Age of Mythology und die Faszination des ersten Spiels

Age of Mythology Faszination
Seit Ende Januar gibt es die erste Erweiterung für „Age of Mythology“ seit 12 Jahren. Das Remake in der „Extended Edition“ ist ein bisschen älter, das gibt es schon seit 2014, aber weder das eine noch das andere dürfte etwas sein, das die Spielewelt noch großartig bewegt hat. Schließlich sorgt auch die leicht verbesserte Grafik der Version von 2014 nicht mehr dafür, dass das Spiel plötzlich nicht mehr veraltet ist. Und trotzdem bin ich fasziniert. Am meisten von meiner eigenen Reaktion, aber ich bin fasziniert. Denn auch nach Jahren lässt mich dieses Spiel einfach nicht los.

Aber eigentlich muss ich da deutlich früher ansetzen, genau genommen nicht 2016, sondern 2008. Da war ich elf, fast zwölf, bei meinen Großeltern zu Besuch und mit meiner Tante im Kaufhaus am Ort. In der Spielwarenabteilung gab es bei denen auch immer ein paar reduzierte Bestseller der PC-Spiele, da stapelten sich über Jahre hinweg meistens die heutigen Klassiker: „Age of Empires“, „Sims“(-Erweiterungen), „Stronghold“, „Total War“-Spiele, sowas. Und eben auch „Age of Mythology“.

Ich hatte bis dahin eigentlich nur „Sims“ gespielt, das aber mit Leidenschaft, und meine Tante hat AoM da im Regal liegen gesehen und gefragt, ob ich das schon gespielt hätte, das wäre sicher gut. Sie jedenfalls hätte mit „Age of Empires“ sehr viel Spaß gehabt. Zehn Euro, das war für mich damals zwar nicht ohne, aber damit war ich neugierig geworden und habe das Spiel einfach aus einer Laune heraus gekauft. Das heißt, genau genommen musste ich sogar noch meiner Tante das Geld geben, damit sie es kaufen konnte, denn auch wenn ich fast zwölf war, durfte ich das Teil auf dem Papier noch gar nicht spielen.

Rückblickend hat sich meine Tante dabei wahrscheinlich im ersten Moment unbewusst gar nicht einmal so beliebt gemacht (wahrscheinlich waren meine Eltern bis dahin eigentlich ganz froh, dass sie mich bis auf Sims medial weitgehend nur auf Bücher und Hörspiele gebracht hatten), aber sie war immer und ist es auch noch meine absolute Heldin dafür. Es gibt wenige Spiele, mit denen ich so viel Zeit verbracht habe, wie mit AoM. Übrigens auch deutlich mehr als „Age of Empires“, zu dem ich danach nie so richtig einen Zugang gefunden habe. Vielleicht lag das auch einfach nur daran, dass AoM damals bei mir den Nerv getroffen hat, dass ich es cool fand, nicht nur in einem antiken Szenario ein Dorf aufzubauen, sondern auch noch Götter und Wesen aus den dazugehörigen Sagen zur Verfügung zu haben, (Mein innerer Griechische Mythologie-Nerd findet das auch bis heute noch zum fröhlich Quietschen) aber was soll’s. Ich habe dieses Spiel gefeiert, that’s it.

Das Faszinierende daran ist, dass ich jetzt, im Jahr 2016 mit 20, noch einmal unglaublich stark gemerkt habe, wie sehr mich dieses Spiel „geprägt“ hat. Es hat für mich nur eine kurze Partie zum Reinfinden gebraucht und schon war nicht  nur einiges wieder da, Banalitäten, dass meine Lieblingseinheit z.B. die Medusa war oder vollkommen unwichtige Details darüber, wie ich das Spiel gekauft habe, sondern war ich auch wieder praktisch süchtig. Möglichst große Karten, ein ausgeklügeltes System an Mauern und Einheiten, um den Kern meines Dorfs gegen möglichst jeden Angriff zu schützen, ich bin sofort in alte Muster und Faszinationen verfallen.

Etwas ähnliches habe ich nur vor einer Weile mit „Sims 2“ erlebt, das EA mal als Promo-Aktion kostenlos auf Origin angeboten hat und das ich mir bei der Gelegenheit samt aller je erschienen Erweiterungen heruntergeladen und wieder gespielt habe. Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass ich noch sehr jung war, als ich diese beiden Spiele gezockt habe, und außerdem beides unglaublich geliebt habe, aber beide üben bis heute eine sehr seltsame Anziehung auf mich aus. Die Grafik ist veraltet und bei beiden gibt es genug Gründe, dass sich die Nachfolger bzw. das Genre stark verändert hat bzw. im Fall von AoM so gut wie ausgestorben ist, aber trotzdem fühle ich mich auf seltsame Weise wieder wie ein Kind, kaum öffnet sich ein neues Spiel auf dem Bildschirm.
Ist das sentimental? Auf jeden Fall.

Ist das objektiv oder meine Meinung zu diesen Spielen professionell? Kein Stück.

Aber es überrascht und fasziniert mich, weil ich dabei ein ähnlich wohliges Gefühl im Bauch habe wie bei dem Gedanken an ein heiß geliebtes Buch. Weil ich es spannend finde, immer mal wieder aktiv zu registrieren, wie sehr ich noch immer nicht nur an einem Pool von Büchern oder Filmen, sondern auch von Spielen hänge, einfach weil sie bei mir einen ganz bestimmten „Sucht-Moment“ ausgelöst haben.

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