Banished: Kleines Budget, aber richtige Ausführung

Sie sind eine kleine Gruppe, nur eine Hand voll Familien. Ausgestoßen, verbannt kommen sie an einem fremden Ort an und haben nichts mehr bei sich als das Bisschen, das sie aus ihrer alten Heimat haben mitnehmen können. Nun breitet sich vor ihnen weites Land aus. Es ist rohstoffreich – viel Wald sowie Stein- und Eisenvorkommen – aber einsam. Um den ersten Winter zu überleben, müssen die Siedler das sammeln und jagen, was sie vorfinden. Danach müssen Felder umgegraben und Viehgatter gebaut werden, aber auch ein Holzhacker muss sich um Brennmaterial für die Feuerstellen der kleinen Häuser kümmern. Zivilisation? Davon sind wir noch weit entfernt…

So in etwa könnte man die Ausgangssituation von „Banished“ beschreiben. Ein kleines, aber feines Indie-Game, das schöner Weise im Gegensatz zu seinen Blockbuster-Cousins einmal hält, was es verspricht. Denn während Desaster wie das letzte SimCity und ähnliche Strategiegrößen sich in überaufwendiger Grafik, Bugs, zu komplizierten Gameplay oder horrenden (Ingame-)Preisen verloren haben, ist „Banished“ zwar vergleichsweise überschaubar, aber gut durchdacht. Und erstaunlicher Weise auch noch schwerer als vermutet.
Das beginnt schon dabei, dass alte Vorgehensweisen, die man eben aus anderen Strategiespielen  kennt, nicht funktionieren: Das Spiel startet und wir klatschen zu allererst einmal ein halbes Dutzend Felder in die Gegend? Das geht früher oder später schief, denn egal, was wir vorhaben, auf diesen Feldern anzubauen: Die Ernte wird erst im Herbst eingefahren. Davor kommen nicht nur ein langer Winter, der dabei das nur offensichtlichste Problem ist, sondern auch Frühling und Sommer und spätestens während letzterem werden wohl auch die letzten Nahrungsvorräte aufgebraucht. Außerdem: Wer soll all diese Felder bestellen? Schließlich ist auch die Anzahl unserer Arbeiter begrenzt, auch wenn Kinder schon mit zehn als erwachsen gelten, wenn es keine Schule im Dorf gibt.
Aber keine Panik: „Banished“ bietet noch eine ganze Reihe an anderen Möglichkeiten, die Ernährung unserer Siedler sicher zu stellen.

Ein paar Felder, ein paar Tiere, eine Kirche und ein paar Holzfäller. In „Banished“ sind die Siedlungen sehr lange, sehr übersichtlich, auch wenn die Grafik heillos veraltet ist.

Das ist aber noch nicht genug: Feuerholz, Werkzeug, Kleidung und vielleicht sogar eine Kirche, damit die Menschen etwas weniger unzufrieden sind, denn seltsamer Weise will dieses undankbare Pack auch noch glücklich sein! 😉
Die Aufgaben multiplizieren sich weiter und weiter, sobald wir für mehr Nahrung sorgen wollen, brauchen wir mehr Arbeiter, das bedeutet, dass die Bevölkerung wachsen muss und somit neue Häuser gebaut werden, die wiederum beheizt werden müssen… Dieses Prinzip geht weiter und weiter, wenn ich Pech habe, dann kommt mir auch noch eine Seuche zwischen meinen Plan für das Dorf, Menschen sterben und die Siedlung wird in ihrer Entwicklung um ein paar Jahre zurück geworfen. In kurzer Zeit eine Großstadt aufzubauen, das geht bei „Banished“ wohl kaum.
Doch genau das ist es, was das Spiel so interessant macht: Es ist schwer und fordert mich als Spieler heraus, meine nächsten Züge gut zu überdenken, während das Dorfleben vor meiner Nase ganz gemütlich weiter kriecht. Alles entwickelt sich sehr langsam, was mich zu einer langfristigen Planung zwingt, die ich von ähnlichen Spielen so gut wie nicht gewohnt bin.

Zugleich stößt das Spiel ständig an seine Grenzen: Die Gebäude lassen sich nicht einfach upgraden, um so z.B. mehr Arbeitsplätze und eine erhöhte Produktion zu schaffen, die Schwierigkeit lässt sich nur für die Ausgangssituation (Anzahl der Familien, bereits gebauten Gebäude, Samen, Tiere etc.), aber nicht für den weiteren Spielverlauf einstellen, die Grafik ist heillos veraltet – spontan muss ich dabei immer noch an Zeiten von „Age of Mythology“ und ähnlichen Spielen denken – und wenn ich mir die Baumöglichkeiten so ansehe, dann merke ich schnell, dass „Banished“ wohl eher weniger darauf ausgelegt ist, einen Ort tatsächlich zur (wenn auch eher mittelalterlichen) Großstadt auszubauen. Zugleich macht aber auch gerade diese verschlafene, etwas retromäßige Art den Charme des Spiels aus.
Denn: Die Details stimmen. Tiere können nur gehalten werden, wenn ich welche kaufe oder gleich zu Spielbeginn mitbringe, für Pflanzen brauche ich nun einmal die passenden Samen, deren Vielfalt ich dadurch aufstocken kann, dass ich bei fremden Händler meine eigenen Waren gegen welche eintausche usw. Das gibt dem Spiel auf der Dorfebene eine interessante Tiefe, die erfrischend ist und so viel Spaß macht, dass man über einige der Schwächen getrost hinweg sehen kann.
Und außerdem: Einiges weitere (u.a. eine deutsche Übersetzung) lässt sich auch sehr gut dank der recht aktiven Moddercommunity ergänzen.

Das alles macht „Banished“ zu einem sehr kleinen und einfach gestalteten, aber interessanten Spiel, das angesichts eines recht niedrigen Preis (18,99€, Stand: 11.01.15) erstaunlich viel Spaß bietet.

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