Assassin’s Creed (Film): Viel Kredo und wenig Handlung

Assassin's Creed Film Verfolgungsjagd
Wenn ein Film einen Plot anfasst, der schon in seiner Videospielvorlage seit einer Weile nicht mehr funktioniert, kann das dann gutgehen? Der neue „Assassin’s Creed“-Film beweist, dass es das nicht kann. Wie schon in den letzten Spielen der Reihe wie „Unity“ oder „Syndicate“ legt auch in der Filmadaption von Ubisofts Attentäter-Reihe der Grundplot eine saubere Bauchlandung hin. Und trotzdem halte ich „Assassin’s Creed“ für einen verdammt coolen Film.

Ein Drehbuch für die Tonne

Inhaltlich orientiert sich die Geschichte am ehesten noch an den frühen Spielen. In der Gegenwart rettet der Templerkonzern Abstergo den aus einer Assassinenfamilie stammenden Callum Lynch (Michael Fassbender) vor der Todesstrafe, allerdings nur, um ihn zu kidnappen. Wie beim Gegenwartsplot um Desmond im ersten Spiel ist Abstergo nämlich hinter dem Edenapfel her, weil der den Schlüssel zum freien Will enthalten soll. Die letzte Spur zu diesem Artefakt ist allerdings über 500 Jahre alt und sein letzter Hüter war Cals Vorfahr Aguilar, weshalb die Templer Cal in den Animus schicken, eine Maschine, mit der sie auf die Erinnerungen der Vorfahren eines Menschen zugreifen können. Das klingt schon nicht spektakulär und wird es auch auf der Leinwand nicht mehr.

Die eigentliche Handlung und über weite Strecken auch die Dialoge, das sind beides Dinge, die man getrost in die Tonne der eher mittelmäßigen Drehbücher packen und ab da ignorieren kann. Da findet sich Nichts, das nicht schon einmal da gewesen wäre, und kaum mehr, das nicht schon unzählige Male besser gemacht worden ist. Phrasen um den Edenapfel, die Templer und das Kredo der Assassinen werden hier in einem etwas pseudo-mystischen Brei aneinandergereiht und bis auf wenige, etwas pointierter gesetzte Momente gibt es da Nichts, das hängen bleiben könnte. Viele der Nebenfiguren wirken so blass, dass nicht einmal ihre Namen hängen bleiben, selbst wenn sie noch so oft vorkommen oder noch so wichtig wären. Viele werden onscreen nicht einmal mit ihren Namen angesprochen, sondern bleiben schlicht diffuse Staffage aus dem Hintergrund, und auch die Protagonisten selbst wirken immer wieder fahl und hohl als wären sie selbst nur Geister der Vergangenheit, auf deren Spuren sie sich bewegen.

Staubige Wüsten gegen einen futuristischer Megakonzern

Wie bei vielen der letzten „Assassin’s Creed“-Spielen kann auch die Filmadaption bei der Geschichte nicht überzeugen, dafür aber bei den Bildern. Da wechseln sich auf eindrucksvolle Weise die kühlen Blau- und Weißtöne des modernen Megakonzerns Abstergo mit den Braun- und Rottönen der trockenen Landschaft Spaniens ab und während sich in dem staubigen Nebel Assassinen des 15. Jahrhunderts bewegen, beobachten 2016 das alles die neugierigen Augen von Wissenschaftlern im Dienst der Templer. Gerade die Kampfszenen folgen ihrer ganz eigenen blutigen Ästhetik, die ganz klar nicht auf eine Form von historischer Korrektheit, sondern auf Szenerien ausgelegt ist, die einfach beeindruckend aussehen sollen. Wenn Aguilar und Maria in einer rasanten Verfolgungsjagd quer durch die Stadt von Dach zu Dach springen, durch Fenster krachen und eine kleine Armee an Templern nebenher erlegen und dann noch einmal an einem Gerüst in höchste Höhen klettern, dann hat das vielleicht nichts mehr Realistisches an sich, vermittelt aber auf sehr schöne Weise ein Gefühl von Geschwindigkeit, das Spieler auch aus der Vorlage kennen dürften. In diesen Szenen wird ein Gefühl aus dem Gameplay der Vorlage auf die Leinwand übertragen, ohne inhaltlich Vorwissen aus den Spielen zu verlangen. Im Gegensatz dazu wirken die Szenen im Templerkonzern Abstergo geradezu ruhig und harmlos, während sich gleichzeitig dort inhaltlich sehr viel mehr tut als in der Animus-Handlung.

Assassin's Creed Film Aguilar

Diese Art von Gegensätzlichkeit, die sich wie ein roter Faden durch den kompletten Film zieht, ist es auch, die die beiden Teile und Handlungsstränge so schön gegeneinander ausspielt. Aguilars Geschichte ist inhaltlich zweitrangig, sie ist eine Art Film im Film. Unveränderbar von der ersten Minute und dazu bestimmt, tragisch zu enden. Sie ist nur ein Mittel zum Zweck, herauszufinden, wo der Edenapfel versteckt ist, während die eigentliche Entwicklung um Callum vielleicht weniger Gewalt und Tod enthält, dafür aber für den Verschwörungsplot durch Abstergo umso wichtiger wird. Das geht bis zu den Farben der beiden Settings und dem Übergang dazwischen, der eindrucksvoll in gleißendem Licht geschaffen wird.

Assassin's Creed Film Abstergo

Interessanter Weise spürt man inhaltlich gleichzeitig relativ wenig von den „Assassin’s Creed“-Spielen. Der eigentliche Plot ist weitgehend unabhängig, besonders von den neueren Spielen, und auch hier sind die Zitate aus der Vorlage sehr oft eher visuell. Ein Adler, dessen Flugbahn die Kamera folgt, eine Armbewegung, die Callum durch den Sichereffekt lernt, die man als Spieler als typischen Angriff mit der versteckten Klinge erkennen kann und natürlich Waffen wie die versteckte Klinge selbst. Das Spanien im Film sieht mit seinen Sepiatönen immer wieder dem Heiligen Land der Kreuzzüge bei Altair sehr ähnlich und das Gebäude, in dem Abstergo Callum festhält, hat eine auffällige Ähnlichkeit mit den Bauten der Ersten Zivilisation. Das sind Details, die auch ohne den Spielkontext beeindruckend aussehen, aber gleichzeitig einen Bezug herstellen, ohne inhaltlich zu viel vorauszusetzen. Das gelingt nicht immer, aber meistens, was es im Ganzen aber bereits zu einer der besseren Videospielverfilmungen macht.

Ein Film, der seiner Vorlage mehr ähnelt als ihm guttut

Denn am Ende ist „Assassin’s Creed“ genau das: Eine eindeutig wunderschön anzusehende Videospielverfilmung, aber ein eher mittelmäßiger Film im Allgemeinen. Die Geschichte macht nichts her, aber selbst wenn man sich daran stört, so sieht zumindest jede Minute noch immer verflucht gut aus. Damit braucht es einen Sinn für schöne Bilder und Choreographien, um hieran Spaß haben zu können, denn sehr viel mehr bietet der Film auch nicht. Wo „Assassin’s Creed“ draufsteht, ist das nun einmal auch drin. Samt Stärken wie Schwächen. So gibt es auf wahrscheinlich ungewollte Weise noch eine Parallele zwischen Spielvorlage und Film: Er mag noch so wunderschön aussehen, das mit der Geschichte, das funktioniert auch auf der Leinwand nur begrenzt.

 

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1 Kommentare

  1. Ich weiß ja nicht, ob ich den sehen will. Bin eigentlich Fan der Reihe, aber Videospielverfilmungen klappen fast nie und wenn ich mich da an Ubisofts „Prince of Persia“-Debakel erinnere… wenn es den mal bei Netflix/Amazon gibt und ich Lust auf einen Film hab, der gut aussieht und sonst nichts, dann werde ich mir den vielleicht mal antun. 🙂

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