Armello: Wie ein Märchen als digitales Brettspiel

Armello River
Eigentlich finde ich Brettspiele ja doof. Vielleicht liegt es am „Monopoly“-Trauma meiner Kindheit, weil ich bei diesem Spiel gefühlt immer verloren habe, aber irgendwie kann ich den wenigsten dieser Spiele etwas abgewinnen. Erst recht nicht digital, wo meistens der für mich einzig witzige Teil einer gemütlichen Runde unter Freunden wegfällt. Trotzdem spiele ich nun inzwischen seit ein paar Monaten mit Begeisterung „Armello“. Warum eigentlich?

Ein verrückter König, dunkle Magie und tierische Helden

Ein wenig mutet die Ausgangssituation jeder Partie „Armello“ wie eine Fabel oder ein Märchen an: Der König, ein Löwe, ist von „der Fäule“ befallen, eine dunkle Magie, die ihn in den Wahnsinn treibt, und die Vertreter der verschiedenen Tierklans von „Armello“ kämpfen um die Befreiung des Landes und selbstverständlich auch die Nachfolge auf dem Thron. Vier Spieler tummeln sich dann als Wölfe, Bären, Hasen, Ratten oder andere Tiere auf dem Spielfeld und versuchen, ihre eigene Position zu stärken, um am Ende den König besiegen zu können oder einfach zum Zeitpunkt seines Ablebens die einflussreichste Person im Land zu sein. Ein Kampf zwischen Gut und Böse, der in erster Linie durch Karten und Würfel ausgetragen wird.

Was darf’s sein? Ansehen, Fäule, Geister oder einfach rohe Gewalt?

Die Siegbedingungen sind relativ simpel: Spieler können als Ansehensanführer einfach abwarten bis der König nach zehn Tagen mit jeweils einer Runde Tag und Nacht von der Fäule dahingerafft wird, Geistessteine sammeln, um den König von der dunklen Magie zu reinigen, ein noch mächtigerer Fäule-Magier als der König werden oder einfach den König im Kampf besiegen. Je nach angestrebten Sieg haben die einzelnen Helden, zwischen denen man wählen kann, ihre Vor- und Nachteile, wobei theoretisch jeder Held auf jede Weise gewinnen könnte, wären da nicht die eigenen Mitspieler. Egal, ob Einzelspieler-KI oder Multiplayer, je nach Konstellation ist der Ansehenssieg eher selten, viel häufiger und interessanter sind die anderen Siegtypen, bei denen sich die vier Spieler mal gegenseitig meuchelnd, mal vollkommen ignorierend über das Feld bewegen und einfach versuchen, ihre Karten – im wahrsten Sinne des Wortes – zum richtigen Zeitpunkt auszuspielen, um einen eigenen Vorteil davon zu haben.

Armello König

Die beiden zentralen Spielelemente von „Armello“ sind dabei zum einen die Spielkarten, die für Zauber, Ausrüstungsgegenstände, Listen oder Gefolge eines Helden stehen und auch im Kampf eingesetzt werden können, und die Würfel, die je nach gewürfelten Symbol im Kampf und bei der Begegnung von Gefahren, die einem Helden auf dem Weg zum Thron begegnen können, den Ausgang einer Konfrontation entscheiden. Ist ein Held ein guter Krieger, hat er mehr Würfel im Kampf, ist er schlau, hat er eine größere Anzahl bei der Begegnung mit Gefahren. Dazu kommen noch die Spielkarten, die andere Helden ausbremsen genauso wie den eigenen stärken und Vorteile verschaffen können und fertig ist die eigentlich recht simple Basis für ein unterhaltsames Spiel.

Hübsch gestaltet und liebevoll gemacht

Aber selbst wenn im Multiplayer gerade mal ein paar zähere Runden vergehen, weil die eigenen Mitspieler wieder ewig brauchen: „Armello“ sieht zu jedem Zeitpunkt unglaublich hübsch aus. Die Designs der Helden sind in ihrem ein wenig comichaften Stil sehr liebevoll gemacht, die Animationen bei bestimmten Aktionen wirken immer wieder sehr individuell und damit auch passend, und selbst der standardisierte Text, der den Chat ersetzt, ist auf sehr schöne Art an die Helden angeglichen. Dazu kommen die wirklich schönen, gezeichneten Animationen in der Kampfansicht und ein paar nette Gimmicks, mit denen die Spieler nach jeder Partie belohnt werden, und die es ermöglichen, z.B. individuelle Würfel freizuschalten.

Armello Kampfscreen

Durch diesen eigenen Stil fühlen sich die Helden immer wieder lebendig an, obwohl „Armello“ – abgesehen von der Ausgangslage – eigentlich gar nicht storybasiert ist. Gerade zwischen dem Grundspiel und dem „Usurpers Hero Pack“-DLC, das weitere Helden freischaltet, gibt es ein paar Figuren, die sich rein spielerisch wenig nehmen, unter denen man aber fast zwangsweise seine Lieblinge findet, einfach weil sie jeweils ein bisschen anders wirken.

Das alles macht „Armello“ zu einem ganz unterhaltsamen Spiel, mit dem man gut mal ein oder zwei Stunden zubringen kann, wenn sich niemand findet, um sich tatsächlich um einen Tisch für ein Brettspiel zu versammeln, oder alle Beteiligten zu weit voneinander entfernt sind. Und selbst wenn man sich nur im deutlich kürzeren und einfacheren Singleplayer rumtreibt: Schon für seinen hübschen Stil kann man dieses Spiel einfach lieben.

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