Arthur und Samantha: Indie-Perle mit Schwächen

AS: Arthur und Samantha Rezension
Als Samantha plötzlich wieder Zuflucht beim Orden sucht, sind ihre alten Freunde dort – allen voran Arthur – gelinde gesagt überrascht, hatten doch alle gedacht, sie hätte eine andere Seite gewählt. Nur die Welt, in der sie leben, ist kompliziert, weniges ist so leicht in schwarz und weiß einzuteilen, wie sich die meisten Beteiligten des Krieges, der gerade tobt, das vorstellen…

„Arthur und Samantha erzählen die Geschichte eines Krieges.“ – Selten ist mir ein Buch untergekommen, bei dem ein Satz aus dem Klappentext den gesamten Roman so gut zusammenfasst. Denn „Arthur und Samantha“ ist tatsächlich die Geschichte eines Krieges, noch dazu von einem nach einem besonders epischen Schema, dessen verschiedene Parteien in der Basis recht fest abgesteckt sind. Und gleichzeitig ist das Buch dann doch nicht einfach eine Geschichte von einem relativ x-beliebigen Krieg und seiner Helden, sondern mehr die einer Gruppe und ihrer internen Dynamik samt aller Ängste ihrer Mitglieder.

Konzeptuell ist in dieser Hinsicht „Arthur und Samantha“ genial und die Autorin zeigt, dass sie ihre beiden Titelhelden sehr gut kennt. Auf der einen Seite bekommt man als Leser die Perspektive von Arthur, der verzweifelt damit beschäftigt ist, eine bröckelnde Gruppe zusammen zu halten, während ich mich auf der anderen Seite gleichzeitig Dank Samatha, die man ein bisschen als eine Wanderin zwischen der verschiedenen Parteien bezeichnen kann, immer wieder gefragt habe, was es in der absoluten Basis denn jetzt eigentlich ist, das diese Gruppen voneinander trennt.

Das ist die größte Stärke und gleichzeitig auch die größte Schwäche des Romans: Der Krieg, um den es irgendwie geht, hinterlässt einen recht schalen und sinnlosen Eindruck, zugleich bin ich aber bis zum Schluss nur schwer durch die gesamte Welt, in der sich die Figuren bewegen, durchgestiegen. Vieles wirkt diffus, relativ wenige Nebenfiguren wurden mich als Leserin und damit zu dieser Welt Außenstehende richtig greifbar, sondern sind oft einfach Schatten geblieben, die irgendwann mal kurz auf- und dann wieder abgehen. Dazu kommt das ohnehin schon recht undurchsichtige Knäul an Handlungen, die die Vorgeschichte stellen und mehr als einmal viel zu beiläufig eingestreut werden.

Das unterstützt zwar insgesamt das Gefühl von Komplexität, das ich bei dem Roman habe, war unterm Strich dann aber doch ein Tick zu viel. Vielleicht hundert oder zweihundert Seiten mehr – die bei nicht ganz 200 Seiten Umfang auch drin gewesen wären – um die Welt und ihre Vorgeschichte genauer zu erklären und der gesamte Roman hätte eine etwas rundere Sache werden können.

Auch insgesamt habe ich bei „Arthur und Samantha“ den Eindruck, hier ein spannendes erstes Häppchen aus einer interessanten Feder zu haben, die aber noch Zeit braucht. Wie gesagt, das Konzept, das ich hinter der Geschichte sehe, gefällt mir sehr gut, auch weil es etwas vom Mainstream abweicht und einen wirklich spannenden Eindruck macht, es fehlt aber noch ein bisschen Reife. Das illustrierte Cover und die Zeichnungen im Inneren sind da – so schön sie von der rein ästhetischen Seite her im Einzelnen auch sind – symptomatisch und rahmen den eigentlich potentiell sehr anspruchsvollen Inhalt irgendwie etwas zu verspielt und wahllos ein.

Damit ist „Arthur und Samantha“ ist interessant und auf seine eigene Art eine Indie-Perle, ohne Frage, nur hat es ein Einseitigkeitsproblem. Das, was den Roman gut macht, sind weniger Schreibstil oder die eigentliche Erzählung, sondern mehr die Idee dahinter  und die beiden wirklich genau ausgestalteten Protagonisten. Vielleicht sind die Makel von „Arthur und Samantha“ aber auch etwas, das mit dem nächsten Buch der Autorin schwindet und allein dafür kann man sie auf jeden Fall mal im Auge behalten.

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