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Dark Canopy: Eine überraschend interessante Dystopie

 

Nachdem die Percents, künstlich geschaffene Soldaten für den dritten Weltkrieg, den Spieß umgedreht haben und von den Sklaven zu den neuen Herrschern der Menschen und damit der Erde geworden sind, hat sich einiges geändert. Dunkle Wolken, erzeugt von einer Maschine, verhüllen fast ganztäglich den Himmel, die Sonne sieht man nur noch selten, die Welt hat an Farbe verloren. Doch egal wie aussichtslos der Kampf gegen die körperlich wie materiell überlegenen Percents scheint: Ein kleiner Teil der Menschheit hat noch nicht aufgegeben. Es sind Rebellen, die außerhalb der Städte ums Überleben kämpfen. Immer in der Hoffnung, eines Tages doch noch die Gelegenheit zu bekommen, ihren Feinden den entscheidenden Schlag zu versetzen.
Unter ihnen ist auch Joy, die bei einem missglückten Befreiungsversuch ihrer Freundin Amber gefangen genommen wird und sich mit einem Mal in der Obhut von Néel wieder findet. Sie ist seine Soldatin und er soll sie für das Chivy, eine jährliche Hetzjagd auf Menschen, ausbilden.
Was voller Abneigung und mit Joys schier unendlichen Ehrgeiz, zuvor zu fliehen, beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einer ungewöhnlichen Freundschaft, die Joy immer mehr dazu zwingt, sich zu fragen, ob Menschen und Percents sich wirklich so sehr unterscheiden.

Ehrlich gesagt hat mich dieses Buch ordentlich überrascht.
Im Moment gibt es Dank den „Tributen von Panem“ so viele Dystopien oder Dystopie-ähnliche Bücher, die den Markt fluten, dass das Genre immer mehr in eine ähnliche Richtung abdriftet wie schon zuvor die Vampir- und Werwolf-Bücher nach dem Erfolg der Bis(s)-Bücher. Dementsprechend hatte ich eigentlich eine eher mittelmäßige Story mit mittelmäßigen Charakteren und mittelmäßigem Schreibstil erwartet. Etwas, das zwar Spaß macht, aber auch nichts Besonderes ist.
„Dark Canopy“ dagegen ist allerdings tatsächlich doch etwas Besonderes.

Zwar folgt Jennifer Benkau mit ihrer Geschichte nach wie vor den üblichen Trends des Genres und lässt ihre Heldin auf eine düstere, unterdrückte Welt los, um sie dort gegen die bestehenden Verhältnisse aufbegehren und in einer brutalen Menschenhetzjagd um ihr Leben kämpfen zu lassen, aber zugleich sind da diese Elemente, die „Dark Canopy“ einen ganz eigenen Touch geben.
Das zeigt sich am allerbesten an Joy selbst, auch wenn ich glaube ich bisher noch nie einen Namen für eine Figur als so unpassend empfunden habe. Denn Joy ist vieles, aber eigentlich keine Frohnatur. Sie ist verbissen und eher introvertiert, jemand, der andere eher vor den Kopf stößt als sich mit ihnen anzufreunden. Sie lebt in ihrer eigenen, engen Welt und schafft es kaum die Brücken zu den Menschen um sie herum zu schlagen. Sie hat eine ganze Menge an Ecken und Kanten, aber gerade das ist es, was sie interessant macht. Sie ist nicht schön, sie ist nicht perfekt, sie beißt sich einfach durch. Irgendwie wird dadurch zwar schon recht bald klar, dass es für Joy so kein Happy End geben kann, aber genauso wunderbar kann man in ihre etwas eigenen Perspektive eintauchen.

Gefühle sind wirr, wer sie in einfachen Worten beschreibt, hat sie nicht verstanden.

– Jennifer Benkau: „Dark Canopy“, Kapitel 42

Der Rest der Figuren ist dagegen leider etwas flach und grau. Zwar wird dem Leser im Bezug auf Néel noch ein gewisser Wandel und damit Tiefe präsentiert, der vor allem an Joys Perspektive liegt, aber der Rest – ganz besonders Joys bester Freund Matthial bzw. die Rebellen im Allgemeinen – sind schwer nachvollziehbar und eher langweilig.
Damit verbunden braucht „Dark Canopy“ auch fast die Hälfte der Geschichte, um zu einem echten Pageturner zu werden. Davor ist die Welt sehr klar schwarz und weiß, die Menschen sollen die Guten sein und die Percents die Bösen, obwohl eigentlich schon sehr bald klar ist, dass Joy ihre Meinung über letztere wohl noch revidieren und dass das wiederum vermutlich an ihren Gefühlen für Néel liegen wird.
Kaum ist dieser Hürde allerdings geschafft, dreht die Autorin auch sprachlich unglaublich auf. Joys Gefühle für Néel sind wie sie selbst: Kompliziert, rau und ungewöhnlich. So ungewöhnlich wie die großen Bilder, die damit mit einem Mal dem Leser in den Kopf gezaubert werden.

Das zwischen uns, das war wie der Wind. Stürmisch, pfeifend, eisig und rau, voller Zorn, aber ebenso mild, berürend oder zärtlich flüsternd.

– Jennifer Benkau: „Dark Canopy“, Kapitel 28

Unterm Strich schafft es aber eben genau dieser Sog in die Geschichte hinein, der mit solchen Beschreibungen einher geht, die Defizite der Story auszugleichen. Mit diesem Sog zieht die Autorin ihre Leser so tief in Joys Gedanken-, Gefühls- und Umwelt, dass ich zum Schluss das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.

Infos zum Buch:
Autorin: Jennifer Benkau
Verlag: Script5
Umfang: c.a. 528 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. März 2012

ISBN: 978-3839001448
Preis Printausgabe: 18,95€ [D]Preis ebook: 9,99€ [D] (Stand: 14.02.15)

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Hier kommt ihr zu „Dark Canopy“ auf der Verlagswebsite.

Raiting: [8.5/10]

Die Instax Mini 90 im Test: Ein schönes Retro-Spielzeug für die Handtasche

Retro und Vintage, das ist gerade einfach schick.
In Zeiten von Facebook und Instagram ganz besonders. Da ist ein Foto kein Foto, wenn nicht mindestens drei Filter drüber gelegt werden, die zwar die objektive Bildqualität weit unter das drücken, was moderne Smartphone-Kameras eigentlich leisten können, aber egal. Ist ja cool.
Auf diese Welle ist jetzt nun schon seit einer kleinen Weile auch Fuji aufgesprungen, indem sie eine Technik wieder populär gemacht haben, die eigentlich logisch betrachtet in Zeiten der digitalen Fotografie vollkommen in der Versenkung hätte verschwinden müssen: Polaroid- oder Sofortbild-Kameras.
Der wunderbare Hipster-Schnittpunkt zwischen digitaler (weil sofort das Ergebnis liefernder) und analoger (weil mit Filmen bzw. Lichtempfindlichen Papier funktionierender) Fotografie. Hach ja, technisch zwar theoretisch herzlich sinnlos, aber doch irgendwie faszinierend.
So faszinierend, dass ich mich jetzt auch einmal daran gewagt und die Instax Mini 90 Neo Classic von Fujifilm getestet habe.

Was ich wollte…

Wie ich gerade schon angedeutet habe: Analoge Fotografie übt auf mich, ein Kind der 90er, das sich nur noch dunkel an Filme und Entwicklungszeit für Fotos erinnert, eine unglaubliche Faszination aus.
Zwar glaube ich kaum, dass ich so viel fotografieren würde, wie ich es im Moment tue, wenn es keine Digitalkameras gäbe, die im Grunde ja nur einmal in der Anschaffung teuer sind und danach so gut wie keine „laufenden Kosten“ produzieren und so die Lernkurve viel steiler machen, aber der technisch natürlich auch genau deswegen etwas schwierigere Part von analoger Fotografie übt eine Art magische Anziehung auf mich aus.
Mit einer Polaroid-Kamera wollte ich da erst einmal die bereits erwähnte Schnittstelle zwischen dieser analogen Technik und der Möglichkeit, meine Fotos sofort ansehen zu können, austesten. Deshalb war es für mich auch wichtig, mir ein Modell herauszusuchen, das mir ein paar Funktionen für die eine oder andere technische Spieleri bietet, aber zugleich auch klein und damit handlich bleibt und vor allem mein Budget von 100€ bis maximal 150€ nicht sprengt.

Was ich bekommen habe…

Geliefert wurde die Kamera inklusive Akku, Ladegerät für denselben und einem Tragegurt. Die dazu passenden Filme muss man extra dazu bestellen, werden aber zumindest in doppelten Zehnerpackungen geliefert, d.h. mit ein bis zwei dieser Zwanzigerpacks kommt man ziemlich weit. Auch schön ist, wie leicht die dann einzulegen sind, denn im Grunde nimmt man nur die einzelnen „Zehnerstapel“ aus der Folie, in die sie eingepackt sind, und legt die dann samt der Plastikhalterung in die Kamera ein. Klappe zu, die Instax spuckt die Verschlussfolie der Halterung aus und es kann schon losgehen. Kurz: Technisch easy und intuitiv, keine unnötigen Verkomplizierungen bei der ersten Verwendung.

Die Filme zur Kamera: Geliefert in zwei Zehnerpacks (eins davon seht ihr rechts)

Die Ergebnisse, sprich: die Fotos, sind ganz schön, wieder ist es der Retro-mäßige Touch, der fasziniert, nicht die Technik selbst. Wer die Schärfe einer Digitalkamera in derselben Größe oder Preisklasse (125€, Stand: 11.02.15) erwartet, wird enttäuscht werden. Nahe Gegenstände sollte man immer mit Blitz fotografieren, wenn man ein vollkommen scharfes Bild möchte, oder in Kauf nehmen, dass eine gewisse Unschärfe da sein wird. Ähnliches gilt im Übrigen ganz grundsätzlich für Landschaftsaufnahmen u.ä. Weil da der Blitz nichts mehr bringt, ist es da sehr schwer eine saubere Schärfe hinzubekommen, auf der anderen Seite macht aber auch gerade das natürlich den Charme der Polaroids aus. Sie sind klein (62 x 46mm), etwas verschwommen und sehr extrem ausgeleuchtet, haben aber auch diesen schwer fassbaren Retro-Touch.
Außerdem – und damit komme ich zu dem großen Vorteil der Instax Mini 90 – gibt es ja noch ein paar kleine Spielereien.

Insgesamt fünf verschiedene Modi (Party, Kinder, Landschaft, Doppelbelichtung und Langzeitbelichtung/B)kann man an der Instax einstellen, dazu kommen noch die Makro-Funktion, verschiedene Helligkeitsstufen sowie Selbstauslöser und ein paar Einstellungen zum Blitz. Einen guten Teil davon habe ich (vielleicht auch nur bisher) nicht wirklich gebrauchen können bzw. habe ich beim Testen dieser Funktionen keinen wirklichen Sinn oder Vorteil darin sehen können.
Ganz schön/praktisch dagegen finde ich (abgesehen von der Möglichkeit, den Blitz an und aus zu schalten) sowohl die Helligkeitsstufen als auch die Doppel- und Langzeitbelichtung, weil das die drei Modi sind, mit denen man ein paar technische Spielereien, wie sie mich nun einmal interessieren, ausprobieren kann. Während die Helligkeitsstufen einfach bei der Kontrastierung bzw. Helligkeit von z.B. Horizont und Himmel (vgl. Foto unten) helfen, bietet die Langzeitbelichtung sich gerade für Aufnahmen bei schlechtem Licht etc. an und nicht zuletzt gefällt mir die Doppelbelichtung für den Geisterhaften Touch, der damit einher geht.

Drei meiner bisherigen Fotos: Einmal Plattenbau vor eigentlich schön blauem Himmel (links), einmal eine doppelt belichtete Aufnahme meiner Hand (mitte) und einmal komplett automatisch drei Dosen, die in meine Küche so rumstehen (rechts) 😉
Lange Rede, kurzer Sinn: Lohnt sich das Geld?

Ja und Nein.
Ja, denn das Geknipse und Herumprobiere mit dem Teil macht Spaß und ich persönlich bin ohne Frage hoffnungslos verliebt. Ich mag die Ergebnisse, ich mag die Kamera, ich mag das Handling. Ich habe ohnehin eine große Liebe für haptische Fotos, ausgedruckt oder Sofortbild/Polaroid. In Kombination mit den erwähnten Kleinigkeiten, die die Kamera möglich macht, hat sich für mich der Kauf auf jeden Fall gelohnt.
Der einzige echte Minuspunkt ist wirklich der Kostenfaktor: Denn nicht nur sind die Filme mit knapp 20€ pro Packung nicht gerade billig, sondern auch finde ich unterm Strich für das, was die Instax kann 125€ leicht übertrieben. Das Problem dabei ist nur, dass es leider relativ wenig Konkurrenz zur Instax Mini 90 gibt. Das nächstbilligere Modell, die Instax Mini 25, bietet bei etwa 80€ direkt weniger Einstellungsmöglichkeiten, auch wenn nach dem, was ich von einer Freundin gehört habe, auch die ganz gut sein muss, und alles drüber hat sich bei meinem Faszinations-/Spielerei-Anspruch ohnehin selbst erübrigt bzw. mein Budget gesprengt.

In einem Satz: Wer einfach Spaß an Polaroids und ein paar Spielereien hat und bereit ist, ein Mal ein wenig mehr zu bezahlen, wird mit der Instax Mini 90 vermutlich viel Spaß haben, allen anderen würde ich aber ansonsten wohl eher zur Instax Mini 25 raten.

Wie sieht das bei euch aus? Mögt ihr Polaroids bzw. analoge Fotografie oder könnt ihr meine Faszination damit gar nicht nachvollziehen und druckt euch im Zweifelsfall die Bilder lieber aus?

Abingdon Hall: Der Sommer vor dem ersten Weltkrieg

August 1914: Der erste Weltkrieg naht, es herrscht eine seltsame Stimmung in Europa, doch noch ist alles friedlich, alles ruhig. Auch auf Abingdon Hall, dem Landsitz der Familie Greville, herrscht noch Alltag, eine Ruhe vor dem Sturm. Während Lady Stanmore über einen passenden Heiratskandidaten für ihre Tochter Alexandra nachdenkt, kämpft Alexandras Bruder Charles mit einer scheinbar chancenlosen Liebe, von der sein Vater Lord Stanmore, der wiederum keinen Zugang mehr zu seinem Sohn findet, nichts hält. Dazwischen lassen sich auch noch die anderen Bewohner des Hauses sehen: Das Dienstmädchen Ivy, die Brüder Roger und Fenton Wood-Lacy und ein Neffe der Lady aus Amerika. Und so beginnt sich die Geschichte um die Familie der Grevilles und natürlich auch um Abingdon Hall zu entspinnen…

Es gibt Bücher, denen tun ihre Cover und Klappentexte einfach nicht gut.
„Abingdon Hall: Der letzte Sommer“ ist so ein Buch.
Denn nach dem Foto der jungen Frau auf dem Umschlag und der Betonung von „Partys und Romanzen“ auf der Rückseite könnte man zu sehr eine etwas seichte, aber eben ganz nette Story rund um eine mehr oder weniger starke Heldin erwarten, etwas, das ich irgendwann einmal zwischendrin lese, vielleicht sogar mit der einen oder anderen mäßigen Erotikszene oder im besten Fall wenigstens einer vollkommen unrealistischen, aber süßen Lovestory.
Zwar liegt es in der Natur eines Buchs und einer Geschichte, dass auch „Abingon Hall“ seine Drehungen und Wendungen, seine Dramen und Freuden, aber das leicht kitschige Label, das auch bei mir v.a. durch das Cover gedanklich provoziert wurde, wird dem Buch einfach nicht gerecht.

Aber was ist „Abingdon Hall“ dann? Ein historischer Roman, natürlich, noch dazu einer der schon fast mit der Manier eines Fantasy-Schinken mit den Namen der Akteure und ihres Umfelds umspringt, der mich mitreißt und zugleich verwirrt, weil ich trotz der langsamen, ruhigen Erzählweise kaum mit den diversen Namen hinterher komme. Diese Vielzahl der Personen, die einen leicht den Überblick verlieren lässt, ist es zugleich auch, die für mich die Faszination der Geschichte wahrt. Ich schlage das Buch auf und die Geschichte saugt mich komplett zwischen die Seiten, lässt mich nicht mehr los, auch wenn ich als moderner Mensch an einigen Stellen von historischen Gegebenheiten oder gesellschaftlichen Konventionen, die einfach im modernen Europa nicht einmal mehr in Ansätzen vorhanden, regelmäßig verwirrt war.
Trotzdem mag ich diesen Stil. Nicht nur, weil es dadurch sehr leicht fällt, sich im England des frühen 20. Jahrhunderts wieder zu finden, sondern auch weil der Autor dadurch die Illusion einer recht sauberen historischen Genauigkeit erschafft, die zu hinterfragen ich als Leser kaum in Erwägung ziehe.

Mich hat dabei die gerade zu Beginn recht bedächtige Erzählweise und natürlich auch der gesamte Plot ein wenig an „Downton Abbey“ erinnert und Fans der Serie würde ich wohl auch „Abingdon Hall“ als Buchtipp empfehlen. Denn das gesamte Setting – gerade in Kombination mit der schön aufgebauten Illusion von historischer Authentizität – und den sehr bildlichen und einsaugenden Schreibstil Phillip Rocks erzeugt eine ähnlich faszinierende Stimmung rund um eine reiche, elitäre Familie, die eigentlich dabei doch nichts anderes als ein Beispiel für ein aristokratisch durchorganisiertes System sind, dessen ineinandergreifende Zahnräder für uns moderne Menschen immer fremder wirken.

Kurz: Eine wunderbare Empfehlung für Fans von langsam erzählten und durchaus komplexen historischen Romanen, die Masse an Fakten, die die Geschichte mit sich bringt, sollte man aber nicht unterschätzen.

Infos zum Buch:
Autorin: Phillip Rock
Verlag: blanvalet
Umfang: c.a. 640 Seiten
Erscheinungsdatum: 15. September 2014

ISBN: 978-3-442-38304-7
Preis: 9,99€ [D]

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Hier kommt ihr zu „Abingdon Hall: Der letzte Sommer“ auf der Verlagswebsite.
(An dieser Stelle auch noch einmal ein Dankeschön an den blanvalet für das Rezensionsexemplar.)

Raiting: [8/10]

Der Altmann ist tot: Miss Marple meets Berlin Kreuzberg

Der Mathelehrer einer Berliner Problemschule, Günther Altmann, wird tot aufgefunden. Ermordet. Und wer war’s? Die schwangere zweite Frau? Ihr heimlicher Freund? Die Ex-Frau? Die verlassene Kollegin und Ex-Geliebte? Oder doch die gesamte türkische Familie einer ehemaligen Schülerin, hinter der der Altmann vor ein paar Jahren her war, im Kollektiv?
Die Gerüchteküche beginnt zu brodeln und ruft zwei weitere Lehrerinnen aus dem Kollegium auf den Plan: Unabhängig von der Polizei beginnen Fräulein Krise und Frau Freitag damit, eigene Spuren zu verfolgen. Immer hinter dem Mörder (oder der Mörderin) her…

Fräulein Krise und Frau Freitag ermitteln? Das kann ja nur schräg werden.
Und schräg ist wohl auch wirklich das beste Wort, mit dem man das Buch zusammenfassen kann. Denn „Der Altmann ist tot“ ist nicht sonderlich spannend oder aufregend, nicht einmal grausam oder subtil bedrückend, Nein, es ist vor allem… schräg.
Das beginnt schon bei den auftretenden Figuren: Den Schülern, die auf ihre eigene, nicht immer übemäßig intelligente, aber sympathische Art die Geschichte bereichern, dem Lehrerkollegium, das zwar überzeichnet, aber sehr typisch ist und mich so spontan an einige Gestalten aus meiner eigenen Schule erinnern, genauso wie den leicht tollpatschigen Polizisten und ehemaligen Schülern Emre und Ömür. Aus oder viel mehr innerhalb dieses sehr liebevoll gestalteten und eingesetzten Teppichs der einzelnen Personen entwickelt sich dann die Handlung inklusive aller Widrigkeiten der Ermittlungen.

Ich denke, „Der Altmann ist tot“ gehört wohl zu den Büchern, die ich als Buch wohl kaum bis gar nicht gelesen hätte, denen aber die Hörbuchfassung sehr gut getan hat.
Wer nach den Autorinnen etwas spritzig witziges wie „Chill mal, Frau Freitag“ erwartet, wird wohl oder übel enttäuscht werden. Im Rahmen des Krimis geht davon nämlich einiges verloren, die etwas ungehobelten, aber sympathischen Schüler treten in den Hintergrund und die Handlung bewegt sich ein ganzes Stück von dem Rahmen „Schule“ weg und mehr in Richtung der Großstadt Berlin. Das ist irgendwo schön und bei einem (wenn auch humorvollen) Krimi natürlich auch nötig, allerdings ist es zugleich eine Frage der Erwartungen und Ansprüche, die man an die Geschichte hat.
Denn auch die gekürzte Hörbuchfassung zieht sich irgendwo und „Der Altmann ist tot“ hat für  mich dasselbe Problem wie es auch „Glennkill“ hatte: Die einzelnen Episoden sind oft recht unterhaltsam, im Ganzen aber leidet dafür darunter zu sehr die Spannung.
Das ist irgendwo auch natürlich typisch für einen witzig angelegten Krimi, aber zugleich auch schade.
Umso besser gefällt mir das Hörbuch als solches: Nicht nur, dass es sehr gut passt, dass Frau Freitag (Carolin Kebekus) und Fräulein Krise (Joseline Gassen) verschiedene Stimmen bekommen haben – noch dazu sehr gut passende – der z.T. im Dialog der beiden geschickt eingesetzte Wechsel gibt dem Ganzen immer wieder einen sehr schönen schon hörspielartigen Charakter, der nicht nur gut zu den entsprechenden Szenen, sondern auch zu dem gesamten Buch wunderbar passt.

Infos zum Hörbuch:
Autorinnen: Fräulein Krise und Frau Freitag
Sprecherinnen: Joseline Gassen und Caroline Kebekus
Verlag: Argon Verlag
Laufzeit: 7 Stunden, 16 Minuten, 6 CDs
Erscheinungsdatum: 20. Juni 2013

ISBN: 978-3-8398-1248-8
Preis: 19,95€ (Stand: 15.01.15)

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Hier kommt ihr zum Hörbuch von „Der Altmann ist tot: Frl. Krise und Frau Freitag ermitteln“ auf der Verlagswebsite.

Raiting: [7/10]

Only Lovers Left Alive: Einmal hyptnotische Melancholie bitte!

Vergesst alles, was ihr über Vampirfilme wisst. Vergesst alles, was ihr über Vampire wisst. Vergesst die großen Namen wie Tilda Swinton und Tom Hiddleston. Vergesst Twilight, Dracula und alle anderen Klischees.
Denn „Only Lovers Left Alive“ wird garantiert nicht dazu passen.

Der Film erzählt im Grunde von der Liebe der Vampire Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton). Oder viel mehr einen kurzen Ausschnitt davon, denn die beiden sind älter als nur ein paar Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte.
Während Eve in Tanger lebt und sich vor allem mit ihren Büchern beschäftigt, vegetiert der depressive Adam in seiner herunter gekommenen Villa in Detroit vor sich hin und widmet sich seiner Musik. Sie leben rein theoretisch beide in einer modernen Welt, aber während Adam in Selbstmitleid versinkt und das meiste, was die Menschen, die „Zombies“ wie er sie nennt, produzieren, verteufelt, genießt Eve die Möglichkeiten dieser Zeit. Gerade als Adam seinen Selbstmord eigentlich schon beschlossen hat, ahnt Eve, dass es ihrem Liebsten nicht gut geht, und fliegt kurzerhand von Tanger nach Detroit, um ihn aus dem seelischen Loch, in dem er sich vergraben will, wieder heraus zu holen.

Damit beginnt die eigentliche Handlung, die Geschichte treibt sich von da an auf eine sehr langsame, melancholische, Dank des Soundtracks, der nebenbei bemerkt schon für sich schön ist, oftmals geradezu hyptnotische Art und Weise selbst weiter. Handlungsstränge werden angerissen, ganz heimlich und nebenbei Andeutungen auf das Jahrhunderte lange Leben der auftretenden Vampire gemacht, kleinere Episoden gehen nahtlos ineinander über. Das ist ungewohnt vor dem Hintergrund, dass wir es als Zuschauer normalerweise gewöhnt sind, dass uns bei einem Vampirfilm ein klarer Spannungsbogen präsentiert wird.
Im Vergleich dazu ist „Only Lovers Left Alive“ sehr leise, fast schon schüchtern und unauffällig, aber genau das ist es, was mir gefällt. Keine überzogene, lächerliche Action. Keine künstliche Dramatik oder pseudoromantischer Kitsch, kein albernes Getue, nur eine Geschichte, der der Vampirismus fast schon eher zufällig als Rahmen dient und die mit tollen, weil ruhigen, Bildern beeindruckt.
Langsam und behutsam erzähl und genau deswegen so schön.

Ein Film, der Freude bereiten kann.
So lange man nicht mit den falschen Erwartungen daran geht.

Raiting: [9/10]