Blogger & das Netz: Wie viel Privatsphäre habe ich eigentlich?

Blogger Privatsphäre
Vor kurzem ist mir ein Post von Mira von MiraDilemma, die vielleicht die Blogger unter euch ansonsten noch von Copy Paste Love kennen, untergekommen, der mich seitdem nicht mehr loslässt. Denn Mira hat einmal ein paar Gedanken dazu getippt, wie viel eigentlich okay ist, als Blogger der Welt preiszugeben.

Vermutlich muss sich jeder bloggende Mensch an einem gewissen Punkt diese Frage stellen: Wie viel ist für die Öffentlichkeit okay und was bleibt besser offline? Gleichzeitig habe ich sobald ich einen Blog betreibe, der nicht z.B. passwortgeschützt und nur für einen engen Familienkreis gedacht ist, nur noch eine eingeschränkte Wahl zu meiner persönlichen Privatsphäre. Denn dann ist ein Impressum pflicht, auch wenn ich noch immer wieder Blogs ohne eins sehe. Und zwar eines zumindest mit Klarname und Adresse. Selbst ein Pseudonym oder Künstlername wie bei mir bringt da im Zweifelsfall herzlich wenig, denn das Impressum bleibt immer noch nur einen Klick entfernt und öffentlich einsehbar.

Gleichzeitig (und das wissen wir alle) sind auch eine Menge Spinner im Netz unterwegs, denen ich mich damit mehr oder weniger ausliefere. Ich mache mich also schon allein mit dem puren Aufsetzen eines Blogs angreifbar. Wenn ich dann noch z.B. einen klassischen Lifestyle-Blog betreibe, in dem ich über meinen Alltag o.ä. schreibe, nur noch mehr. Mir persönlich sitzt an diesem Punkt bereits ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Ich bin ein im Grunde recht introvertierter Mensch, ich vertraue nur wenigen, aber denen vollkommen, und bei aller Liebe zu den Vorteilen des Internets oder der Bloggerszene, ich fühle mich ehrlich gesagt nicht wohl dabei, zu viele persönliche Informationen online zu stellen.

Ihr werdet mich z.B. auf Twitter nur selten etwas über meine Freunde oder Familie zwitschern oder gar Namen nennen sehen, genauso wenig wie ich nicht jemand bin, der täglich Selfies auf Instagram postet. Überspitzt formuliert: Informationen sind Macht und was weiß ich, welches Arschloch oder welcher Troll irgendwann noch einmal ein altes Posting ausgräbt? Ich mag das Netz, aber ich will nicht gläsern, will nicht transparent sein. Ich will mich noch an manchen Tagen einfach nur mit Netflix in meinem Bett verkriechen und die Welt Welt sein lassen können, ohne ein ungutes Gefühl haben zu müssen, ob die Information XY nicht doch zu viel war und ich mich dieses Mal nicht zu zu angreifbar gemacht habe.

Deshalb habe ich auch großen Respekt vor anderen Bloggern oder Youtubern, wobei letztere ja noch gerade z.B. mit Vlogs sehr viel mehr präsentieren als ein Blogger mit einem Text, die eben mehr preisgeben. Die praktisch jede Woche Fotos und Videos von sich online stellen, während ich fast drei Jahre gebraucht habe, um ein Portrait statt nur meinem Auge auf meine About-Seite zu stellen.

Vielleicht bin ich durch meine Vorsicht auch ein bisschen langsam, schleppend mit den Informationen, die ich hier preisgebe. Vielleicht baue ich so zu wenig „meine Marke“ auf wie es in der Million an Blogratgeber-Posts im Netz so oft heißt. Vielleicht wäre mein Blog „größer“ und bekannter, wenn ich meine Blogsposts im vertraulichen „Du“ schreiben würde und mich wie eine Freundin aus dem Netz inszenieren würde, wie es inzwischen so viele tun, aber ich weiß für mich, dass ich das nicht kann. Ich fühle mich nicht wohl dabei, mit einer für mich zu allererst einmal gesichtslosen Masse der Öffentlichkeit per Du zu gehen und so zu tun, als wäre jeder Mensch, der zufällig meinen Blog entdecken könnte, automatisch mein Freund. Es gibt ein paar Leute, die ich über meinen oder ihren Blog kennen gelernt habe und die mir über Twitter oder inzwischen auch von den Schreibnacht-Offline-Treffen her sympathisch sind, aber im ersten Schritt versuche ich für mich mir immer so viel Distanz zu wahren wie es gut ist.

Das mag bei jedem anders sein, aber dafür gibt dieser Post auch nur sehr random und aus dem Bauch heraus meine eigenen Gedanken zu diesem Thema wieder. 😉

 

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6 Kommentare

  1. Kristin S.

    Huhu 🙂
    Ich kann dich da auch vollkommen verstehen. Die Menschen vergessen irgendwie immer mehr, dass alles, was einmal im Internet ist, dort auch bleibt und von jedem gesehen werden kann. Besonders schlimm finde ich die Leute, die ständig Bilder ihrer Kinder auf Facebook posten, das geht für mich gar nicht.
    Ich persönlich achte auch sehr darauf, was ich über mich zeige. Bei einem Literatur/Buchblog muss man ja glückicherweise nicht so viel von sich selbst zeigen wie auf einem Blog wie Miras. Das finde ich auch gut so, aber trotzdem ist es mir manchmal immernoch zu viel, was ich preisgeben mus. Wie beim Impressum, das du schon angesprochen hast; einerseits will ich mich natürlich nicht strafbar machen und es unvollständig auf meinem Blog haben, andererseits war das auch ein Grund für mich, dss ich lange überlegt habe, ob ich wirklich Bloggen und damit dem Internet ud jedem Nutzer frei zugänglich meine komplette Anschrift verraten will.Und auch bei allem anderen überlege ich gründlich, was ich zeige und was nicht. Ich hab auch überhaupt kein Problem damit, wenn Leute mehr von sich zeigen als ich, ich schau mir schließlich auch gern Youtubevideos an und finde es toll, dass diese Menschen so viel von sich preisgeben. Allerdings gibt es darunter auch immer wieder Fälle, ei denen ich mir wünsche, die jeweilige Person würde sich ein bisschen mehr Gedanken machen und nicht so naiv an die Sache herangehen, sondern erstmal Nachdenken, ob sie etwas vielleicht doch nicht zeigt..;)
    Liebe Grüße an dich <3

  2. Ich sehe das ähnlich wie du und gebe auch recht wenig preis … bzw. nur nach und nach und nur bei Personen, die ich jetzt doch durch das Bloggen schon länger kenne. Da ergibt sich das dann einfach, dass man doch auch mal über „persönlichere“ Sachen spricht bzw. schreibt. Aber allgemein ist mein Blog halt ein Bücherblog – da möchte ich über mein Hobby schreiben und da es ja wirklich „jeder“ lesen kann, gehört da für mich zu privates einfach nicht rein.

  3. Oooooh ich wusste gar nicht, dass du ein Portrait online hast! <3

    Ich verstehe dich vollkommen. Ich hatte bei meinem Blog auch solche Bedenken und als ich mit YouTube anfing… nun ja. Da habe ich bis heute manchmal ein seltsames Gefühl. Desto privater es wird, desto seltsamer fühle ich mich. Andererseits bin es immer noch ich. Und ich will ehrlich sein. Auch im Internet. Deshalb die Kolumnen auf dem Blog und ab jetzt auch die Teatime Kategorie auf YouTube. Es macht mir einfach viel mehr Spaß als Rezensionen o.ä.
    Aber auch ich brauche Aufwärmphasen. Auf YouTube haben die anderen fast 1,5 Jahre nicht gewusst, wie ich richtig heiße, weil niemand erst auf den Blog und dann ins Impressum schaut. Ich habe meinen Namen nicht laut ausgesprochen und deshalb war er irgendwie unbekannt. Mit der Teatime ändert sich das jetzt.
    Manchmal habe ich ein mulmiges Gefühl, dass an Angst grenzt wenn ich so etwas mache. Aber irgendwie… ich weiß nicht. Ich versuche mutig zu sein. Mal sehen wie ich dazu stehe wenn ich damit eines Tages aufhöre und alles für immer irgendwie im Internet bleibt….

    • Siehst du, das habe ich also sehr gut versteckt! Muhaha! 😉

      Bei mir weicht sich das mit dem Pseudonym auch inzwischen immer mehr auf. Mit meinem privaten FB-Profil bin ich mit Klarnamen unterwegs, deswegen kennen mich inzwischen einige gerade durch die Schreibnacht und den Offline-Treffen dazu unter meinem „richtigen“ Namen genauso wie unter dem Pseudonym. Das macht mir auch nichts aus, da habe ich noch immer das Gefühl, eine klare Gruppe bzw. Gesichter vor mir sitzen zu haben, aber schon bei meiner About-Seite wüsste ich nicht, ob ich mich das so trauen würde.Aber es stimmt schon, ich hab glaub ich auch einfach so „Aufwärmphasen“, da muss sich einfach jeder die Zeit nehmen, die er braucht.

  4. Hallo und guten Morgen,

    ich sehe das eigentlich wie du. Auf meinem Lietraturblog steht wirklich haupsächlich nur etwas darüber, also Bücher und das ganze drum herum. Gut, ich habe eine Seite „Über mich“ und das stehen auch einige Private Dinge drin, aber mit dem kann ich leben, auch wenn ich das ein oder andere gut überlegt rein geschrieben habe. Auch bin ich kein Selfie Typ, im gegenteil, ich hasse es mich zu fotografieren oder fotagrafieren zu lassen und doch, gibts selnten mal ein aktuelles Bild von mir auf Instagram. Aber die muss man wirklich suchen. Mich selber langweilen Profile die nur aus Selfis bestehnen. Ich frag mich vor allem welchen Geltungsdrang so ein Mensch haben muss. Nichts für mich.

    Ich denke man soll so viel preisgeben wie man selber denkt das es für einen selber oky ist. Gläsern sind wir eigentlich schon lange, ob gewollt oder nicht, da reicht es schon das man bei FB ist, oder du mit Karte bezahlst oder die ein oder andere Kundenkarte im Portemonaie hast.

    Klar, Spiner gibts überall. und ja, wenn man im Netz unterwegs ist, macht man sich angreifbar. Wie sehr, muss jeder für sich entscheiden. Manchmal brauchts auch wirklich ne dicke Haut oder durchhalte vermögen, es ist, wie in meinem Fall, leider nicht immer toll aber, seit ich mich geqoutet habe, hab ich auch viel Zuspruch bekommen 😉 Also, privates öffentlich machen, kann auch gut sein 😉

    Liebe Grüsse
    Alexandra

    • Klar, de facto sind wir alle längst gläsern und ganz bestimmt gebe ich mich mit meinen Privatsphäre-Gedanken auch ein Stück weit einfach einer Illusion hin, aber den Punkt, dass man sowas eben immer selbst entscheiden muss halte ich auch für richtig. Ist wie bei allem einfach ne zweischneidige Sache 🙂
      lg
      Hekabe

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