im Harry Potter-Universum ist und es ein Prequel zu Voldemort ja auch wäre. Interessiert mich die Figur bzw. die Idee hinter so etwas, sehe ich es mir an, wenn nicht, ist es auch gut. Mal habe ich dann Spaß an Sequelism und mal ignoriere ich alles. Für mich verliert eine Reihe nur dann leider massiv an Wert, wenn aus einem potentiellen Ende eine Überleitung hingebogen wird, durch die ich dann z.B. als Leser sozusagen „in der Luft hänge“, wenn ich nicht weiterlesen will. (Harry Potter ist da die Ausnahme, weil ich sehr an der Reihe hänge und das Gefühl habe, ich will alles weitere, das hinterher geschoben wird, eigentlich konsumieren, während es mir aber gleichzeitig ein wenig die Originalreihe abwertet. Da bin ich dann selbst widersprüchlich :D)

  10. Ein toller Artikel, dem ich gar nicht mehr zustimmen könnte. Ich habe lieber ein schmerzhaftes Ende als gar keines. Das zieht sich bei mir sogar schon so weit, dass ich Trilogien echt nicht mehr lesen mag, weil ich das Gefühl habe, dass der Autor oft nur eine Geschichte für zwei (oder noch schlimmer, für ein) Buch gehabt hat, aber leider der Verlag mehr verlangt hat.
    Ein Autor, der mir da immer einfällt, ist leider Kai Meyer, von dem ich meistens die ersten beiden Bände seiner Trilogie lese und mich der dritte Teil dann maßlos enttäuscht.

    Aber ich denke leider ist der Grund dafür einfach: Es (wie Supernatural oder Harry Potter) hat einen etablierten Namen und macht Geld. Und Qualität oder Logik ist erstmal nebensächlich. Leider.

    • Erstmal danke für das Lob und den Kommentar. 🙂 Eine Trilogie finde ich gar nicht so schlimm, wenn dafür am Ende des dritten Bandes auch wirklich ein Abschluss steht bzw. ich die Möglichkeit habe, damit die Reihe zu beenden, selbst wenn es z.B. eine zweite Trilogie 20 Jahre später gibt. Ich brauche nur einfach irgendwo die Möglichkeit zum Abschluss oder Ausstieg, selbst wenn ich dann später finde, dass es Band 2 & 3 nicht gebraucht hätte. Der kommerzielle Aspekt mit den etablierten Namen stimmt natürlich und ist ganz sicher auch der (einzige) Grund, warum z.B. Supernatural noch läuft. Auch das kann ich verstehen, aber auf Konsumentenseite bricht es mir ein bisschen das Herz, weil ich eben weiß, dass ich deshalb nie meinen narrativen Abschluss so richtig bekommen werde.

Kommentar verfassen