Asterix #36: Enthüllungsjournalismus bei den Unbeugsamen

Asterix 36 Papyrus des Cäsar
Seit dem 22. Oktober kloppen sich wieder meine Lieblingsgallier mit einer neuen Geschichte durch die Antike und zum ersten Mal seit ein paar Heften habe ich das Gefühl, wieder einen wirklich guten „Asterix“ vor mir liegen zu haben. Denn darin erscheint Cäsars Buch! Unter dem – wie Cäsars Berater Syndicus ihm versichert – sehr griffigen Titel der „Kommentare zum Gallischen Krieg“ veröffentlich der Imperator in Rom seinen Bericht über die Eroberung Galliens und landet damit einen Bestseller. Das Buch hat nur einen Fehler: Das unterschlagene Kapitel über die „Rückschläge im Kampf gegen die Unbeugsamen Gallier in Aremorica“.

Ein Skandal, wie der Schreiber Bigdatha findet, der eine Kopie des Kapitels dem Kolporteur Polemix zuspielt. Im Dorf der Unbeugsamen geht derweil eher beschaulich zu, Cäsars Buch interessiert die Gallier eher weniger, dafür viel mehr das Horoskop des Druiden Apollosix in der „Gallischen Revue“. Umso mehr wirbelt Polemix ordentlich Staub auf, als er mit dem geheimen Kapitel im Dorf aufschlägt. Diese „netten Erinnerungen“ wie die Gallier finden, sollen einfach verloren gehen? Auf keinen Fall! Nur jetzt muss die Schriftrolle irgendwie in alter Druidentradition archiviert werden…

Der Autorenwechsel hat den Unbeugsamen gutgetan, das merkt man (inzwischen) auf so ziemlich jeder Seite, ganz besonders in dieser neuen Nummer. Denn das neue Duo hat sich mit „Der Papyrus des Cäsar“ auf die alten Stärken der Hefte besonnen und der Geschichte gleichzeitig seine eigene Note gegeben. Die Geschichte verdreht und spielt so durchgehend mit den historischen Fakten, sowohl oberflächlich mit der Existenz der Unbeugsamen als solche als auch im Detail (z.B. wird Cäsars Stil höher als der von Vergil gelobt, obwohl natürlich der theoretisch später als Cäsar war), zitiert regelmäßig in Wort und Bild vorhergehende Nummern (jedenfalls hatte ich bei ein paar auffallenden Parallelen dieses Gefühl) und bedient selbstverständlich auch die üblichen Erzählschema, für die die „Asterix“-Reihe bekannt und beliebt ist. Das ist alles nicht wirklich etwas Neues oder Revolutionäres, aber es funktioniert und macht Spaß.

Die auffälligste „Neuerung“ ist die, dass „Asterix“ inzwischen auch mit der Zeit gegangen ist und entlang der Frage, wie es eigentlich kommt, dass die Unbeugsamen in Cäsars „De bello gallico“ verschwiegen werden, die gesamte Nummer 36 diverse unserer modernen Kommunikationswege parodiert. Kurznachrichten per Taube, ein Druide, der von blauen Vögelchen begleitet wird und mit einer Flöte ein „Twiet“-Geräusch erzeugt und so eine Nachricht verschickt, die beiden Whistleblower Bigdatha und Polemix und nicht zuletzt Polemix‘ ewiges Gerede von der ganz großen Plaga versus (Schlagzeile).

Asterix 36 Papyrus des Cäsar tweet

Eine Parodie auf Twitter & Co.: Im neuen Asterix geht es nicht nur um Enthüllungen, sondern gleichzeitig werden auch einige unserer modernen Kommunikationswege gekonnt parodiert. Wie mit einem Druiden, der von blauen Vögeln begleitet wird und mit „Twiet“ eine Nachricht sendet.
(Foto: Geekgeflüster; Rechte am abgebildeten Strip liegen selbstverständlich nicht bei mir, sondern beim Verlag.)

Auch dieses Konzept bzw. dieser Running Gag ist im Grunde simpel, funktioniert aber genauso und lässt mir als langjähriger Asterix-Fan, der zuletzt meistens eher enttäusch war, das Herz aufgehen.
Warum? Weil damit „Der Papyrus des Cäsar“ mit vielen kleinen Dingen punktet, Details und netten Anspielungen, die den im Verhältnis recht einfachen und eher episodenhaften, wenn auch mit dem gesamten Enthüllungsplot relativ politischen Spannungsbogen (wobei mir ehrlich gesagt letzteres eher egal war, denn das ist nicht mein Anspruch an einen Asterix-Comic) mit links wettmachen.

Kurz: Der neue „Asterix“ macht Spaß. Endlich wieder und damit bin ich als Fan schon glücklich.

„Der Papyrus des Cäsar“ auf der Verlagswebsite. (An dieser Stelle auch noch einmal Danke an den Ehapa-Verlag für das Rezensionsexemplar.)

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