Rückkehr zu alten Lieblingsbüchern: „Harry Potter“ ist in meiner Erinnerung am besten

Harry Potter Erinnerung Ravenclaw Schal Wappen
Es ist bald ein Jahrzehnt her, dass ich das letzte Mal einen „Harry Potter“-Roman vollständig gelesen habe. Das klingt für den einen oder anderen vielleicht merkwürdig, weil ich in den sozialen Medien und auch sonst kein Geheimnis daraus mache, dass mir die Bücher viel bedeuten, und mich auch durchaus mal als „Potterhead“, also einen Fan, bezeichne. Trotzdem habe ich seit ich den siebten Band der Reihe beendet habe kaum mehr als einmal kurz in den Büchern geblättert oder mal an einem ruhigen Sonntagmorgen ein einzelnes Kapitel gelesen.

Harry Potter und die verklärte Erinnerung an schöne Bücher

Was zu einem Teil auch der Tatsache geschuldet ist, dass ich im Verhältnis zu meinen frühen Teenagerjahren insgesamt deutlich weniger Romane lese, liegt zum anderen auch an einer vielleicht auch etwas irrationalen Angst, mir die Reihe, die ich eigentlich so sehr liebe, zu ruinieren. „Harry Potter“ waren die Romane, die mich in der Grundschule richtig zum Lesen gebracht haben und mit denen ich auch ein Stück weit groß geworden bin. Zwischen Büchern, in denen weibliche Figuren oft entweder Heldin oder Streberin waren, habe ich mich mit Hermine, die ohne Zweifel beides ist, identifiziert, Ginny für ihre toughe Art geliebt und mich über den Blödsinn der Weasley-Zwillinge amüsiert.

Vieles davon ist in meiner Erinnerung sicher verklärt und beschönigt. Kult um die Romane hin oder her, auch J.K. Rowling ist nicht perfekt genauso wenig wie ihre Romane, weil nichts und niemand perfekt ist. Nur in meiner Erinnerung ist sie es trotzdem. Weil ich sieben war, als ich zum ersten Mal den ersten Band der „Harry Potter“-Bücher in den Händen gehalten habe, und fünfzehn, als der letzte Film in die Kinos kam. Und das ist gut so, aber es ist auch eine Seifenblase, die jeden Moment zerplatzen kann sobald ich mich ihr zu sehr nähere.

Das muss nicht zwingend etwas Schlechtes sein und im Grunde ist das auch ein sehr offensichtlicher Effekt, dass sich die eigene Perspektive auf eine Geschichte mit den Jahren ändert, aber im Fall von „Harry Potter“ möchte ich an der Erinnerung gerne festhalten. Vor kurzem habe ich aus einem nostalgischen Impuls heraus „Blutbraut“ von Lynn Raven wieder gelesen, eines meiner absoluten Lieblingsbücher meiner Lieblingsautorin während meiner Urban Fantasy-Phase als Teenager. Ich bin an ihre Romane gekommen, weil ihre „Dämon“-Reihe einen ähnlichen Ausgangspunkt wie die „Twilight“-Romane von Stephanie Meyer hatte, und bin bei ihren weiteren Büchern kleben geblieben, weil der deutlich komplexere Weltenbau von „Der Kuss des Dämon“ im Vergleich zu „Bis(s) zum Morgengrauen“ mein Interesse geweckt hatte.

Eine Neubewertung kann auch interessant sein

„Blutbraut“ kam später und war insgesamt schon deutlich erwachsener als die „Dämon“-Reihe, drehte sich aber noch immer um Vampire, Magie und eine sehr offensichtliche Liebesgeschichte. Als ich spontan beschlossen habe, das Buch noch einmal zu lesen, habe ich das getan, um ein bisschen Kitsch und Fantasy wieder hervor zu kramen und mich vielleicht auch ein bisschen darüber zu amüsieren, was ich da als Teenie so heiß geliebt habe. In diesem Fall ist die Seifenblase meiner Erinnerung zwar auch geplatzt – genau wie ich erwartet habe – aber das Ergebnis war deshalb noch lange nicht schlecht. Meine Sympathien für die Figuren hatten sich verschoben, vieles fand ich nicht mehr so gut wie früher, einen Teil der Hintergrundgeschichte sehe ich kritischer und die Protagonistin, die ich sehr viel nerviger in Erinnerung hatte, konnte ich plötzlich viel besser verstehen.

Alte Lieblingsbücher noch einmal zu lesen, ist merkwürdig, weil damit immer auch eine Neubewertung einher geht. Kritik, die seit Jahren an „Harry Potter“ geäußert wird, aber in meiner Erinnerung aufgrund der fehlenden Perspektive nicht existent ist, würde vermutlich in dem Moment schmerzhaft empor kommen, in dem ich die Bücher tatsächlich noch einmal komplett lesen würde. Vielleicht wäre das auch richtig und wichtig, aber bisher war mir meine beschönigte Erinnerung an die Romane zu kostbar, um das zu riskieren. Manche Geschichten sind vielleicht auch einfach am besten, wenn man sie ruhen lässt.

4 Kommentare

  1. Pingback: Linkliebe № 13 | LexasLeben

  2. Ich überlege jetzt seit ein paar Monaten, Harry Potter nochmals komplett zu lesen, habe es aber aus Zeitgründen und vielleicht auch genau wegen diesem Punkt bisher immer wieder verschoben. Ich hatte vor ein paar Jahren die Idee, die Gilde der schwarzen Magier von Trudi Canavan nochmals zu lesen, weil ich sie als KInd so toll fand… Und durfte feststellen, dass sich nichtmal nur meine Sympathien verschoben haben, sondern dass ich sie jetzt unglaublich schlecht finde, weil alles viel zu gehetzt ist, in der Mitte dennoch langweilig und die großartige Liebesgeschichte, an die ich mich erinnert hab, heute überhaupt keinen Funken mehr überspringen lässt.
    Aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass es mir bei Harry Potter nicht so gehen wird. Vielleicht weil ich die Bücher sowieso häufiger gelesen hab (jedes Mal wenn ein neuer Band kam mussten ja alle vorherigen nochmals gelesen werden) ohne dass sie schlechter wurden, oder weil ich mir da weniger Illusionen mache, weil ich weiß, dass sie an einigen Stellen durchaus problematisch zu sehen sind (hab einiges von Babenhauserheide zum impliziten Rassismus etc. gelesen). Deshalb werde ich mich wohl nochmals an Harry Potter herantrauen, genau wie danach an die Tintenherz-Reihe, bei der ich von Freunden immer wieder höre, dass sie auch jetzt nichts von ihrer Magie verloren hat. Kai Meyer’s Seide und Schwert hab ich auch vor ein paar Jahren zum ersten Mal gelesen und war wieder begeistert von seinen alten Romanen.

    Also ich kann die Angst voll nachvollziehen, allerdings macht das für mich die Bücher nur noch beeindruckender, die ich heute nochmals lesen und sofort wieder in ihrer Magie versinken kann.

  3. Meine absolute Lieblingsreihe, Die Chroniken von Araluen von John Flanagan, sind auch ein absoultes Jugendbuch, aber ich habe (zumindest den ersten Teil) seit ich 13 bin etwa 35 mal gelesen. Kein Scherz. Oft habe ich es zu Ende gelesen und direkt wieder angefangen.

    Und je älter ich wurde, desto mehr sind mir die „Probleme“ des Buches aufgefallen, desto mehr ist mir aufgefallen wie kindlich es doch eigentlich war.
    Trotzdem liebe ich es noch genauso sehr wie am ersten Tag, denn die Geschichte bleibt dieselbe und was das wichtigste ist: Gerade weil ich das Buch so oft gelesen habe, hängen so viele Erinnerungen an dieser Geschichte, dass es fast so ist, als hätte ich es selbst erlebt <3

    • Sowas kann natürlich auch ein schöner Effekt sein, so hatte ich das bisher noch gar nicht gesehen. Ich bin auch ehrlich gesagt allgemein nicht so sehr die Person für Rereads, vielleicht spielt das auch mit rein. 😀

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