Assassin’s Creed 1 (Desmond): Klischee lass nach!

In der DNA von Desmond Miles stecken Geheimnisse, von denen er selbst noch nicht einmal etwas weiß. Erinnerungen und Taten seiner Vorfahren, das, was sie gesehen und das, was sie getan haben, samt all ihrer eigenen Geheimnisse. Und die sind wertvoll genug, als dass der Templer-Konzern Abstergo und seine Wissenschaftler ein Interesse daran haben, in den Tiefen der Vergangenheit zu wühlen, und ohne, dass Desmond so richtig weiß, wie ihm geschieht, stolpert er in einen uralten Kampf zwischen Templern und Assassinen.

„Assassin’s Creed“-Hintergrundinfos für Fans? Na, ja…

Wenn mir eine Welt oder ein Setting gefällt, dann kann ich sehr neugierig werden. Dann will ich möglichst alles darüber wissen und so viel wie möglich darüber erfahren. Das ist auch oder ganz besonders bei Spielen nicht anders. Ich gehöre zu dem Teil der Spielerschaft, der zumindest einen Teil der Bücher in „Skyrim“ oder die Hintergrundinfos aus den Datenbanken in „Assassin’s Creed“ auch wirklich liest und eigentlich am liebsten auch möglichst viel darüber erfahren will, was außerhalb der Kernstory eines Spiels liegt. Das Graphic Novel „Assassin’s Creed 1: Desmond“ sollte für mich genau diesen Zweck erfüllen: Eine eigentlich bekannte Story, angereichert mit Hintergrundinformationen und ein bisschen Weltenfutter, das vielleicht ein paar grobe Erzähltechniken aus den Spielen verfeinert. Ein wenig habe ich das auch bekommen. Zu einem guten Teil aber auch nicht.

Fangen wir mit den positiven Dingen an: Die Geschichte setzt ein bisschen früher an als das erste Spiel und erzählt so noch eine kleine Episode aus dem Leben eines von Desmonds Vorfahren vor Altair, Aquilus. Das ist insofern spannend, als dass damit kurz ein Setting angerissen wird, das ich mir für die Spiele tatsächlich mal wünschen würde: Ein Antikes, in dem auch kurz das Bruderschaftskonzept wieder passt, mit dem die Reihe seit den amerikanischen Spielen kämpft. Damit wird auf nur ein paar Seiten ein Setting und eine Geschichte angerissen, die auf traurige Weise das Highlight des gesamten Comics darstellt. Denn leider bleibt diese Episode genau das. Ein Exkurs in eine andere Epoche, die kurz abgehandelt und dann vergessen wird. Zwar mag das legitim sein, weil der Hauptfokus der Geschichte natürlich auf der Gegenwart liegt, aber gerade vor dem Hintergrund, wie sehr die gesamte Geschichte danach bergab geht, hinterlässt dieser kleine Ausflug in das Leben von Aquilus ein schales Gefühl.

Klischees bis zum Abwinken

Danach kommt nichts mehr, das tatsächlich als gut oder spannend anzusehen wäre. Ganz interessant ist, wie die Hintergründe bei Abstergo ein wenig angedeutet werden, besonders zu Lucys Arbeit dort, allerdings baut der Comic da, sobald die Erzählung tiefer in das Setting einsteigt, eher Unlogiken und Widersprüche zu der Geschichte der Spiele auf, was nicht groß stören dürfte, wenn man die Spiele eher flüchtig oder gar nicht gespielt hat, in meinem Fall dafür aber pures Gift war, schließlich wollte ich damit ein wenig mehr die Story aufsaugen. Dazu kommt die geballte Ladung Klischee, die spontan die Frage aufwirft, ob sich überhaupt jemand da Gedanken darüber gemacht hat, was das eigentlich soll, was da mit den Figuren angestellt wird. Lucy, die trotz allem eigentlich immer eine der besseren Frauenfiguren in den Spielen war, wird zu einer leicht reizbaren Kampfmaschine, die scheinbar nichts anderes mehr zu tun hat als andere anzukeifen oder in Rock und High Heels einen Allroundkick (siehe Bild unten) hinzulegen. Damit ist sie noch dazu leider nur die Spitze des Klischeeeisbergs.

Assassin's Creed 1 (Desmond) Lucy

Lucy ist leider komplett auf Klischees reduziert worden und das einzige, was sie innerhalb der Geschichte zu tun scheint, ist andere anzukeifen oder in Pumps und Rock um sich zu treten. (Bild: Eigenes Foto des Comics; Die Rechte am Abgebildeten liegen beim Verlag.)

Insgesamt wäre der Comic in keinem Fall umwerfend gewesen. Okay, das ja, denn z.B. der Zeichenstil ist zwar für meinen Geschmack ein bisschen zu hart und kantig, wäre aber zu dem ja sehr brutalen Setting passend gewesen, aber dann die Geschichte mit unlogischen Erzählungen und Klischees in den Sand zu setzen, war dann doch etwas zu viel. Kann man schon mal lesen, würde ich aber eher, wenn ihr den Comic irgendwo gebraucht und dementsprechend billiger bekommt, neu würde ich das Ding mir nicht mehr holen.

Kaufen?

Hier kommt ihr zu „Assassin’s Creed 1: Desmond“ auf der Verlagswebsite.

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Über uns Geekgeflüster

Ich bin Aurelia und blogge seit 2012 über Gaming, Bücher, Filme, Serien und mehr. Kurz: Das hier ist mein Geekgeflüster.

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